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Bei derart weitreichenden Ideen könnte Ungarn - wieder einmal - das Symbol seiner Landesflagge austauschen ...

Fidesz-Regierung für ein rauchfreies Ungarn?

22.10.2018

Wenn diese Idee umgesetzt werden sollte können Trafikanten aus dem Burgenland und der Steiermark die Korken knallen lassen.

So lange ist es noch gar nicht her, dass man an ungarischen Landstraßen neben Korbwaren und Paprikazöpfen auch überall stangenweise günstige Zigaretten kaufen konnte. Seit einigen Jahren besteht auch bei unseren Nachbarn ein Tabakmonopol und mit den entsprechenden Fachgeschäften wurden vorrangig Mitglieder der Regierungspartei Fidesz belohnt.

Die werden mit den jüngsten Ideen allerdings so gar keine Freude haben.

Anti-Tabak-Feldzug

Janos Lazar ist der Orban-Beauftragte für Nichtraucherschutz und ließ jüngst im regierungsnahen Internetportal „Magyar Idök“ mit der Idee aufhorchen, dass Ungarn das erste rauchfreie Land der Welt werden solle. Nach einem 2012 eingeführten Gastro-Rauchverbot wird ein Rauchverbot in privaten Kraftfahrzeugen erwogen. Dazu sollen zur Bekämpfung der überproportionalen Lungenkrebs-Häufigkeit landesweite verpflichtende Lungenuntersuchungen verordnet werden. Ungarn, die dieser Verpflichtung nicht nachkommen, sollen mit höheren Versicherungsbeiträgen bestraft werden.

Ab Mai 2019 dürfen Zigaretten zudem nur noch in Einheitspackungen nach australischem Vorbild an Kunden abgegeben werden; neu eingeführte Marken unterlagen dieser Verpflichtung schon seit August 2016.

Lebenslanges Rauchverbot?

Damit nicht genug, soll es künftig Bürgern, die nach dem 1. Jänner 2020 geboren wurden, auch nach Erreichen der Volljährigkeit verboten sein, Tabakerzeugnisse zu kaufen. Das wäre dann eine interessante Zweiklassengesellschaft: Die bisherigen rund 2,5 Millionen rauchender Ungarn dürfen weiterhin rauchen, wenn sie alljährlich zum Lungenröntgen gehen, sollen aber gleichzeitig durch staatliche Entwöhnungsprogramme von ihrem Laster abgebracht werden . Die anderen dürfen nicht einmal anfangen.

Zusätzlich sollen nach dem Willen von Herrn Lazar das Tabaktrafikgesetz verschärft und die Zahl der vergebenen Lizenzen stark reduziert werden. Besagter Janos Lazar ist übrigens genau jener Fidesz-Mandatar, der im Frühjahr 2018 mit einem in Wien gedrehten Anti-Migranten-Video für Verstimmung zwischen den Nachbarländern gesorgt hatte.

Bevormundung

Der Führer bzw. die Führungsclique des Landes weiß also, was gut für die Ungarn ist und schreibt ihnen die korrekte Lebensführung vor. Wer im Geschichteunterricht nicht chronisch gefehlt hat wird hier allerdings genau jene Dinge wie „Volksgesundheit“ und „Wehrkraftzersetzung“ wiederfinden, mit denen auch in Nazideutschland argumentiert wurde.

Außerdem stellt sich die Frage, ob sich die 2,5 Millionen ungarischer Raucher nicht doch als katastrophaler politischer Stolperstein entpuppen werden. Aber noch ist es ja nur die Idee eines einzelnen Politikers …

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