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Genussoase in Stockerau

22.06.2021

Genuss- und Lebensfreude bekommt man nicht nur durch Musik, sondern auch von Tabakwaren. Das hatte sich wohl auch das Ehepaar Kerschbaumer gedacht, als es seine Trafik in Stockerau eröffnete.

Wo man singt, da lass dich ­ruhig nieder, böse Menschen ­haben keine Lieder.“ Das haben sich wohl einst auch Manfred und Rosa Kerschbaumer gedacht, als sie sich in ihrer nur 36 m² kleinen Trafik in der ­Eduard-Rösch-Straße 69 in ­Stockerau/NÖ niedergelassen haben. Die gebürtigen Steirer lernten einander als Jugendliche in ihrem Heimatbezirk Hartberg kennen und fanden später in Wien endgültig zusammen.
Das Glück war schließlich mit der Geburt von Sohn Stefan vollkommen – bis bei Manfred mit 29 Jahren die Diagnose Krebs gestellt wurde. 70%ige Invalidität folgte. Ein unerwarteter Schlag für die junge Familie. Dabei war der kleine Stefan erst ein Jahr alt. Doch Manfred war ein Kämpfer. Und das noch viele Jahre bis zu seinem Tod mit letztlich 46 Jahren.

Musikleidenschaft

Ehefrau Rosa entwickelte sich zur Stütze der Familie. Was ihr weiterhin Kraft gab, war die Musik, vor allem das Musizieren mit ihren Schwestern: einem steirischen Gesangsquartett, das damals bei vielen Veranstaltungen gern gesehen war und sogar bei Sepp Forcher im ORF in „Klingendes Österreich“ auftrat. „Das konnte mitunter auch ganz schön stressig werden. Ich hatte nicht nur Mann und Kind, sondern arbeitete ja auch noch in der Trafik. Da war’s dann oft nur so möglich, dass ich vor einem Auftritt in der Früh zur Probe in die Steiermark losfuhr und am gleichen Tag wieder zurück. Der Auftritt fand dann an einem anderen Tag statt, wieder mit extra Anfahrt. Aber es war wunderbar und das alles wert“, freut sich Rosa Kerschbaumer heute noch über die damals professionellen Erfolge. „Auf Dauer wurde das irgendwann schon sehr anstrengend, und heute singen wir nur noch bei privaten Veranstaltungen wie Hochzeiten oder Taufen.“

Zukunftsorientiert

Im Jahr 2000 übersiedelten die Kersch­baumers auch mit einem kleinen Liedchen auf den Lippen vom kleineren Geschäftslokal in die mehr als doppelt so große Trafik. Alles in allem dauerte es nur ein Wochenende! Klar doch, dass man vorher bereits den gesamten Umbau des nur 100 Meter entfernten neuen Geschäfts begleitete. Aber die Übersiedlung selbst mit allem Drum und Dran war genauso gut durchdacht und organisiert. Die erste Zigarettenlieferung gab’s schon am nächsten Tag an die neue Adresse. 

Sohn Stefan war zwar damals noch sehr klein, bekam aber alles mit. Fasziniert hat ihn vor allem der riesige Humidor, den der Vater in der Mitte der Trafik hatte aufbauen lassen. „Es war vieles ein Risiko, was meinem Mann damals zur Weiterentwicklung einer Trafik vorschwebte. Gewagt! Im Rückblick betrachtet war es genau richtig“, freut sich Rosa Kerschbaumer und ergänzt: „Er war sehr zukunftsorientiert. Nicht nur wegen der Entscheidung für den Humidor. Auch mit der Größe der Trafik und der Produktauswahl, die er damals bereits festlegte. Ja, und das möchte ich auch noch unbedingt sagen: Der Herr Jelinek vom House of Smoke hat uns sogar beim Einräumen der Zigarren in den Humidor geholfen. Er hat meinem Mann genau gezeigt, was wo und wie platziert gehört. Das gibt’s heute in dieser Form nicht mehr. Heute muss man sich praktisch alles selbst aneignen. Gott sei Dank ist der ­Stefan auch darin super und hat noch viel von meinem Mann gelernt!“

Innovation

In knapp drei Jahren soll Sohn Stefan dann die Trafik allein übernehmen. Mama Rosa lässt aber ihrem Filius in vielem schon jetzt freie Hand. „Wissen Sie, das Digitale wird immer mehr, da bin ich schon froh, dass er da ist, der sich mit all dem gut auskennt. Auch unsere Mitarbeiterinnen verlassen sich dabei schon auf ihn. Denn da gibt’s nicht nur die digitale Vignette, sondern auch das Registrieren der SIM-Karte und vieles mehr.“

Den Mut und die Innovationsfreude hat Stefan eindeutig von seinem Vater geerbt, freut sich die Mama. So hat er sich nicht nur bereits jetzt zu einem ausgewiesenen Zigarrenexperten entwickelt, sondern man findet auch alle neuen Produkte des Tabakmarkts im Fachgeschäft. Er setzt zusätzlich stark auf Dampfwaren und ist davon überzeugt, dass in den nächsten Jahrzehnten die Genussreise sehr in diese Richtung weitergehen wird. Bei jungen Kunden ist der Trend jetzt schon ganz deutlich erkennbar.

Beratung

Stefan Kerschbaumer ist auch stolz da­rauf, dass seine Vorort-Beratung so erfolgreich ist: „Das erste Mal Dampfen zeige ich allen selbst – dafür nehme ich mir Zeit. Beratung ist bei uns wichtig. Da steht dann eine Mitarbeiterin mitunter auch ganz allein hinter dem Tresen, was für sie höchste Konzentration bedeutet. Doch der Aufbau und der Anfang sind mir für unsere Kunden wichtig. Sie sollen das Gefühl haben, dass Rauchen oder Dampfen etwas Besonderes ist, eben Genuss pur. Und das gleich von Anfang an richtig machen.“

Der Erfolg gibt ihm recht. Obwohl viele Stockerauer in Wien arbeiten, kaufen sie ihre Rauchwaren in der Trafik Kerschbaumer. „Es ist eben nicht nur die Anbindung durch Beratung an uns, sondern sie wissen auch, dass wir die neuesten Produkte bieten, sind neugierig und lassen sich gerne von uns mit neuen Produkten überraschen. Selbstverständlich führen wir auch das, was sich unsere Kunden generell wünschen.“

Kerngeschäft

Die Trafik Kerschbaumer will trotz ihrer Größe keine Gemischtwarenhandlung sein und beschränkt sich daher auf das Kerngeschäft: Rauchwaren, Zeitschriften, Lotto sowie Theaterkarten und alles in exklusiver, bestsortierter Weise. „Auch der Kaffeeautomat bewährt sich sehr“, freut sich der gelernte Koch und hat eine kleine Genuss- und Plauderecke neben den Magazinen eingerichtet. Zeit für’s Private hat er derzeit nur wenig. Aber wenn, dann zieht es ihn – ganz Familientradition eben – zur Musik. Er spielt gleich vier Instrumente: Klavier, Steirische Harmonika, Gitarre und Schlagzeug. Und das mit der gleichen Leidenschaft, mit der er gedanklich schon seine künftige Trafik ausrichtet.

Original erschienen 2018
 

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