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Der Tanz durchs Leben

22.06.2021

Corona macht es Risikogruppen nicht leicht. Renate Cvrkal schickte daher Ehemann Robert in die Trafik. Als gelernter Betriebswirt kennt er sich aus und ist mit dem Geschäft ohnehin seit Langem eng verbunden.

Viele der Kundinnen und Kunden erkennt er trotz Maske sofort. Robert Cvrkal hält derzeit in der Trafik seiner Frau Renate die Stellung. Auch wenn der Corona-bedingte Anblick natürlich noch immer ungewohnt ist und er die Kaufwünsche manchmal nicht gleich versteht: „Die Masken schlucken viel an Wortdeutlichkeit, und wenn ich sie noch dazu den ganzen Tag trage, wird das ziemlich anstrengend.“ Ist einmal niemand in der Trafik, legt Robert Cvrkal die Schutzmaske ab: „Das muss sein, damit ich durchatmen kann.“

Vorsicht

Die Eingangstür bleibt den ganzen Tag geöffnet, damit durchgehend für alle bestmögliche Corona-Sicherheit gegeben ist: „Ich bin an sich nicht ängstlich, aber viele Kundinnen und Kunden wollen derzeit nur schnell rein, kaufen und wieder raus. Plaudern wie sonst, das gibt es derzeit kaum.“ Dabei ist die Trafik des Ehepaares Cvrkal für viele wie ein zweiter Familientreffpunkt. Da wird sonst einfach alles besprochen. Man kennt einander über lange Zeit persönlich, wie das eben in einem Ort in Niederösterreich üblich ist. „Aber einige bleiben dann doch etwas länger. Sie stellen sich in richtigem Abstand beiseite, und wir reden. Dass derzeit die Trafik nicht so top geordnet wie sonst ist, macht ihnen nichts aus. Wie soll ich auch? Uns fehlt die Zeit!“

Herr Cvrkal steht derzeit überwiegend allein in der Familientrafik, da Ehefrau Renate die Zeit zu Hause verbringen muss. Als Eigentümerin der Trafik gehört sie derzeit einer der Risikogruppen an. Als Familie hält man natürlich zusammen, und auch Sohn Martin übernimmt als künftiger Nachfolger Dienste. Alle zwei Tage wird gewechselt: „Da wir jeweils allein in der Trafik stehen und uns deshalb sehr konzentrieren müssen, sowohl bei den Kundenwünschen, beim Nachbestellen, beim Automaten-Nachfüllen als auch beim Abrechnen, braucht man nach der Arbeit Erholung. Auch die Maske strengt an.“

Hundeleben

Normalerweise liegt in der Trafik immer auch ein Hund. Er ist ein Husky und hört auf den Namen Cassy. Robert Cvrkal lacht, wenn er daran denkt, dass sich die Hundedame einst die Haustür ihres Vorbesitzers selbst geöffnet hatte und plötzlich im Garten des Ehepaares Cvrkal stand. Sie hat sich bei uns so wohl gefühlt, dass meine Frau und ich gleich andachten, sie bei uns zu behalten. Jetzt musste nur noch der ursprüngliche Besitzer überredet werden. Diesen kostete es aber nur ein Lächeln, denn der war Sohn Martin.

Bezugsperson ist jetzt Frau Renate, die oft mit Cassy spazieren geht. „Sie ist eine hochsensible Hündin und schlägt daher auf vieles an. Mitunter auf Merkwürdiges. Da ist sie vom Charakter her wie ihre Vorgängerin, unsere leider inzwischen verstorbene Judy. Die war einmal außer Rand und Band, also praktisch wie von Sinnen und verbellte und boykottierte am Spazierweg ein Gebüsch. Am nächsten Tag erfuhr meine Frau, dass genau an diesem Ort kurze Zeit zuvor eine Frau vergewaltigt worden war.“

Robert Cvrkal erzählt noch immer betroffen auch von einer Situation bei seinem ehemaligen Arbeitgeber, einer Bank, wo er einst bei einem Raubüberfall im Filial­raum anwesend war. Es kam zum Schusswechsel mit einem Toten. Über mehr will er aber nicht sprechen. Nur, dass er jetzt für alle Finanzabwicklungen der Familientrafik verantwortlich und im besten Einvernehmen mit dem Finanzamt ist.

Engagement

Weil den Finanzexperten und Co-Trafikanten sowie seine Frau die geringe Spanne, die derzeit mit einer Trafik erzielt wird, stört, verzichtet das Ehepaar auf Bankomatzahlung: „So etwas rechnet sich bei uns einfach nicht, zieht man alle Sonderabgaben an die Bank ab. Drei Häuser weiter gibt es einen Bankomaten, das wissen unsere Kunden und gehen vorher dorthin abheben.“
Robert Cvrkal kennt sich mit Abgaben gut aus und hat sich vor Jahren schon für eine sinnvolle finanzielle Abgeltung bei der Automatenabfrage für alle Trafikanten eingesetzt: „Am Anfang war es so, dass jede Abfrage am Automaten mit Kosten für uns Betreiberinnen und Betreiber verbunden war. Auch wenn Lausbuben sich einen Streich erlaubten und ständig da­rauf hin- und herdrückten. Der Trafikant musste bein­hart für deren Blödsinn bezahlen. Ich habe Einspruch erhoben. Jetzt fallen Kosten nur an, wenn auch gekauft wird.“
Über den Tisch ziehen lassen wollen sich Renate und Robert Cvrkal auf keinen Fall. Bereits bei der Übernahme der Trafik aus einer Konkursmasse im Jahr 1993 wollte man aus ihrer anfänglichen Unwissenheit Kapital schlagen: „Wir hatten seinerzeit gut verhandelt, und es waren – noch in Schilling notiert – ÖS 4.000,– als Monatsmiete ausgemacht gewesen. Plötzlich wollte man aber ÖS 6.000,–! Wir setzten eine ganze Truppe von Anwälten ein – und das war für uns gut so.

Entspannung

Erholung und Entspannung nach einem langen Arbeitstag findet das Trafikanten-Ehepaar beim Tanzen – und das schon seit vielen Jahrzehnten. Impulsgeber war seinerzeit der Vater von Frau Cvrkal gewesen, ein Turniertänzer. Renate hatte ihren Mann schließlich überredet, ebenso das Tanzbein zu schwingen. Seit Jahrzehnten wurde das bis vor Kurzem zu einem täglichen abendlichen Fixtermin in der Tanzschule Chris Lachmuth. Fünf- bis sechsmal in der Woche tanzte das Ehepaar dort. 

Auch der Urlaub wurde meist dem Tanzen gewidmet: „Da wir bereits mehrere Goldsterne im Tanzen errungen haben, liegt unser Spaß auch darin, bei internationalen Tanzfestivals mitzuwirken. Das verknüpften wir gleich mit unserem Urlaub.“ Deshalb steht das Ehepaar Cvrkal bereits in den Startlöchern, wenn es darum geht, endlich wieder gemeinsam mit anderen tanzen zu dürfen. „Wir proben zwar täglich weiterhin zu Hause via Skype, aber das ist einfach nicht das Gleiche“, sagt ­Robert Cvrkal. „Vor allem meine Frau freut sich darauf, endlich wieder unsere Freunde und Bekannten persönlich wiederzusehen. Ihr fehlen die sozialen Kontakte sehr, auch die hier, in der Trafik. Mit Sohn Martin hatten wir schon einen Grilltag. Er ist gelernter Koch und daher der Grillmeister der Familie. Da geht es uns ­Eltern gut.“ Wenn dann nach dem sonntäglichen Grillen noch Zeit bleibt, geht’s mit dem Hund und der NÖ-Card ab in die Natur. Dann ist sogar Cassy in ihrem Element.

Erstmals veröffentlicht 2020

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