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Ein Mann für alle Fälle

22.06.2021

Der Speckgürtel um Wien herum boomt. So auch in Groß-Enzersdorf. Aus der einst kleinen Trafik wurde mittlerweile ein Tabakfachgeschäft mit angrenzender Buchhandlung.

Im Sommer könnte man fast glauben, sich an einem der Badeorte in Italien zu befinden: reges Treiben am Vormittag mit lebhaftem Plaudern auf der Straße und zweimal in der Woche einem kunterbunten Markt mit Kleidung, Gemüse, Obst, anderen Lebensmitteln und allerlei Krimskrams. Der Donauoderkanal in Groß-­Enzersdorf bei Wien ist für viele Wienerinnen und Wiener ein attraktives Erholungsgebiet am östlichen Stadtrand Wiens. Es verwundert daher nicht, dass so ein kleines Refugium an der beliebten Schwimm-Meile nahe am Nationalpark Donauauen in der Lobau heiß begehrt ist. 

Sortiment

Entsprechend frequentiert ist daher auch die Tabaktrafik von Wolfgang Alexowsky. Nicht nur von genussfreudigen Raucherinnen und Rauchern, sondern auch von Kleingartenhausbesitzern, die sich noch schnell mit geeignetem Magazinlesestoff für ihre Strandliegen ausrüsten möchten. Das Angebot erweist sich als mehr als ausgiebig. „Wie Sie sehen, gibt es bei uns fast alles. Dabei führen wir nichts, was unsere Kundinnen und Kunden nicht bei uns erwarten würden. Alles, was Sie hier sehen, findet daher seine Käufer“, freut sich Trafikant Wolfgang Alexowsky. Und das reicht von Comics über Modezeitschriften, Computer- und Jugendmagazinen bis zu hochpreisigen Fachmagazinen wie Psychologie heute oder National Geographic. Auch internationale Blätter wie die Süddeutsche Zeitung oder die Frankfurter Allgemeine Zeitung finden sich darunter.

„Wo ich gerne selbst hineinschaue, sind Computerfachmagazine“, mischt sich Alexowsky jun. ins Gespräch ein. „Da hole ich mir manchmal Anregungen für künftige Trends. Die Technologie in der Trafik interessiert mich daher sehr, und ich bin hier gewissermaßen dafür verantwortlich.“ Michael Alexowsky zwinkert und lächelt dabei seinem Vater zu.

Generationen

Wolfgang Alexowsky erfüllt die Ausführung seines Sohnes sichtlich mit Stolz. So lässt er ihn die Umstellung der Trafik auf die moderne Digitalisierung genau erklären. Die Zeiten haben sich eben verändert. Einigen Überblick als Unternehmer hat man bereits. Immerhin kann man schon auf eine längere Tradition als Trafikantenfamilie zurückblicken. Gründer war um 1960 herum der Großvater, dann übernahm der Sohn und in einigen Jahren wird es der Enkel sein. Die Stammtrafik befand sich seinerzeit in Wien. Erst später, im Jahr 1976, zog die Familie nach Groß-Enzersdorf um. Wolfgang übernahm sie schließlich 1998. „Mitte der 1970er Jahre gab es hier in der Gemeinde etwa 3.000 Einwohner. Heute liegen wir bei ca. 12.000 Einwohnern, wobei viele von ihnen in der Zwischenzeit beschlossen hatten, ihre ­Wochenendhäuser auch das Jahr über fix zu beziehen.“ 

Entwicklung

Große Siedlungen entstanden ebenso in den vergangenen Jahrzehnten: „Wie Sie sicher bei der Einfahrt in den Ort gesehen haben, zahlt sich inzwischen sogar ein stattliches eigenes Einkaufsareal aus. Groß-Enzersdorf wächst eben. Aber nicht nur das: Viele Wienerinnen und Wiener aus dem Einzugsgebiet ­Eßling fahren lieber hierher einkaufen als hi­nein in die Stadt. Der Bus der Wiener ­Linien hält direkt vor dem Einkaufszentrum und hat dann seine Endstation im Ortszentrum.“ Die Entwicklung freut den Obmann des Wirtschaftsbundes, Bezirksvertrauensmann und Mitinitiator des Stadtmarketingvereins (= Zusammenschluss der Kaufleute). Immerhin hat Familie Alexowsky einiges zustande gebracht. Als eigenständige Geschäftsfrau steht Irene Alexowsky ihrem Mann ebenso beratend zur Seite. Immerhin führt sie seit 31 Jahren mit zwei Mitarbeiterinnen die Buchhandlung in Groß-Enzersdorf und entschied sich vor neun Jahren zusätzlich für den Bereich Fashion. Ihre Boutique liegt der Trafik gegenüber, ihr Buchgeschäft idealerweise gleich daneben. „Falls jemand das passende Magazin beim Schmökern nicht finden sollte, lohnen sich ein paar Schritte weiter in die Buchhandlung, und er wird mit Sicherheit fündig“, preist Wolfgang Alexowsky bei dieser Gelegenheit gleich das Sortiment seiner Frau an. 

Gemütlichkeit

Viel Zeit verbringen alle dann am Samstag mit Stammkunden. Geplaudert wird gerne über die Vorkommnisse der Woche. Oder es sind inzwischen neue Produkte eingetroffen, die vor allem Sohn Michael gerne in der Trafik vorführt. „Die Woche über lebt man von der Laufkundschaft. Doch zum Wochenende steht man gerne beisammen und tauscht sich aus. Die langjährigen Mitarbeiterinnen in der Trafik, Sabine Egger und Michaela Michels, unterstützen in bewährter Weise. „Kundinnen und Kunden bringen uns immer wieder Frühstück vorbei: etwas Selbstgebackenes oder eine Zimtschnecke. Kaffee gibt’s dazu bei uns in der kleinen Ecke aus dem Automaten.“ Eine gemütliche Sitzgruppe lädt zum Verweilen ein und gibt den Blick über den großen, übersichtlich gestalteten Verkaufsraum frei. Auf die neuen automatischen Eingangstüren ist man stolz: „Die haben wir seit heuer neu. So kommen nicht nur Rollstuhlfahrer oder Kundinnen mit Rollator barrierefrei herein, sondern auch alle anderen genießen es, schneller eintreten zu können.

Gemeinschaft

Soziales Engagement ist Familie ­Alexowsky auch über die Geschäftsinteressen hinaus wichtig. Vater und Sohn verbringen viel Zeit bei der Freiwilligen Feuerwehr und widmen sich dort der ­Jugendarbeit von Zehn- bis Fünfzehn­jährigen. So sei man daran interessiert, Gemeinschaft zu fördern, die in Groß-­Enzersdorf eine sehr gute ist. Dazu gehören auch Kunst- und Kulturveranstaltungen sowie Lesungen. Vieles konnte mittlerweile in den Veranstaltungsort Kotter verlegt werden. Bleibt am Sonntag noch Zeit, liebt es die Familie, mit Freunden zu grillen – manchmal ­sogar im Winter.

Original erschienen 2019

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