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Bundesgremialobmann Prirschl im Gespräch, das sich um Kaffee, Hanf, Lotto und Tabaksteuer dreht.

„Hanf alleine wird uns nicht alle reich machen ...“

17.09.2018

Was sagen Sie zu der Vielfalt an Geräten und Angeboten rund um den Kaffee, die auf der Messe zu sehen war?

Also eigentlich hat es mich gewundert, dass es nicht noch mehr Anbieter waren. Für die Kaffeebranche ist genau jetzt die Zeit, in der sie bei uns präsent sein muss, und das ist sie auch. Ich denke nicht, dass es auch nur eine einzige Trafik gibt, die noch nicht zu diesem Thema kontaktiert wurde. Rund um den Kaffee möchte ich mich  beim Spartenobmann Kaffee­häuser der WK Wien für seine Kam­pagne dagegen bedanken – soviel Aufmerksamkeit der Konsumenten hätten wir alleine wohl kaum erreichen können. Ich bin auch neugierig, welche Sorte von Kunden der Kaffee anzieht. Dass er als Frequenzbringer funktionieren sollte, ist klar.

Da stellt sich die Frage, welchem Angebotssegment diese höhere Frequenz zugutekommen wird.

Ich denke nicht, dass wir wegen Coffee to go mehr Zigaretten verkaufen werden. Und auch bei Zeitungen und Zeitschriften erwarte ich mir nicht viel. Ich könnte mir aber vorstellen, dass die Kunden mit einem Kaffee in der Hand wieder vermehrt Lottoscheine in unseren Geschäften ausfüllen könnten, statt daheim alleine auf win2day zu spielen. 

Danke für das Stichwort. Offenbar ist nicht nur das bekämpfte Provisionsmodell der Lotterien vom Tisch, es scheint derzeit sogar eine kon­struktive Zusammenarbeit zu geben. Wie kam es dazu?

Das sogenannte „umsatzfokussierte Provisionsmodell“ ist vom Tisch. Es hatte auch große Schwächen, die wir mit großer Geschlossenheit aufgezeigt haben. Bei den Lotterien scheint man ursprünglich gehofft zu haben, dass wir uns von ein paar gut klingenden Begriffen blenden lassen und nicht sehen, was das Provisionsmodell wirklich war: ein reines Kürzungsmodell. Nach vielen Gesprächen hat es nun ein Umdenken aufseiten der Lotterien gegeben. Die Gespräche finden auf Lotterieseite nun wieder mit Bettina Glatz-Kremsner statt, zu der wir Trafikanten einen traditionell guten Draht haben.

Gibt es Neues von der Hanf-Front? Wie groß ist das Potenzial dieser Produktgruppe wirklich?

Rauchbare Produkte gehören aus Prinzip in die Trafik, deswegen wurde im ersten Schritt versucht, die derzeitige Umgehungskonstruktion als „Aromaprodukte“ auszuhebeln. Die Aufnahme von Hanf in den Nebenartikelkatalog birgt ja eine große Gefahr: nämlich jene, dass dieser Zustand dann dauerhaft wird und es nie zu einer Monopolisierung kommt. Den legalen Markt teilen sich derzeit rund 70 bis 100 Hanfshops. Wenn man den auf 2400 Tabakfachgeschäfte aufteilt, ist das für den Einzelnen sicher kein „Millionengeschäft“. Und die echten Kiffer holt man mit CBD-Produkten, die quasi kein THC enthalten, ja auch nicht ab. Das ist gleichzeitig aber auch gut und richtig. Wenn die AGES in den Trafiken Proben zieht und Produkte mit mehr als 0,3 Prozent THC findet, hagelt es Vorstrafen nach dem Drogengesetz. Und als Dealer wollen wir nun wirklich nicht dastehen!

Man muss die derzeitige Diskussion aber auch strategisch sehen: Wenn es Hanfprodukte in den Trafiken gibt, haben wir einen Fuß in der Tür, sobald es zu einer kompletten Legalisierung kommt. Von dieser Bundesregierung erwarte ich mir aber definitiv keine Freigabe von Cannabis.

Ganz offensichtlich wird derzeit einmal NICHT über die Handelsspanne geklagt. Glauben Sie, dass es 2019 so weitergehen wird? Die Industrie drängt immer stärker auf ein neues mehrjähriges Tabaksteuermodell …

Das wünschen wir uns auch. Eigentlich würde eine Fortschreibung des aktuellen Steuermodells ja schon reichen, der Aufwand für den Gesetzgeber wäre überschaubar. Ohne ein neues Steuermodell werden Preis­erhöhungen nämlich ausbleiben – auch weil viele Marken derzeit auf sen­siblen Preisen wie 5,00 oder 5,50 Euro stehen. Und da wird ohne Druck von außen wenig passieren. Auswirkungen wird im kommenden Jahr jedenfalls die Anhebung der Mindesthandelsspanne um zwei oder mehr Prozent haben: Hier muss die Industrie mit Preisschritten reagieren.

Wie stehen die Chancen, heat-not-burn-Geräte bald in den Trafiken verkaufen zu dürfen?

Die neue Tabaksteuerregelung kann kaum vor dem Frühjahr 2019 stehen. Im Idealfall enthält sie eine neue Steuerklasse für risikoreduzierte Tabakprodukte, die man schon zur Jahresmitte freigeben könnte. Aus meiner Sicht wird es bis zur Einführung von heat-not-burn in Österreich also noch zumindest ein knappes Jahr dauern – und da sprechen wir von einem optimistischen Szenario …

 

Das vollständige Interview finden Sie ab 21. September in der druckfrischen Ausgabe der Trafikantenzeitung.
 

 

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