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„Feinschnitt-Steuer ist ein Anschlag auf den Ertrag …“

17.03.2015

meint der Konzernchef von Mignot & de Block, Christian Hinz, im Interview. Er trägt die Verantwortung für Marken wie Gizeh, Mascotte und Marie, welche ein breites Portfolio für Wuzler und Stopfer anbieten.

"Wenn der Feinschnitt seine Pufferfunktion wegen übertriebener Besteuerung nicht mehr erfüllen kann wandern die Billigraucher in Schwarzmarkt und Schmuggel ab." meint Cima-Chef Hinz im Interview.

Schon 2014 haben Sie die rasch wachsende Steuerlast auf Feinschnitt hart kritisiert. Von den anderen Anbietern, aber auch von Großhandel und Trafikanten, ist zu diesem Thema gar nichts zu hören. Welche Preise und welche Auswirkungen sehen Sie da kommen?
Ich habe auf der jüngsten Messe mit verschiedenen Großhändlern gesprochen, und da fehlt mir mehrheitlich das Problembewusstsein. Einmal bekam ich die Antwort „Die Zigarettenpreise werden ja auch steigen.“ Das ist aber eine Verkennung der Tatsachen: Die mit 2017 erreichte Endstufe bei der schrittweisen Anhebung der Steuer auf Feinschnitt bedeutet letztlich eine Verdopplung der Pouch-Preise. Der Feinschnitt ist ein Halbfertigprodukt, das deutlich geringer besteuert werden sollte als ein Fertigprodukt wie die Fabrikszigarette. Es steckt ja eine erforderliche Eigenleistung des Rauchers im Produkt, die das rechtfertigt. Ganz egal, ob nun gestopft oder gedreht wird.
Im Vergleich zur Fabrikszigarette sehe ich eine überproportionale Anhebung. Das wird Folgen für den Feinschnittverkauf haben. Das kommt aber nicht dem Zigarettenverkauf zugute, weil die Konsumenten ausweichen werden – auf nicht in Österreich versteuerte Ware. Eine überproportionale Besteuerung von Feinschnitt wird gerne von den Zigarettenherstellern gefordert, weil sie sich damit unliebsame Konkurrenz vom Hals schaffen können. Und weil sie natürlich hoffen, dass die Raucher, welche zuvor ihre eigenen Zigaretten gestopft haben, dann zur fertigen Zigarette greifen. Das hat aber noch nirgendwo auf der Welt funktioniert. Ich vermisse hier leider Lernkurveneffekte.

Kann man die Größenordnung, in welcher der Feinschnitt unter den rasch und hart wachsenden Kleinverbrauchspreisen leiden wird, irgendwie abschätzen?

Ab dem 1. 4. 2017 hat die Branche ein massives Problem: Dann liegt eine Steuerlast von 100 Euro auf einem Kilo Feinschnitt – also liegt auf der Tabakmenge eines typischen 30-Gramm-Pouches eine Tabaksteuerlast von 3,30 Euro. Aktuell liegt der Durchschnittspreis eines Pouches bei 4,07 Euro, die Kleinverkaufspreise müssen sich bis 2017 also fast verdoppeln.

Welche Folgen für Trafikanten und Fiskus sehen Sie im Gefolge einbrechender Feinschnitt-Verkäufe?
Der Schwarzmarkt sowie die grenzüberschreitenden Verkäufe werden einen Boom erleben. Die Trafikanten werden weniger verdienen und in Grenzregionen besonders darunter leiden. In Berlin werden 50 % der Zigaretten nicht in Deutschland versteuert. Jetzt schauen Sie sich mal die Entfernung Wien–Bratislava an … Gerne wird auch die Tatsache vergessen, dass Hülsen und Papiere gute Margen bringen und Produkte sind, bei denen der Händler noch die Preishoheit hat. Da fällt viel Ertrag weg, wenn der Feinschnittmarkt nachgibt oder gar zusammenbricht.
Auch der Fiskus balanciert auf einem schmalen Grat: Zwar kann das Anheben der Steuer höhere Einnahmen bringen. Wenn aber gleichzeitig die Mengen zu stark zurückgehen, können die Einnahmen dennoch sinken. MH

Die Vollversion dieses Interviews finden Sie ab 20. März 2015 in der aktuellen Druckausgabe der Trafikantenzeitung.

Autor/in:
Redaktion Trafikantenzeitung
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