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Der Großhandel ist nur Überbringer der Botschaft

21.04.2008

Montag Morgen. Herr Maier öffnet seine Trafik um 6:00 Uhr. Die ersten Kunden kommen, holen sich ihre Zeitung, geben Lotto-Tipps ab und kaufen Zigaretten. 10 Uhr: Herr Maier bekommt seine wöchentliche Lieferung vom Großhändler tobaccoland. Mit solchen Lieferungen kommen nicht nur Zigaretten und Spezialartikel, sondern auch Rundschreiben. Der Fahrer hat diesmal eines dabei. Unter anderem eine "Ankündigung zur Preiserhöhung".
"Nicht schon wieder", stöhnt Herr Maier. "Im letzten Jahr wurden die Preise so oft erhöht und gesenkt wie überhaupt nie zuvor." Das Preisgefüge führt zu vielen Fragen seitens der Kunden wie auch der Trafikanten, und zu Wehgeklage gegenüber dem Großhändler.
Das Rundschreiben mit den Preiserhöhungen ist allerdings nur der vorläufige Endpunkt einer langen Kette. Denn der Großhändler, der dem Trafikanten die Preiserhöhung mitteilt, ist nur der Überbringer der Botschaft.
Am Anfang steht die Entscheidung eines Industriepartners, die Preise für seine Produkte nach oben oder unten anzupassen.
"Wir werden über dieses Vorhaben informiert und schicken dann ein offizielles Schreiben an unsere Kunden aus der Industrie mit der Bitte, Änderungswünsche bis zu einem bestimmten Stichtag bekannt zu geben", erklärt Dr. Peter Leimer. Er ist General Manager von tobaccoland und hat schon viele Preisänderungen miterlebt. Mit Absprachen hat die Information an die übrigen Industriepartner allerdings nichts zu tun. "Die Großhändler wurden von Finanzministerium und Monopolverwaltung darum gebeten die Preisänderungen zu koordinieren, und solche Vorhaben zu bündeln, um die Verwaltungskosten zu senken. Wer seinen Preis ändert und wenn ja, in welche Richtung, geben wir an die anderen Partner natürlich nicht weiter."
Nach Verstreichen des Stichtags werden Anträge an das Finanzministerium gestellt. Für die Großhändler bedeutet das vor allem viel Koordinationsarbeit. Neben der Verwaltung der Anträge und sonstigen Unterlagen, die dann zwischen Monopolverwaltung, Großhändler und Ministerium hin und her gehen, muß auch das EDV-System umgestellt werden.
"Das ist ein enormer Aufwand für uns. Vor allem, wenn man sich vor Augen führt, daß wir derzeit rund 580 Artikeln und Produkte verwalten", meint Leimer. "Natürlich tragen wir damit auch die große Verantwortung, daß dieser Prozeß korrekt abgewickelt wird gegenüber dem Staat, den Steuerzahlern, den Trafikanten und nicht zuletzt den Industriepartnern. Nicht nur die Preise und der Zeitpunkt der Preiserhöhung wird vom Industriepartner festgesetzt, sondern auch ab welchem Zeitpunkt die Kommunikation an die Trafikanten startet!"
Bis zur Ankündigung über Rundschreiben, Lottoterminalmail und Ankündigung im Amtsblatt der "Wiener Zeitung" dauert der Prozess etwa vier Wochen. Dann wird der Preis tatsächlich geändert und die Umsetzung kontrolliert. Die Großhändler führen die (angepaßte) Tabaksteuer jener Produkte ab, die von ihnen vertrieben werden.
"Wir beobachten den Markt, die gesetzlichen Rahmenbedingungen und all die anderen Einflüsse ständig. Das heißt: Unsere Entscheidungen, die Preise gegebenenfalls anzupassen, folgen detaillierten Marktanalysen", sagt Jürgen Klampfer, JTI C&TM Operations Director. "Gerade jetzt, durch die Grenzöffnungen und das Trafikanten-Paket, ist das Preisniveau sehr komplex beschaffen".
Montag Vormittag. Herr Maier räumt seine Lieferung in die Regale. Morgen werden die gleichen Produkte mehr kosten. Manche seiner Kunden ärgern sich noch darüber, die meisten sind Erhöhungen aber schon gewöhnt. "Weniger Änderungen wären besser", meint der Trafikant Maier. "Aber das wissen eh alle."

Autor/in:
Redaktion Trafikantenzeitung
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