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Ein Neustart als Selbstversuch

22.06.2021

Das Nordbahnviertel ist ein gerade entstehendes Stadtviertel in Wien, in dem Andreas Schiefer mit einem modern gedachten Geschäft ein spannendes neues Kapitel beginnt.

Andreas Schiefer hat seit vielen Jahren eine Trafik und ist Wien-Obmann sowie stellvertretender Bundesobmann – da wird einem ohnehin schon nicht langweilig. Weshalb lässt man sich in einer solchen Situation auf das Abenteuer eines neuen Geschäfts ein, das in einem sich erst entwickelnden Stadtviertel – derzeit noch mit mangelhafter Anbindung an die „Öffis“ – liegt? „Weil ich eine Vision habe und das, wovon ich immer rede, auch einmal selbst umsetzen wollte. Da wird man dann sehen, ob und welche Fehler ich dabei mache“, antwortet Schiefer. „Übrigens wird die Straßenbahnlinie O ab Herbst 2020 schräg vor meiner Trafik Station machen, dann ist auch die Öffi-Anbindung deutlich besser.“

Das Pflichtenheft

„Platz – für alles, vom Büro über die Mitarbeiter bis zur Kundenfläche. Das Portfolio steht da gar nicht so im Vordergrund. Für einen begehbaren Humidor und eine Iqos-Lounge hätte ich im 21. gar keinen Platz gehabt. Dafür beschränke ich mich abseits dieser beiden Punkte auf ein Standard-Tabakportfolio und halte die allgemeinen Nebenartikel bewusst schmal – da ist weniger oft mehr. Was mir auch wichtig war: Der Ausstatter sollte nicht auf den ersten Blick erkennbar sein, ich wollte auch optisch etwas Eigenständiges. Nicht zuletzt war und ist mir auch ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis wichtig – vielleicht will ich ja doch mit 65 Jahren in Pension gehen, und dann sollte das Geschäft seine Kosten eingespielt haben.“

Fläche & Mietkosten

Eigentlich sind es drei Lokale, die zu einem zusammengelegt wurden – insgesamt 172 Quadratmeter, wovon 130 Kundenfläche sind. Die gesamte Schiefer-Stammtrafik könnte man als Ganzes im heutigen Büro-Lager unterbringen. „In diesem Zusammenhang möchte ich darauf hinweisen, wie wichtig ein gutes Verhandeln der Miete für den späteren Erfolg ist“, meint Andreas Schiefer. „Ich konnte die ursprünglichen Forderungen der Vermieter doch sehr deutlich reduzieren. Das ist aber zugegebenermaßen bei Neubauprojekten leichter; bei bestehenden Strukturen oder gar der ÖBB geht das kaum oder gar nicht.“

Planungs- und Bauphase

„Natürlich hatte ich schon ein Mitspracherecht bei der Baugestaltung, die eigentliche Objektübergabe war aber erst im September 2019. Und mit 25. November habe ich aufgesperrt. Ich wusste recht genau, was ich haben wollte. Mit meinen Vorstellungen habe ich mich dann an Pirker Trafik-
Design gewandt, wo man sehr gut darauf eingegangen ist, und der Preis war auch fair. In der Planung selbst wurde zum Beispiel auch berücksichtigt, die Fläche des Humidors bei der Verlegung der Fußbodenheizung auszunehmen. Der Boden ist hochwertig und pflegeleicht, die Beleuchtung steuerbar und gänzlich LED-basiert. Und auf eine abgehängte Zwischendecke habe ich absichtlich verzichtet – mich freut die Höhe der Räume. Die Bauaufsicht habe ich selbst gemacht, teilweise wurde ich dabei von der Nordbahnviertel GmbH und der Firma ­Efficient unterstützt.“

Die Schwerpunktsetzung

„Iqos wollte ich unbedingt haben, weil ich es selbst seit über zwei Jahren verwende und davon überzeugt bin“, schildert der Trafikant. „Die Braunware war in dieser Form echtes Neuland für mich – da muss ich mich bei Gabi Morawek bedanken, die mir bei der Auswahl und Menge der Humidor-Bestückung sehr geholfen hat. Im Cigarrenzubehör fahre ich testhalber eine 2er-Strategie: Es gibt wenige günstige und einige hochqualitative Artikel, die breite Mitte lasse ich aus – mal sehen, ob sich das bewährt. Bei den E-Zigaretten beschränke ich mich ganz bewusst auf Pod-Systeme, dafür habe ich alle Marken sowie einige offene Liquids. Und weil ich viele Wuzler unter meinen Kunden habe, ist das Angebot hier auch breit. Bei Zeitschriften und sonstigen Nebenartikeln bin ich ausschließlich Nachfrage bezogen und sehr sparsam unterwegs.“

Kundenstruktur & Nachfrage

Der Großteil der Wohnungen ist bereits bezogen, die Mehrheit der Zugezogenen besteht aus Jungfamilien, und einige veränderungswillige Ältere sind auch dabei. Hier gehen Pouches sensationell, Shisha und Cigarre werden immer stärker, und der Wuzler-Anteil ist hoch. Dafür spielen 100s keine Rolle, und der Stopftabak ist – ganz anders als in Floridsdorf – ein Ladenhüter. „Dazu kommt derzeit noch das 1er-Menü für die Bauarbeiter: Marlboro und Red Bull“, schmunzelt Andreas Schiefer. „Der Iqos-Store ist erst seit zehn Tagen in dieser Form in Betrieb, da kann man noch nicht viel sagen – aber das Kundeninte­resse ist eindeutig da.“

Die Zukunft

Für diese hat der Wien-Chef konkrete Pläne: „Ich möchte in eineinhalb Jahren die Zahlen meiner Stammtrafik erreicht haben; dafür sieht es derzeit nicht schlecht aus. Es wird ja noch gebaut, und auch die Straßenbahn wird bald durch das Nordbahnviertel geführt – insgesamt wird das ein großes Einzugsgebiet, in dem ich halt dezentral sitze.

Die Ausgangsbeschränkungen waren für mich eindeutig positiv: Die Leute sind ja mehrheitlich zu Hause geblieben, und ich fungierte daher als „Grätzeltrafik“. Dafür fehlten die Bank Austria-Mitarbeiter fast geschlossen. Aber das wird schon!“

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