Direkt zum Inhalt

Automatenverbot und Tabak ab 18 Jahren: ein Sturm im Wasserglas

23.01.2017

Die Anhebung des Jugendschutzalters und das angeblich notwendige Verbot von Zigarettenautomaten sorgten schon zu Jahresbeginn für Unruhe in der Tabaklandschaft. Was steckt dahinter und wie real ist die Gefahr?

Das Jahr 2017 hatte kaum begonnen, schon war die Treibjagd auf Raucher, Tabakbranche und Trafikanten offenbar wieder eröffnet: Familienministerin Sophie Karmasin dachte lautstark über die Anhebung des Raucheralters von 16 auf 18 Jahre nach. Und die Entscheidung des Berliner Justizsenates für Verbraucherschutz, dass die TPD2-Bildwarnhinweise bei Zigarettenautomaten vor dem Kauf nicht sichtbar und somit die Automaten selbst illegal seien, wurde ebenfalls dankbar in Österreich aufgegriffen. Am schönsten war dabei, dass sich beide Themen nach Belieben kombinieren und an die Medien weitergeben ließen.

Die Fakten

Jugendschutz ist in Österreich Landessache. Zur Sinnhaftigkeit dieser Tatsache mag man stehen, wie man will – die werte Familienministerin kann dieses Thema den Ländern vorschlagen; selbst regeln kann und darf sie es nicht.

In Deutschland betrifft die Entscheidung des Berliner Justizsenates genau ein Bundesland: Berlin. Auch bei unseren deutschen Nachbarn ist dieses Thema Landessache, von einem deutschlandweiten Verbot von Zigarettenautomaten zu sprechen ist also unwahr und reine Propaganda. Interessanter Weise ignorieren deutsche Medien dieses heimische (!) Thema , während in Österreich sämtliche Tageszeitungen den gleichen Artikel zu einem deshalb in Österreich drohenden Automatenverbot veröffentlichten. Woher kommt diese Unausgewogenheit?

Tabakbashing als Aktivitätsnachweis

Wenn man sonst schon nix weiter bringt kann man immer noch die Raucher und die Tabakbranche prügeln – das kommt in der Öffentlichkeit immer gut. Das derzeitige Vorgehen entspricht genau dieser Logik.

Das Gesundheitsministerium lässt lautstark vernehmen, es prüfe die Gesetzmäßigkeit der aktuellen Situation rund um die Zigarettenautomaten. Auf welcher Basis denn, bitteschön? Die TPD2 sowie ihre österreichische Umsetzung im  Tabak- und Nichtraucherschutzgesetz regeln die Kennzeichnung und Verpackung von Tabakerzeugnissen – die Präsentation ist den Trafikanten im Rahmen des Tabakmonopolgesetzes frei gestellt.

Fazit

Was bleibt also von den „Aufregerthemen“ des Jahresbeginns? De facto nicht mehr als eine äußerst dünne Suppe, die zwar lautstark kommuniziert wird, gleichzeitig aber auf bestenfalls sehr wackeligen Beinen steht. Ein reines Anmaßen von Regelungskompetenz reicht sowohl Gesundheits- als auch Familienministerium gottlob noch nicht aus, nach Belieben Verordnungen erlassen zu können.

Zwar ist das in Tageszeitungen skizzierte Verbot von Zigarettenautomaten derzeit nur eine Wunschvorstellung bestimmter Anti-Tabak-Kreuzritter – die Tendenz ist aber klar: Der Druck auf Raucher und Tabak wird hoch gehalten.

Autor/in:
Matthias Hauptmann
Werbung

Weiterführende Themen

Meldungen
20.02.2019

Laut MVG und Wirtschaftskammer war die Umstellung auf das neue Alterslimit problemlos - und wie haben Sie es erlebt?

Meldungen
24.01.2019

Die Umstellung der Zigarettenautomaten auf die Alterskontrolle „ab 18 Jahre“ wurde zeitgerecht und gut abgeschlossen.

Tschüss, Quick-Modul! Die Verifizierung des neuen Alterslimits für den Tabakkauf ist künftig nur noch via NFC-Modul und Abfragevertrag möglich.
Meldungen
12.11.2018

Mit 1. Jänner 2019 ist der Verkauf von Tabakwaren erst ab einem Alter von 18 Jahren gestattet. Die Altersabfrage ist allerdings technisch nicht ganz trivial. Und auch nicht umsonst. 

Nach einer ersten Phase, in der verunsicherte Kunden die Automatenumsätze leiden ließen, ist Andreas Schiefer nun ein bekennender NFC-Fan: „Die Leute haben schnell entdeckt, wie bequem sich ganz ohne Ärger mit Münzgeld die Zigaretten kaufen lassen. Und meine Automatenumsätze haben sich um  20  Prozent verbessert.“
Meldungen
12.11.2018

... meint Andreas Schiefer im Gespräch, das sich aber noch um weit mehr als die Alterskontrolle am Automaten dreht. 

Nach dem Stopp der alljährlichen Tabaksteuer-Anhebungen wird die Preisfrage alleine bei den Tabakkonzernen liegen. Andreas Schiefer meint dazu: „Man wird die Tabakindustrie an ihren Taten messen."
Meldungen
17.04.2018

Wir haben den Wien-Chef und stellvertretenden Bundesgremialobmann Obmann Andreas Schiefer zu den aktuellen Themen wie Tabaksteuerstopp und Jugendschutz zum Gespräch gebeten.

Werbung