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Die Trafik „Zum lustigen Hermann“

01.07.2021

Der Trafikant Hermann Maringer ist Geschäftsmann, Stimmungskanone und kommunikative Drehscheibe seines Heimatortes Hausleiten. Ein chronisch gut gelauntes Energiebündel. 

Betritt man die Trafik im Zentrum von Hausleiten, zieht Hermann Maringer alle Blicke auf sich. Nicht nur, weil seine Körpergröße beeindruckend ist und er eine gewisse Ähnlichkeit mit US-Komödiant Steve Martin aufweist, sondern weil er jeden seiner Kunden persönlich mit Namen kennt. „Natürlich hat das Vorteile, wenn man auch im Ort wohnt und mit den meisten aufgewachsen ist. Man verliert sich nie wirklich aus den Augen.“ Die Dorfgemeinschaft veranstaltet auch Feste, die man gemeinsam feiert – oft länger, als für manchen gut ist: „Gestern warst ja ganz schön in Fahrt“, so Hermann Maringer zu einem noch sichtlich vom Vortag Gezeichneten, der Zigaretten holt. Der Nachzügler weiß, wie es gemeint ist, und bleibt. Anteilnahme und Fürsorge tun gut. Schmähführen gehört beim lustigen Hermann sowieso dazu.

Ein Trafikant mit Künstlername

 Und weil die ganze Umgebung ihn immer schon so nennt, legte sich Herr Maringer den „Lustigen Hermann“ als Künstlername zu. Bei Veranstaltungen und Festen tritt er als Unterhaltungskünstler auf. Sein Steckenpferd ist das professionelle Witze-Erzählen. „Man weiß daher immer, wenn der Hermann in der Trafik steht, denn dann wird’s lang. Gute Witze lässt sich eben kaum jemand entgehen“, erzählt Stammkunde Stefan P. „Karten verkaufen wir auch – das geht bei uns sehr gut“, erzählt der Trafikant. Wie aufs Stichwort bestellt Frau Traude gleich vier Karten für den Circus Roncalli. Die nächste Kundin aus der langen Warteschlange am Montagmorgen ist Frau Renate. Sie will ein Buch abholen, das aber noch nicht geliefert wurde: „Wenn’s da ist, rufe ich dich an“, so Organisator Maringer. 

Family-Business

Ist viel los, unterstützt Ehefrau Sabine im Verkauf. Sie ist der Ruhepol im Duo Maringer. Die Trafikantin schaut auch, dass der Betrieb weitergeht, wenn ihr Mann Spezialaufgaben nachgeht. „Meine Schwester und Schwägerin sind zeitweise ebenso in der Familientrafik im Einsatz“, erzählt die gelernte Schneidermeisterin. Sie übt zwar ihren Beruf nicht mehr aus, doch „wenn’s ums Dekorieren von Geschenken geht, bin ich in meinem Element, genauso wie beim Ausmalen oder Tapezieren“, womit Sabine Maringer derzeit im eigenen angrenzenden Wohnhaus ihren Tag verbringt und zwischendurch für die Trafik kurz von der Leiter steigt.

„Vor ein paar Jahren habe ich mich in Absprache mit meiner Familie dazu entschlossen, ein bisschen leiser zu treten. Man soll im Leben das machen, was man besonders gut kann. Das ist bei mir neben der Trafik die Unterhaltungskunst. Die konnte ich schon seinerzeit in unserem Kaufhausbetrieb mit Partyservice gut ausprobieren, bis es jetzt zum Nebenjob gereicht hat“, sagt der „lustige Hermann“. 

Viel gelernt habe er von Vater Franz: „Der war eine kaufmännische Ur-Begabung, wie sie im Buche steht. Noch als 85-Jähriger ließ er es sich nicht nehmen, an der Kassa zu sitzen“, schüttelt der mittlerweile ergraute Junior heute noch den Kopf. „Ich habe das Kaufhaus 1981 übernommen und ausgebaut, kurze Zeit später auf EDV und Scanning umgestellt und damals schon eine Wärmerückgewinnungsanlage gebaut.“ Doch die Zeiten ändern sich und das lokale Lebensmittelgeschäft musste einer Supermarktkette weichen.

Manches ist unlustig

Im umgebauten Gebäude befinden sich nun Trafik und angrenzende Post im Verbund. „Dass beide beispielsweise Lotto verkaufen dürfen, ist nicht wirklich wirtschaftlich, aber man arrangiert sich“, grummelt Maringer. Manche Unstimmigkeiten in Hausleiten sind auch hausgemacht. So findet es der sonst „Lustige Hermann“ gar nicht lustig, dass es keine Parkmöglichkeit vor seiner Trafik gibt. Im Gegenteil: „Viele unserer Kunden müssen immer wieder € 30,– Strafe zahlen, weil sie auf ihrem Weg nach Stockerau vor meiner Tür halten“, ärgert sich der Trafikant. „Für die Bushaltestelle gleich nebenan hat man den nötigen Platz gefunden, für die Trafikkunden nicht? Daraufhin habe ich eine Bürgerinitiative mit Unterschriftenaktion ins Leben gerufen. Hunderte Unterstützer konnten gewonnen werden, und die Liste wurde dem Bürgermeister übergeben. Sogar das Land NÖ entwarf einen eigenen Plan. Doch bis heute sind alle Bemühungen in der Schublade verschwunden“, wundert sich Trafikant Maringer. Inzwischen musste allerdings das gegenüberliegende Wirtshaus schließen, dessen Parkplatz jetzt auch der Trafik zur Verfügung steht. „Trotzdem: Eine wirklich akzeptable Lösung ist das nicht“, seufzt Maringer. 

Man hält zusammen

Inzwischen betritt eine junge Frau die Trafik und reiht sich ganz hinten ein. Hermann Maringer hat alles im Blick und bedient sie gleich vor allen. Denn Kind und Kinderwagen stehen unbeaufsichtigt vor der Tür. Es gibt kein Murren. Selbstverständlich wird hier Nachbarschaftshilfe auch in der Trafik gelebt. 

Ehefrau Sabine erinnert sich selbst noch gerne an die Zeit des Kinderwagen-Schiebens zurück. Die eigenen Kinder sind längst erwachsen und haben ihre eigene Geschichte. Inzwischen ist auch die befreundete Kundin Frau Hermi dran und holt ihre Zigaretten. „Beliebt sind fast alle Marken. Ab Herbst und vor Weihnachten gehen die Zigarren bei uns toll. Auffallend ist aber, dass die Jungen generell weniger rauchen. Fasziniert sind sie von Shishas oder der E-Zigarette und wuzeln oder stopfen sich ihre Zigaretten auch gerne einmal selbst“, beobachtet Sabine Maringer. Was ihr auch bei den Saisonarbeitern der Spargelbauern jeweils im Mai und Juni auffällt, ist, dass sie Tabak und Hülsen ohne Filter rauchen, genauso wie das slowakische Pflegepersonal der Umgebung. 
Der mittlerweile Letzte der vormals langen Warteschlange ist an der Reihe. Er will noch vor dem Lesen der Sportseite wissen, wer gestern beim Grand Prix von Monza gewonnen hat. Aber eigentlich sei es ihm egal, denn die Formel 1 ist nicht mehr das, was sie einmal war. „Der Ecclestone gehört raus! Auch die Motorengeräusche klingen wie ein Motorrad. Das gefällt mir alles nicht mehr“, philosophiert der Sportbegeisterte. Hermann Maringer nimmt’s gelassen.

Nicht nur Schmäh führen

Der „Lustige Hermann“ hat das richtige G’spür für die menschliche Seele. Er mag alle Eigenarten – und das spürt man. Hermann Maringer weiß auch, wann nicht langes Reden, sondern Handeln angesagt ist, etwa nach der großen Hochwasserkatastrophe in Niederösterreich: In Charity-Veranstaltungen sammelte er damals 7.000 Euro für die Opfer. Auch das verbindet. Wie im richtigen Leben, lassen sich der Trafikant und der „Lustige Hermann“ eben schwer voneinander trennen. 
 

Erstmalig veröffentlicht im September 2014

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