21.04.2008
Teure Vergeßlichkeit
Gerne erkläre ich mich mit notleidenden Trafikanten solidarisch, aber die Solidarität hat dort ihre Grenzen, wo es um unser wirtschaftliches Überleben geht. Dieses Schlußwort setzte Dr. Sebstian Zimmel (Cigar & Co) hinter ein Ende Februar an Finanz-Staatssekretär Dr. Christoph Matznetter gerichtetes Ansuchen um Aussetzung der Jänner-Zahlung, die aus der zehnprozentigen Handelsspannenerhöhung für Tabakwaren resultiert. "Allein bei uns macht dasüber 5.000 Euro aus, für die wir keineDeckung im Kleinverkaufspreis haben", rechnet der den Branchenteilnehmern als Don Sebstian bestens bekannte Großhändler mit Cigarren- und Pfeifen-tabakspezereien vor, auf die man, wie ja in der Jännerausgabe der "Österreichischen Trafikantenzeitung" im Interview mit Bundes-gremialobmann KR Peter Rudolf Trinkl zu lesen war, beiden Trafikanten-Paket-Verhandlungen schlichtweg vergessen hat."
Ein Vergessen, dem schließlich noch eine mangelhafte und für ein zeitgerechtes Gegensteuern zu späte Information zur Seite gestellt wurde. Und das just bei Waren, bei denen die kürzeste Vorlauffrist für die Erledigung eines Preisantrags drei Wochen beträgt. "Abgesehen davon, können wir mit unserem Abrechnungssystem Preisänderungen jeweils nur zu Monatsbeginn vornehmen, was also bedeutet, daß wir die zehnprozentige Handelsspannenerhöhung für den Jänner aus eigener Tasche berappen müßten", wirbt Zimmel für Verständnis für sein Ersuchen. Und das noch immer hoffend darauf, daß das Finanzministerium das Vergessen auf die "braune Ware" generell nachbessert und die bisherige Preisbalance gerade auf diesem Sektor wiederherstellt, was sogar die Idee nahelegt, den "Solidarbeitrag" einstweilen auf ein Treuhandkonto zu überweisen
Cigar & Co, ein mit viel Fachkenntnis auf die Einfuhr und das Anbieten von Cigarren-, Cigarrilo- und Pfeifentabakspezialitäten spezialisiertes Importunternehmen, vertritt primär kleine Cigarren- und Tabakmanufakturen, die in Dritte-Welt-Ländern Tabakprodukte fertigen, die mit geringen Spannen zum Verkauf angeboten werden. Dahinter stehen also, wie bei den meisten anderen einschlägig tätigen Importeuren auch, keine Heuschrecken-Großkonzerne, denen gerne ein Abcashen nachgesagt wird.
Daß es Betriebe wie Cigar & Co überhaupt gibt, ist nicht zuletzt dem Versäumnis des seinerzeitigen Tabakmonopols zuzuschreiben, entgegen seinem Versorgungsauftrag gehandelt und Konsumentenwünsche sowie Marktnischen nicht abgedeckt zu haben. Schon damals hat man wie leider jetzt ebenauch auf die Cigarren und Pfeifentabake vergessen, wobei ohne die Rührigkeit der Kleinimporteure die Konsumenten dieser Produkte zum Schaden des Fiskus weiterhin ihren Bedarf im Ausland oder am Schwarzmarkt abdecken würden, ja geradezu müßten. Sie alle, die der Bestückung der Humidore und Pfeifentabakregale Europaniveau verschafft haben, leisten für den Fiskus unter gewaltigen bürokratischen Auflagen beachtliche Inkassodienste und würden sich im Gegenzug eine faire Behandlung verdienen. Nicht zuletzt auch zum Nutzen des Staates, dessen Tabaksteuereinnahmen durch eine Einkaufstourismus-Attraktivitätssteigerung aufgrund eines neu geschaffenen Preisgefälles hinter den Erwartungen zurückbleiben dürften.

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