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Generationen in Harmonie

21.06.2021

Dietmar Wolfmayr wuchs in der Trafik seiner Eltern auf. Daher war es für ihn kein Thema, später einmal in die Fußstapfen des Vaters treten zu wollen. Den Wareneinkauf bestimmte er somit schon länger.

Es ist hier immer etwas los. Aber nie wirklich überfüllt.“ So beschreibt ­Dietmar Wolfmayr die Umgebung des Rochus­markts im 3. Wiener Gemeindebezirk. Seine Trafik liegt im Grätzl, in der Landstraßer Hauptstraße 68–70. „Die Leute schlendern in diesem Einkaufsviertel gerne von einem Geschäft zum anderen. Dabei zählen wir für viele zum Fixpunkt“, freut sich der Trafikant über seine Stammkundschaft. 

Diese konnte er nämlich vor einem Jahr vom alten Standort mit zum neuen mitnehmen. Was anfangs nicht selbstverständlich schien: „Denn wir liegen jetzt einen Häuserblock entfernt vom Rochus­platz, und die Trafikendichte hier in der Umgebung ist recht hoch. Wer also bei uns bleibt und nicht wechselt, war für uns vorerst nicht abschätzbar. Es sind aber praktisch alle, die vorher bei uns kauften, mit uns mitgegangen“, lächelt der 38-Jährige zufrieden.

Familienbetrieb

Die Anbindung an die StammkundInnen gelang vor allem über seine Eltern, welche die Trafik bis vor drei Jahren am alte Standort geleitet hatten. Vater Robert Wolfmayr hatte diese 1992 übernommen und mit seiner Frau Adele bis zur Übernahme durch den Sohn aufgebaut. „Nach einem schweren Herzleiden war mein Vater mit 45 Jahren in Frühpension geschickt worden. Er arbeitete in einer Bank. Verlassen wollte er selbst diese zu keinem Zeitpunkt, musste sich aber den Anordungen fügen. Schließlich hatte er die Idee mit der Trafik. Jetzt ist mein Vater 72 Jahre und steht mit meiner Mutter (68 Jahre) immer noch jeden Tag ab 13 Uhr hinter dem Tresen. Ja, mir soll es recht sein. Ich freue mich darüber, wenn uns die Eltern in der Trafik unterstützen. Wir sind ein reiner Familienbetrieb.“

Auch Dietmar Wolfmayr verkauft im Geschäft gemeinsam mit seiner Frau Julia. „Wir sind auch zwei gut aufeinander eingespielte Teams, und uns bleibt nachmittags Zeit für unseren Sohn Emil, der jetzt elf Jahre alt ist.“
Dietmar wuchs in der Trafik der Eltern auf und machte dort seine Hausaufgaben. Irgendwann war für ihn klar, selbst Trafikant werden zu wollen. „Dass viele ­KundInnen mitkamen, hing auch damit zusammen, dass sie mich seit Kindertagen kennen. Später war ich fünf Jahre in der Trafik meines Vaters angestellt und absolvierte die Ausbildung zum Trafikanten. Neue Kundschaft kennt mich aus dieser Zeit.“

Standortwechsel

An einem Wochenende im Mai 2019 übersiedelte Familie Wolfmayr schließlich in die neue Trafik. Statt der zuvor bloß 8 m² Geschäftsfläche inklusive Lagerraum gibt es jetzt einen Verkaufsraum von 28 m² mit Lager und Büro von 30 m². 
Den Umbau hatte die Fa. Trup Design GmbH zur vollen Zufriedenheit übernommen. Am nächsten Tag wurde aufgesperrt. „Natürlich konnten wir unser Sortiment erweitern. Es gibt nichts, das wir nicht verkaufen. Auch alle Arten von Shishas und Bongs. Worauf ich aber besonders stolz bin, ist unser Humidor. Eine Investition. Wir haben beschlossen, Zigarren zu führen, die im mittleren Preissegment liegen. Die Auswahl wird gut angenommen. Dabei ließen wir uns von KollegInnen, Kunden und Firmen beraten. Besonders beliebt sind die kubanische Cohiba und Romeo y Julieta.“

Höflichkeit

In der Regel sind die KundInnen in der Trafik sehr umgänglich. Ein Schwätzchen wird immer gerne geführt. Ob am Vormittag mit den Juniors oder am Nachmittag mit den Seniors. Daher fallen schlecht gelaunte Menschen besonders auf. „Manchmal nage ich daran, wenn ich freundlich bin und jemand lässt sich nicht und nicht aus der Reserve locken. Kommt von der Straße ins Geschäft und telefoniert einfach weiter. Dirigiert mich dann mit he­rablassenden Handbewegungen von einer Zigarettenmarke zur nächsten. Grüßt weder beim Hereinkommen noch beim Hi­nausgehen. Ich finde, Zeit für ein bisschen Höflichkeit sollte immer sein“, resümiert Julia Wolfmayr und blickt verwundert zu ihrem Mann. „Dabei kommen wir wirklich jedem Wunsch unserer Kundschaft nach. Sogar während der Corona-Zeit. Da baten uns einige, kopieren zu dürfen oder Unterlagen auszudrucken“, ergänzt sie.

Aufregung

„Ja, auch Müll werfen wir auf Kundenwunsch in den Papierkorb. Eine ältere Frau wollte das vor drei Jahren.“ Julia Wolfsmayr lächelt jetzt. „Sie reichte mir einen zerknüllten Zettel, den sie schon so lang mit sich im Geldbörsel trug. Ich sah, dass es ein Lottoschein war. Dietmar meinte, dass er noch schnell nachsehen würde, ob vielleicht etwas darauf gebucht sei. Und es gab einen Ausdruck mit dem Hinweis: Großgewinn. Die Frau hatte tatsächlich eine Million Euro gewonnen und hätte den Schein weggeworfen! Sie ging dann und war seither nie wieder bei uns. So etwas gab’s auch.“

Um andere unliebsame Dramatik zu vermeiden, verfügt die Trafik über das neueste und ausgeklügeltste Überwachungssystem, das man sich vorstellen kann. „Unsere Trafik ist rundum abgesichert. Zweimal konnten wir der Polizei sogar mit unseren Straßenkameras bei der Überführung von Tätern helfen. Gott sei Dank kein Überfall auf unsere Trafik. Aber einen aufgebrochenen Zigaretten­automaten hatten wir auch schon“, kann sich Dietmar Wolfsmayr noch gut daran erinnern.

Begeisterung

Lieber erinnert sich das Trafikantenehepaar allerdings an seine Urlaube in Kalifornien: „Wir planen unsere Reisen lang im Voraus und sehr genau. In den vergangenen Jahren war Disney World unser Top-Favorit. Zuerst wegen unseres Emils, dann fanden wir aber auch Gefallen daran und nahmen sogar Oma und Opa mit. Die waren vorerst skeptisch, schließlich total begeistert. Seitdem fliegen wir gemeinsam. Nur heuer eben situationsbedingt leider nicht.“ Doch wie heißt es: aufgeschoben ist nicht aufgehoben und Vorfreude ist die beste. Auch, wenn das vor allem für Emil nur ein schwacher Trost ist.

Erstmalig veröffentlicht 2020

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