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"Natürlich können die Lotterien binnen 6 Monaten Verträge kündigen. Aber wir können auch bei der MVG am Nebenartikelkatalog drehen lassen ..." relativiert Andreas Schiefer die Macht der Lotterien.

„Ein klares Nein zu diesem Lotto- Provisionsmodell ...“

18.06.2018

... gibt es von den beiden Lottobeauftragten des Bundes­gremiums. Wir haben Ursula Steurer und Andreas ­Schiefer nach Details und den Gründen der Ablehnung gefragt.

Würde das umsatzfokussierte Provisionsmodell für Inhaber von „Neuverträgen“ eventuell sogar eine Besserstellung bringen?

Steurer: Natürlich wäre in einigen Fällen kurzfristig eventuell eine geringfügige Besserstellung gegenüber dem momentanen Stand möglich. Ich glaube aber, dass niemand ein jährliches Plus von 10–20 Prozent gegen die generelle Marktentwicklung erwirtschaften kann. Und wenn man es doch schaffen sollte, droht die nächste Gefahr: Lotto garantiert ja keinen Gebietsschutz, also kann von den Lotterien direkt neben einer bislang umsatzstarken Trafik eine neue Annahmestelle eröffnet werden.

Schiefer: Das wäre nur an Hochfrequenz-Standorten überhaupt möglich. Allerdings nur als Spiel auf Zeit: Irgendwann sind die Grenzen des Wachstums erreicht. Und dann geht es trotz hoher Umsätze mit der Provision bergab.

Eine Auszahlungsprovision wird ja schon seit längerer Zeit gefordert – besonders seit der unbeliebten Erweiterung des Netzes von Annahmestellen.

Steurer: Es wurde von uns keine Auszahlprovision, sondern eine Bearbeitungs- oder Manipulationsgebühr gefordert. Die vielen kontrollierten Spielscheine, die nicht in der eigenen Trafik gespielt wurden, machen die Arbeit. Von diesen Scheinen macht ja nur eine verschwindende Minderheit einen Gewinn. Deshalb wäre eine Manipulationsgebühr viel sinnvoller als eine Auszahlungsprovision. Insgesamt muss man sich aber schon fragen: Wir sollen immer mehr Arbeit für die Lotterien erledigen – wie man unter diesen Vorzeichen ein Umsatzplus machen soll, hat uns noch niemand aufseiten der Lotterien erklärt.

Schiefer: Mit dem zuwachsfokussierten Provisionsmodell werden uns Prozente vor die Nase gehalten und dann wieder weggezogen. Interessant wird es ja im zweiten Jahr: Ohne Mehrumsätze und Startbonus sackt auch die Provision ab. Deshalb bräuchte man ja ein alljährliches Plus von 10 bis 20 Prozent, um genau dem gegenzusteuern.

Wie viele Trafikanten würden den Wochenumsatz von 10.000 Euro als Kriterium für eine Einstufung als „Großpartner“ der Lotterien überhaupt erreichen?

Steurer: Wir kennen die Umsatzzahlen der Kollegen nicht, also können wir nicht sagen, wer hier profitieren könnte. Mit ganz wenigen Ausnahmen wäre ein Lottoumsatz von mehr als 520.000 Euro pro Jahr aber mit einem enormen personellen Aufwand verbunden, der zulasten besser verprovisionierter Produkte gehen würde.

Schiefer: Außerdem wollen wir keine Zweiklassengesellschaft – die kleinen Trafiken kämpfen ja ohnehin schon ums Überleben. Die flächendeckenden Versorger am Land mit wenigen Kunden im Einzugsgebiet haben keine Chance, diese Vorgaben zu erreichen. Diese Idee der „Großpartner“ eignet sich – wieder einmal – nur für Hochfrequenz-Standorte.

Hat man aufseiten des Bundesgremiums das Gefühl, die Trafikanten als ehemalige Geburtshelfer sollen aus dem Geschäft gedrängt werden?

Steurer: Ja, dieses Gefühl hat man ganz unweigerlich. Allerdings übersehen die Lotterien, dass Kunden, die ins Netzt gelockt werden und online spielen lernen, dort viele andere Glückspielanbieter und Seiten finden. Auf jeden Fall ist es für die gerne beschworene „Partnerschaft“ zwischen den Lotterien und den Trafikanten nicht gerade förderlich, die Kunden regelrecht „aus der Trafik hinauszuwerben“.

In dieses Bild passen ja auch die „Testläufe“ mit Lotto-Automaten im Kassenbereich von Diskontern. Was passiert auf dieser Ebene aktuell?

Steurer: Das wird mit uns nicht abgesprochen, dazu wird es von uns keine Zustimmung geben. Die Lotterien müssen uns allerdings nicht fragen, und sie fragen uns auch nicht! Wir werden immer wieder einfach vor Tatsachen gestellt!

Schiefer: Pikant ist in diesem Zusammenhang, dass ich mich bei einem dieser Testläufe von einer Lotterien-Promotorin als interessierter Spielkunde beraten ließ. Und auf die Frage, wo man sich einen Gewinn denn auszahlen lassen könnte, wurde mir gesagt „in der nächsten Trafik“. Der Diskonter, in dem dieser Test stattfand, lag ja auch genau zwischen zwei Fachgeschäften mit Lotto.

 

Das vollständige Interview finden Sie ab 22. Juni 2018 in der druckfrischen Printausgabe der Trafikantenzeitung.

 

Autor/in:
Matthias Hauptmann
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