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Andreas Schiefer ist mit Blick auf die Gespräche mit dem Finanzministerium vorsichtig optimistisch - doch es liegt noch keine Regierungsvorlage auf dem Tisch ...

„21er-Packung ist das falsche Signal ...“

23.05.2017

Der stellvertretende Bundes- und Wien-Obmann Andreas Schiefer hat mit einigen aktuellen Entwicklungen keine Freude.

Wie sehen Sie Preisspiele wie die ­Chesterfield mit 21 Stück zum 20-Stück-Preis vor dem Hintergrund der  laufenden Gespräche mit dem Finanzministerium?
Wir finden es echt kontraproduktiv vom Marktführer, eine derartige Aktion in einer Zeit zu setzen, in der über Erträge gejammert und verhandelt wird – das ist das völlig falsche Signal! Und ich befürchte, dass andere Marktteilnehmer auf die Idee kommen könnten, ähnliche Handlungen zu setzen. Die Argumentation, dass „Chesterfield eh über dem Low-Price-Segment liegt“, spielt für mich keine Rolle. Laut Philip Morris Austria soll die Liefermenge dieser 21er-Packungen auf etwa zwei Wochen angelegt sein. Wenn aber nicht alle Trafikanten diese Packungen bestellen, wird der Vorrat länger halten …
Auch die Eco-Zigarillos von Moosmayr halte ich insofern für ein gefährliches Produkt: 3,40 Euro für 17 Stück (entsprechen einem 20er-Preis von 4,00 Euro) könnten Raucher zum Umsteigen bewegen und eine Abwärtsspirale der Preise in Gang setzen. Dabei haben wir im Gespräch mit dem Finanzministerium verhindert, dass die Steuer auf Zigarillos stark erhöht wird.
Hier sollte sich jeder die möglichen Konsequenzen solcher Produkte genau überlegen – auch auf Trafikantenseite!

Immer wieder wird in verschiedenen Medien von „nur 52 Prozent“ ­Behinderter unter den Inhabern von Tabakfachgeschäften gesprochen und manchmal sogar das Tabakmonopol infrage gestellt. Sehen Sie den Erbparagraphen 31 unter starkem Druck?
Nein. Hier wird nur eine Zahl herausgepickt, aber nicht darauf geschaut, was jahrzehntelang schiefgelaufen ist. Wir haben bei den Tabakgeschäften ja eine 2-Klassen-Gesellschaft: die Tabakfachgeschäfte mit einer bundesweiten Quote vorzugsberechtigter Inhaber von 52 % (Wien 60 %) und dann die Tabakverkaufsstellen, die ebenfalls Nutznießer des Tabakmonopols sind, aber nichts für Behinderte tun müssen. Man muss auch die Verkaufsstellen in das Modell integrieren – zum Beispiel mit einer verpflichtenden Behindertenbeschäftigung ab einem bestimmten Tabakwarenumsatz. Tabakverkaufsstellen sollten auch kündbar sein, um solche mit hohen Tabakumsätzen in Fachgeschäfte mit vorzugsberechtigten Eigentümern verwandeln zu können.
In strukturschwachen Regionen ist es oft so, dass es ein kleines Geschäft gibt, das auch noch Poststelle und verbundene Trafik ist – und trotzdem nicht von den Umsätzen leben kann. Hier könnte man das Pferd anders rum aufzäumen: mit der Vergabe eines Fachgeschäftes mit lebensfähiger Tabakhandelsspanne, das aber zusätzlich noch eine Nahversorgeraufgabe bspw. als Greißlerei wahrnehmen darf. Die klassische Variante der Verkaufsstellen-Greißlerei mögen die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden zwar sehr, sie funktioniert aber leider nicht.

Diese Themen spielen in die Standort- und Strukturpolitik hinein, welche ja Aufgabe der Monopolverwaltung ist.
Beide Begriffe müssen endlich definiert und gelebt werden! Das Gerede vom Versorgungsauftrag kenne ich jetzt schon seit 15 Jahren – der gehört jetzt einmal definiert und muss sehr breit gefasst werden. Wobei man beim Begriff „Strukturpro­blem“ immer an enge Bergtäler und einsame Dörfer denkt. Wir haben aber ein Strukturproblem mitten in Wien, wo viele kleine Trafiken an der Grenze der Lebensfähigkeit sind! Das Problem dabei: Die Miete für einen besseren Standort und die Übersiedlung könnten sich viele Betroffene gar nicht leisten. Hier wäre echte Strukturarbeit mit finanziellen Förderungen notwendig.
 

Den vollständigen Artikel finden Sie ab 29. Mai in der Druckausgabe der Trafikantenzeitung.

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