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Eine Trafik mit einer Vision

22.06.2021

Als EDV-Projektmanager übernahm Niki Tecka die mütterliche Trafik in Purkersdorf und stellte sie grund­legend auf neue Beine.

Viel hat sich seit seiner Kindheit in Purkersdorf bei Wien verändert. Dabei ist Nikolaus Tecka gerade erst einmal um die Dreißig: „Damals war es wirklich noch dörflich. Jeder kannte jeden. Es war alles sehr persönlich. Es gab nicht so viele Einwohner wie jetzt.“

Die Tabak-Trafik in der Linzer Straße 2 führt er in zweiter Generation: „Wir hatten zuvor das Glück, nur kurze Zeit in der alten Trafik auf dem Hauptplatz zu sein. Bald darauf war dieses neue Geschäftslokal fertig gebaut, und wir konnten wenige Meter entfernt auf die Hauptstraße übersiedeln.“
Niki Tecka war schließlich von Kindheit an mit der Trafik befasst. Wollte er als Jugendlicher von seinen Eltern etwas mehr finanzielle Unterstützung für eine Sonderausgabe, hieß es: „Dann musst du eben vorher einen Ferialjob in der Trafik machen.“

Logistik

Gesagt, getan. So wurde Niki das Geschäftsleben in der Trafik immer vertrauter. Er wuchs langsam hinein, bis er sie 2016 dann alleine übernahm. Fünf Jahre lang leitete er sie gemeinsam mit ­seiner Mutter Brigitte und führte die neue CWL-Lagerwirtschaft ein. Der Trafikant schwärmt: „Mit nur einem Mausklick ­werden unsere gesamten Waren nachbestellt. Kein langes Herumrechnen, sondern das Programm agiert von selbst.“ Natürlich müsse man zuvor den Lagerbestand in die Formel eingeben. Da müsse man wirklich genau sein. Danach rechne das Programm anhand des Verkaufs der letzten 20 Wochen hoch, wie viele Zigaretten in den nächsten Tagen auf Vorrat liegen sollten. „Bisher ist uns noch nie etwas ausgegangen“, freut sich der ehemalige SAP-Projektmanager des Autozulieferers Magna. 

Herr Tecka kam damals viel in der Welt herum. Oft flog er zu einem Meeting in ein anderes Land und am selben Tag wieder zurück. Mit der Zeit war das viel Stress, der sich finanziell mit einem All-inclusiv-Vertrag letztlich wenig rechnete: „Es gab die konkrete Möglichkeit, die Trafik zu übernehmen, was ich nach einigem Nachdenken auch gemacht habe.“

Umstrukturierung

Seine Einarbeitungszeit bei Mutter Brigitte nutzte Niki Tecka, indem er auch den Verkauf von Konzert- und Theaterkarten einführte und sich auf Cigarren spezialisierte. Etwas, worin er sich von zwei Stammkunden anleiten ließ. Diese waren ursprünglich immer nach Wien gefahren, um ihre kostbare Rauchware zu kaufen. Der Trafikant probierte später aus, was in seiner Trafik auch über die Fixbestellungen hi­naus erwünscht war – und es lief! Er erkannte, dass Cigarren für den westlichen „Speckgürtel“ vor Wien und Niederösterreich gar nicht mehr so exotisch waren. „Der Vorteil gegenüber der Vergangenheit ist, dass sich eine ziemlich kaufkräftige Gesellschaftsschichte hier in Purkersdorf niedergelassen hat. Auch Künstler wie Gernot Rudle, Monica ­Weinzettel, Peter Cornelius und andere sorgen für die Attraktivität der beliebten Wohnmeile. „Ich selbst kann mir, obwohl mein Vater einmal Gemeinderat in Purkers­dorf war, hier kein Haus mehr leisten. Daher wohne ich in Leopoldsdorf am Verteilerkreis.“ Töchterchen Katharina, die gerade erst drei Jahre alt geworden ist, und Lebensgefährtin Julia samt Terrier Whisky lieben das neue Haus mit Garten. Wenn Niki Tecka anfängt, von seiner Tochter zu sprechen, verklärt sich sein Blick. So schnell sei die Zeit innerhalb der drei Jahre vergangen. So viele Entwicklungsschritte habe Katharina inzwischen gemacht, die er alle intensiv erleben konnte und weiterhin möchte. Durch die viele Zeit, die er in der Trafik verbringen müsse, seien dies allerdings immer schwer abgerungene Stunden. Und die erlebe er intensiv mit seiner Familie, so der Hobbykoch. 

Familienmensch

Auch auf einer quasi Berufsreise in die Dominikanische Republik war seine Tochter schon mit knapp einem Jahr dabei. Denn die Leidenschaft für Cigarren habe den Vater inzwischen persönlich erreicht. Niki Tecka wollte vor Ort erleben, wie und unter welchen Umständen Cigarren hergestellt würden. Genau sehen, wodurch man die hohe Qualität erzielt. 

Geschätzte Expertise

Experte Tecka gibt auch wichtige Tipps für Rauchende. So genieße man die kubanischen Cigarren am besten frisch oder lasse sie zwei bis drei Jahre im Humidor liegen. Dafür führt der Trafikant auch eine eigene Excel-Liste mit Jahreszahlen, die nicht auf den Bauchbinden der Cigarren stünden.
Das wüssten auch seine Kunden aus den USA, Oberösterreich, China und Deutschland zu schätzen. Der engagierte Trafikant gewann sie rein durch Mundpropaganda, denn viele Cigarrenliebhaber wären global gut vernetzt. Immerhin würden Cigarren in China das Drei- bis Fünffache kosten als in Österreich. So kombinieren viele Kunden einen Wien-Besuch mit einem Einkauf in Purkersdorf oder lassen sich von Freunden ganz bestimmte Kubaner mitbringen. Niki Tecka hält daher stets Ausschau nach Besonderheiten, was sich bezahlt mache.

Soziales

Auch das soziale Engagement der Tabak-­Familienunternehmen hatte ihn während seines Besuchs der Fabriken in der Dominikanischen Republik fasziniert. So gebe es dort einen eigenen Sozialfonds, der Projekte fördere, und Davidoff würde Bauern Geld für Maschinen vorstrecken, damit diese ihre Produktion bestmöglich weiterführen könnten. Auch einen eigenen Künstlerfonds gebe es. Der junge Trafikant machte sich das zum Vorbild und überweist nicht nur an den Wohlfahrtsfonds der Trafikanten, sondern übernahm zu Weihnachten auch die Kosten für einen neuen Eisschrank der Sozialeinrichtung „Die Tafel“.

Vieles bespricht Niki Tecka mit Freunden und Bekannten gerne bei einer guten Cigarre. Sein großer Wunsch ist daher, dass irgendwann eines der benachbarten Geschäftslokale frei würde: „Dann mache ich daraus eine Raucherlounge. Das richtige Ambiente für den optimalen Cigarrengenuss. Darauf freue ich mich schon!“

Original erschienen 2019

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