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„Die spezifische Steuer knabbert an unserer Mindesthandelsspanne ...“

21.03.2017

Nach Mengenverlusten zum Jahresende 2016 und einer weit unterdurchschnittlichen Steigerung des WAP schrillen die Alarmglocken in der Branche. Wir haben Bundesgremialobmann Josef Prirschl vors Mikrofon gebeten.
 

Josef Prirschl ist für die nächsten Monate - zumindest bis zum Beschluss der Tabaksteuer ab 2018 - vorsichtig optimistisch, dass die Preise halten werden.

Welche Erwartungen hat das Bundesgremium für die anstehenden Preisschritte im April 2017?
Grundsätzlich erwarte ich mir, dass alle um 20 Cent pro Packung erhöhen. Angesichts der Verhandlungen zu Spannengestaltung und Neuverhandlung der Tabaksteuer wäre es auch sehr kurzsichtig von der Industrie, einerseits den eigenen Vorschlag durchbringen zu wollen, aber gleichzeitig eine Preissteigerung unterhalb der Erwartungen des Finanzministers durchzuführen. Ich bin insofern vorsichtig optimistisch – wie lange eine Preiserhöhung dann aber hält, kann 
niemand sagen.

Wirkt sich die Anhebung der spezifischen Tabaksteuer um drei Euro pro Tausend Stück auf die Mindesthandelsspanne aus?
Die Mindesthandelsspanne sinkt mit 1. April 2017 durch die Steuererhöhung real um 30 Cent pro 1000 Stück. Damit wird noch offensichtlicher, dass die Mindesthandelsspanne neu gestaltet werden muss. Um zu verhindern, dass sich dieses Spiel wiederholen kann, brauchen wir eine konstante Entwicklung:
1.    Anpassung der MHS auf einen Wert von 0,538 Euro für Fachgeschäfte. Der Text mit dem Mindestbetrag der Mindesthandelssteuer von 0,49 Cent pro Packung wurde seit 2010 nicht verändert. Die Preise sind seither um rund 20  Prozent gestiegen; der neue Mindestwert von 0,538 Euro berücksichtigt diese Tatsache.
2.    Eine jährliche Anpassung, entweder gebunden an den Verbraucherpreis­index oder den Tabaksteuerindex.
3.    Wenn die Punkte 1 und 2 nicht den gewünschten Effekt bringen, fordern wir die Einführung der an Tabaksteuer oder Verkaufspreis gebundenen Nettohandelsspanne von 14 und 15 Prozent nach dem schon bekannten Stufenplan.

Wird der „Marlboro-Tanz“ mit der offensichtlichen Angst vor einem Fünf-Euro-Packungspreis auch für andere Hersteller und Marken erwartet? 
Eines ist klar: Vor dem Pro­blem runder Euro-Beträge, wie derzeit der Fünf-Euro-Hürde, stehen über kurz oder lang aber alle Anbieter. Interessanterweise relativiert sich das Problem wieder, sobald Beträge wie 5,20 oder 5,30 Euro für die Konsumenten zur Normalität geworden sind. Aktuell wurden nun zwar Preisanhebungen bei der Marlboro verlautbart, allerdings kann eine bald wieder vorgenommene Preisabsenkung ja nicht ausgeschlossen werden.

Welche durchschnittliche Preiser­höhung müsste kommen, um den „Hänger“ 2016 zu kompensieren und 2017 zumindest auf jenen Stand zu kommen, als hätte es den vorjährigen Rückgang nicht gegeben? 
Es gibt derzeit mehrere Hänger zu korrigieren. Der WAP ist im historischen Rückblick immer um weniger als 20 Cent gewachsen. Im Augenblick kommen aber die Mengenrückgänge vom Jahresende 2016 noch dazu – dies in  Kombination mit einer WAP-Erhöhung von nur 11 Cent ist so richtig giftig. Der Jänner 2017 war nicht sooo schlecht, für Februar habe ich noch keine Zahlen. 
Außerdem stehen die Ergebnisse der Packungsstudie aus: Es ist zu befürchten, dass der Gesamtmarkt gar nicht zurückgeht, sondern der in Österreich versteuerte Verkauf an Schwarzmarkt, Schmuggel und privat legal ins Land gebrachte Ware verliert. 

Auf der Pressekonferenz der MVG war zu hören, dass 2016 nur eine geringe Zahl von Fachgeschäften zugesperrt hätte. Wie kommentieren Sie das?
Wir blicken auf die Jahre des Solidaritäts- und Strukturfonds zurück, in denen zahlreiche Geschäfte zugesperrt haben. Deren Umsätze haben die Fachgeschäfte der Umgebung weiter getragen. Allerdings sind wir derzeit schon derart knapp an der Grenze der Rentabilität vieler Trafiken, dass jede weitere Verschlechterung für eine große Zahl von Trafikanten existenzbedrohend werden kann. Die Schließungen von Fachgeschäften könnten also rasch wieder zunehmen, womit mittelfristig die flächendeckende Versorgung mit Tabakwaren – immerhin der Arbeitsauftrag der Monopolverwaltung – gefährdet wäre. Wir befinden uns jedenfalls in keiner Situation, in der man sich – als Politiker oder Berufsvertreter – gemütlich zurücklehnen und auf die Stabilität und Profitabilität des Tabakmarktes vertrauen kann. 

Das vollständige Interview mit Josef Prirschl können Sie ab 24. März in der aktuellen Ausgabe der Trafikantenzeitung nachlesen.

Autor/in:
Matthias Hauptmann
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