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Riccabona zieht sich aus allen Funktionen der Wirtschaftskammer zurück. Trafikantin bleibt sie allerdings noch länger - und das gerne.

Angelika Riccabona - eine Rückschau

21.06.2016

Die Tiroler Landesgremialobfrau Angelika Riccabona legt mit Ende Juni dieses Jahres (fast) alle Ämter zurück. Wir haben sie noch einmal vor den Vorhang gebeten.

2012 wurde der Tirolerin der Titel "Kommerzialrat" verliehen, der bei der politischen Arbeit immer wieder nützlich war. "Die Ehrennadel der Wirtschaftskammer im heurigen Mai war einfach ein nettes Danke für meine Arbeit." bewertet die langjährige Landesobfrau derartige Würdigungen.

Mit welchen Zielen haben Sie im Jahr 2000 das Landesgremium Tirol übernommen?

Ich wollte damals Landesgremialobfrau werden, weil ich den Gestaltungsspielraum erkannt habe und mich stark genug fühlte, mit meinen Ideen und meiner Kraft etwas für unseren Berufsstand tun zu können. Dazu waren meine Töchter aus dem Gröbsten heraus. Diese Zuversicht haben damals nicht alle geteilt. Doch von denen wollte keiner den Job machen. 
Und dann war es doch ein längerer Lernprozess: Bis man eingearbeitet ist und von allen gekannt und akzeptiert wird, vergeht gleich einmal eine halbe Amtsperiode. Wie alle habe auch ich den Aufwand unterschätzt und war viel mehr mit der Arbeit für das Landesgremium beschäftigt, als ich im Vorfeld angenommen hatte.
Ich hatte mir nie politische Ziele gesetzt – ich wollte einfach den Zusammenhalt und die Einigkeit der Trafikanten stärken. Wir haben ja sehr ähnliche Angebote an die Kunden, also Zigaretten, Zeitschriften, Lotto. Dadurch besteht keine Konkurrenzsituation wie in anderen Branchen, und man könnte eigentlich noch viel enger zusammenhalten.

Welche Dinge oder Rahmenbedingungen haben sich seit Ihrem Start als Trafikantin am stärksten verändert?

Die Arbeit selbst hat sich verändert. Die Hintergrundarbeit hat aus mehreren Gründen stark zugenommen. Bis zum EU-Beitritt gab es einen Hauptlieferanten, ein paar Quellen für Nebenartikel und die Zeitungen. Das war’s auch schon.
Heute gibt es eine Vielzahl an Großhändlern mit entsprechend höherem Bestellaufwand – man ist eigentlich dauernd am Bestellen und Übernehmen der Lieferungen. Ich bekomme im Schnitt sechs Tabaklieferungen pro Woche. Da würde ich mir oft eine gemeinsame Zustellung der wichtigen Tabakgroßhändler wünschen: Das wäre einfacher im Handling und dazu noch umweltfreundlicher – schließlich kommt jedes Packerl im eigenen Lieferfahrzeug ...

Warum ziehen Sie sich jetzt aus der Landesspitze zurück?

Ich habe 2015 zwei weitere Enkelinnen bekommen und schnell gemerkt, dass ich für sie viel zu wenig Zeit habe. Bei einer politischen Funktion gibt es kein geregeltes Leben, denn es kommt immer etwas dazwischen. Es läutet das Handy, Mails sind zu beantworten, man hat Termine in der Wirtschaftskammer, und zumindest zweimal pro Monat steht eine Fahrt nach Wien an. Ich habe das immer gerne gemacht und nie ausgerechnet, wie viel Zeit dafür draufgeht. Jetzt möchte ich ein Stück Planbarkeit in meinem Leben zurück haben. Ich bleibe ja Unternehmerin, aber für die Rolle als Oma habe ich künftig auch Spielraum.

Haben Sie den Eindruck, dass eine Berufsvertretung heute mehr, gleich viel oder weniger für Ihre Mitglieder bewirken kann als früher?

Es ist definitiv schwerer geworden. Früher hat man als Trafikant und Trafikantenvertreter bei den Politikern so gut wie immer ein offenes Ohr gefunden. Heute traut sich kein Politiker mehr, öffentlich zu unserem Berufsstand zu stehen, weil wir die „Dealer“ für gesundheitsschädliche Produkte sind. Die Einnahmen aus der Tabaksteuer nehmen sie allerdings immer noch gerne.

 

Das vollständige Interview lesen Sie ab 24. Juni in der aktuellen Druckausgabe der Trafikantenzeitung.

Autor/in:
Matthias Hauptmann
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