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10 Jahre display ban in Kanada

21.06.2012

In der EU wird ein Präsentationsverbot für Tabakwaren diskutiert. Andere Länder haben diese Beschränkung schon vor Jahren eingeführt, es existieren also bereits Erfahrungen und Daten. Der Blick über den europäischen Tellerrand könnte unseren Politikern wertvolle Hinweise darauf geben, ob derart weitreichende Eingriffe in das Geschäftsleben auch die gewünschten Lenkungseffekte bei Gesundheit und Konsumverhalten erzielen.

Kanada führte als zweites Land der Welt zwischen 2002 und 2008 in neun von zehn seiner Provinzen den display ban ein. Welche Folgen dies auf das Rauchverhalten der Jugend hatte, wurde 2010 von Patrick Basham vom „Institute of Economic Affairs“ auf der Basis offizieller Zahlen des kanadischen Gesundheitsministeriums untersucht. Dabei zeigen sich vorweg große Unterschiede zwischen verschiedenen Provinzen sowie deutliche Schwankungen im Jahresvergleich – nach oben wie nach unten.

Saskatchewan und Manitoba waren 2002 die erste Provinzen, in denen das Präsentationsverbot für Zigaretten eingeführt wurde. Nach Daten von „Health Canada“ (Quelle: www.hc-sc.gc.ca) rauchten in Saskatchewan im Jahr 1999 gut 31, in Manitoba 29 Prozent der 15- bis 19-Jährigen. Schon vor dem display ban sank dieser Wert im Jahr 2000 auf 24 bzw. 25, lag aber 2001 wieder bei 27 sowie 28 Prozent. Im Einführungsjahr 2002 kletterte er in Saskatchewan gar zurück auf 29 Prozent und lag noch 2005 – also drei Jahre nach Einführung – bei 25 Prozent. Nach einem langsamen Sinken hat sich der Raucheranteil unter Jugendlichen im Jahr 2010 auf rund 20 bzw. 15 Prozent eingependelt. Neuere Zahlen liegen derzeit nicht vor, sodass der weitere Verlauf – vielleicht auch wieder ein Anstieg – offen bleibt.

Gesellschaftliche Trends
Diese langsame, aber langfristige Reduktion der Raucherquote spiegelt den allgemeinen Trend in der Gesamtbevölkerung wider. Sowohl bei Jugendlichen als auch Erwachsenen ist in der offiziellen Statistik jedoch kein harter Einbruch aufgrund des display bans zu beobachten. Ganz im Gegenteil: Besonders in Saskatchewan liegt die Raucherquote unter Jugendlichen im Jahr 2010 doppelt so hoch wie im Rest Kanadas. Selbst in Manitoba, das zu Beginn etwa auf Landeslevel lag, ist sie 1,5-mal so hoch. Damit ist kein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen einem Präsentationsverbot für Zigaretten und dem Raucheranteil unter Jugendlichen nachzuweisen.

Wettbewerbsverzerrungen
Andere Effekte hatte der display ban jedoch sehr wohl – der Wettbewerb zwischen verschiedenen Arten von Tabakvertrieben wurde verzerrt: Für das kanadische Gegenstück zum Trafikanten war der Verkauf von Tabakwaren und damit auch die Ausstellung der Produkte weitaus wichtiger als für Supermärkte – die Präsentation einer großen Auswahl ist nun mal das Markenzeichen eines echten Fachgeschäfts und erklärte auch den 2/3-Anteil der Fachgeschäfte am legalen Zigarettenmarkt. So wanderten Kunden zu größeren Geschäften wie Supermärkten ab, die gar nicht auf den Tabakverkauf angewiesen sind. Für das kleine Fachgeschäft aber gingen Umsätze verloren, die nicht einfach durch einen Sortimentswechsel zu ersetzen waren.

Die Verlierer
Die Größenordnung des darauf folgenden kanadischen Trafikantensterbens hat eine Studie von PriceWaterhouseCooper und der HEC Universität Montreal erhoben: Alleine im Jahr 2008 schlossen mit 2.300 Shops fast 15 Prozent des Gesamtbestands. Warum dieses Sterben bei einer Handelsspanne von nur rund 10 Prozent überhaupt so lange gedauert hat, liegt an der Struktur der dortigen Geschäfte, die schon vor dem display ban nur ein Drittel ihrer Umsätze aus Tabakverkäufen lukrierten.

Allerdings verursachte der display ban derselben Studie zufolge auch einen Verlust an Laufkundschaft in Höhe von rund 1,06 Millionen Kunden täglich, der selbstverständlich zu Umsatzeinbußen auch bei den sichtbar verbliebenen Produkten führte.

Die Gewinner
Gleichzeitig wurde der Schwarzmarkt durch das Präsentationsverbot nachhaltig gestärkt: Für ganz Kanada gehen Schätzungen mittlerweile davon aus, dass gut ein Drittel aller konsumierten Zigaretten aus Schmuggel und Produktpiraterie stammen – in grenznahen Provinzen mehr.

Fazit:
Einzelmaßnahmen wie das Präsentationsverbot für Zigaretten haben – falls überhaupt – im Konzert der Verbote und Einschränkungen, denen Raucher unterliegen, derart geringe Auswirkungen auf die Raucherquote unter Jugendlichen, dass sie im allgemeinen Trend untergehen und in ihrer Wirkung nicht isoliert bewertbar sind. Für den Fachhandel sind diese Maßnahmen allerdings Gift, wie die kanadischen und mittlerweile auch irischen Trafikanten aus leidvoller eigener Erfahrung bestätigen können.

Die Politik wäre deshalb gut beraten, vor der Einführung derart weitgehender Einschränkungen in einer seriösen Kosten-Nutzen-Rechnung abzuwägen, ob der Effekt einer Maßnahme einem gesunden Verhältnis zu den sonstigen Auswirkungen steht. Wonach es nicht aussieht.

Autor/in:
Redaktion Trafikantenzeitung
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