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Frischer Wind in Favoriten

22.06.2021

30 Jahre lang gibt es jetzt die Trafik Bohac in Favoriten in Wien. Die kleine Trafik wurde heuer umgestaltet und das Angebot neu durchdacht. 

"Dass i zu dir komm, is nur, weil du Du bist!“, lacht einer der Kunden, der seine Frau in die Trafik Bohac in der Rechbergergasse 16–20 im 10. Wiener Gemeindebezirk begleitet hat. „I schätz des sowieso a von dir“, witzelt der Trafikant, „a ausgewiesener Austrianer, der sich da herein traut!“ Lautes Gelächter. Jeder in der kleinen Trafik weiß, was gemeint ist. 

Alexander Bohac fühlt sich neben seiner Trafik mit Leidenschaft mit dem Fußball verbunden. Sein Herz schlägt in erster Linie für den Wiener Fußballclub Rapid. Dessen historisch legendärer Gegner ist auch heute die Wiener Austria. Also die Grünen gegen die Violetten, wie’s im Jargon heißt. „So haben wir immer etwas zu reden, wenn er hereinkommt.“ Auch die Ehefrau des Austrianers hat für die beiden Fußballkontrahenten ein kleines Scherzchen auf den Lippen. Eine Kabaretteinlage, die ebenso andere Kunden und eine Kundin schmunzelnd den Alltag draußen vergessen lässt und die daher ein wenig länger als üblich in der Trafik verweilen.

Sympathie

„Das ist auch, weshalb viele Kunden gerne zu uns kommen. Ein Wort ergibt das andere. So humorvolle Situationen entstehen aus dem Augenblick heraus“, freut sich ebenso Mitarbeiterin Natascha, die seit zwei Jahren in der Trafik arbeitet. „Wobei ‚arbeiten‘ für mich nicht das richtige Wort ist, weil ich mich wirklich freue, hierherzukommen. Es ist fast so etwas wie eine zweite Familie für mich geworden.“

Der Trafikant hört interessiert den Ausführungen seiner jüngsten Mitarbeiterin zu und ist nicht überrascht: „Mir war es bei der Auswahl wichtig, Mitarbeiterinnen zu haben, die über ein sympathisches Grundwesen verfügen und offen auf die Kunden zugehen. Wir haben noch zwei andere Trafiken in unmittelbarer Nähe. Kunden müssen sich entscheiden können, welche sie zu ihrer Stammtrafik machen wollen. Natürlich verstehen wir uns auch mit den anderen beiden kollegial gut“, ergänzt ­Alexander Bohac, der zugleich Landes­chef der Trafikantenwohlfahrt ist. In jedem Bundesland steht diese Stelle KollegInnen, die in missliche Situationen geraten sind, unterstützend zur Seite.

Kommunikation

Dass die MitarbeiterInnen der Trafik ­Bohac auch untereinander guten Umgang pflegen, ist auf engem Raum notwendig. „Man verbringt hier miteinander viele Stunden am Tag. Da muss man schon gut mitei­nander können, jeder Handgriff stimmen. Mit Inge, die schon zehn Jahren hier arbeitet, und Gabi, mit fast acht Jahren, geht das auch so gut.“

Wie wichtig die persönliche Betreuung von KundenInnen ist, hat Alexander ­Bohac professionell gelernt: „Ich war schon immer an Menschen und Verkauf interessiert. Die richtige Kommunikation über das Produkt herzustellen und dabei auf die persönlichen Wünsche des Kunden einzugehen, das kann man gut lernen. Dass es noch dazu Spaß macht, ist ein zusätzliches Plus.“ All das ist dem Trafikanten spätestens seit seiner Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann bewußt geworden. „Ich habe seinerzeit bei der Firma Michelfeit gelernt und abgeschlossen, ging dann zu Lutz und später wieder zurück.“

Umgesattelt

Dann meldete sich Vater Herbert Bohac bei seinem Sohn und überredete ihn, die Trafik nicht im Stich zu lassen und umzusatteln. Für Alexander war das 2004 gar nicht so klar gewesen, aber die 30 Jahre Familienbetrieb gingen schließlich auch an ihm nicht spurlos vorüber. Nachdem seine Mutter als Erstbesitzerin mit Behinderung verstorben war und der Vater kurz vor der Pension stand, beschloss er, in deren Fußstapfen zu treten: „Das war am Anfang für meinen Vater nicht leicht. Als ich übernahm, stellte ich die Bedingung, die Trafik alleine weiterzuführen. Mein Vater war zuerst nicht erfreut darüber gewesen und fiel ein halbes Jahr lang in ein tiefes Loch. Erst danach errappelte er sich und fing an, sein eigenes Leben aufzubauen. Heute ist er mir dafür dankbar. Denn, wenn man nicht ständig in der Trafik steht, verpasst man sofort den Anschluss. Es ist hier nicht mehr so wie früher. Da gibt es die digitalisierte Kassa und die Bestellungen per Computer, auch Lotto, Theaterkarten sowie Handysignatur – alles läuft mittlerweile elektronisch. Da käme mein Vater schon nach wenigen Wochen nicht mehr mit“, findet Alexander Bohac deutliche, wenn für Vater Herbert seinerzeit auch kurz schmerzhafte Worte. „Heute sagt mein Vater, dass ich das Richtige gemacht habe und ist stolz auf meine Konsequenz, mit der ich das einhielt. Wir haben dennoch ein sehr enges Verhältnis und verbringen viel Zeit miteinander. Er ist neben meiner Frau mein wichtigster Lebensmensch.“

Neuordnung

Stolz ist Vater Bohac auch auf die gelungene Neugestaltung der Trafik, die heuer abgeschlossen wurde. Auf nur wenigen Quadratmetern in der jetzt hellen, freundlichen Trafik Bohac mit einem markanten Farbstreifen am Trafikhimmel befindet sich einfach alles! Der Umbau wurde von Alexander Bohac penibel durchdacht und später von der erfahrenen Firma Trup Design GmbH weitergeplant und durchgeführt. Das rückläufige Magazin-Angebot beispielsweise auf das Wesentlichste reduziert, dafür eine Vitrine für Liquids eingebaut und der Getränkeschrank auf die gegenüberliegende Seite des Raums gestellt. „Das war für meine KundenInnen die größte Umstellung. Viele stürmten anfangs herein und fragten: ‚Wo sind die Getränke!‘ Sie gewöhnten sich erst langsam an die Veränderung. Aber jetzt habe ich sogar mehr Platz für den Ticket-Verkauf, der Durchgang wurde breiter.“

Seine Freizeit verbringt Alexander ­Bohac weiterhin gerne auf dem Fußballplatz. Jahrelang war er Trainer bei A11 ­Rapid Oberlaa, wo er heute noch das Fortkommen seiner Schützlinge im Auge behält. Doch seit zwei Jahren widmet er sich nur noch der Trafik und seiner Familie. Viel Zeit zum Plaudern und Erholen findet Herr Bohac beim Wellnessen in Thermen und Urlauben in seiner zweiten Heimat Salzburg, wo er einst viel Zeit mit seinen Eltern verbrachte und sich deshalb überlegt, sich dort irgendwann einmal fix niederzulassen.

Original erschienen 2019

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