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Innerhalb von nur sechs Wochen dreimal mit Waffen bedroht und beraubt zu werden erfordert eine dicke Haut, um danach weiterzumachen. Vor allem aber geht es darum, neben dem finanziellen Schaden nicht auch noch eine Verletzung oder den Tod zu riskieren

Im selben Jahr dreimal überfallen

21.01.2013

Johann Larndorfer aus Linz ist als Opfer von Trafiküberfällen ein unfreiwilliger Profi: Erst im Jänner 2012 übernahm er seine Trafik – und wurde in seinem ersten Jahr innerhalb eines Zeitraumes von nur sechs Wochen dreimal von Räubern heimgesucht. Grund genug, ihn nach seinen Erfahrungen und Ratschlägen für Berufskollegen zu fragen. (mh)

Ist der Stadtrand von Linz, wo Sie Ihre Trafik betreiben, auch in anderer Hinsicht ein gefährliches Pflaster?

Die Vorgängerin ist schon einmal überfallen worden, wobei die Täter auch aus demselben Milieu gewesen sein dürften. Durch die vielen Hinterhöfe der Gemeindebauten ist die Flucht offenbar recht einfach, und gegenüber meiner Trafik geht es ins Grünland. Das sind scheinbar einladende Faktoren für Räuber.

Sind Sie vor dieser Raubserie schon einmal überfallen worden?

Nein. Dann dafür aber innerhalb von sechs Wochen dreimal: Wobei ich persönlich zweimal überfallen worden bin, beim dritten Mal war die Kollegin allein im Geschäft.

Zu welcher Tageszeit sind die Überfälle passiert?

Zwei sind um 6.30 Uhr morgens und einer knapp vor dem Zusperren passiert. Am Morgen waren das Süchtige, die ursprünglich eine Tankstelle überfallen wollten, dort aber nicht reingekommen sind. Dass die nicht besonders schlau waren, merkt man ja schon am gewählten Zeitpunkt, denn in der Früh hat man ja fast nur das Wechselgeld in der Kassa.

Wie sind die Überfälle abgelaufen? Waren es Einzeltäter oder
mehrere?

Es ging immer sehr schnell, manche Räuber waren nervöser, manche unter Drogen. Einmal mussten wir den Tresor aufmachen, die anderen haben sich an der Kassa bedient. Teilweise spielen auch bauliche Dinge eine Rolle: Bei mir ist es recht verwinkelt – sobald Kunden da sind, wird es eng. Auch deshalb sehen die Täter zu, dass sie beim Überfall allein mit dem Trafikanten sind. Es waren immer mehrere Täter – beim ersten Mal einer im Geschäft, beim zweiten Überfall zwei, beim dritten drei. Und wie viele draußen stehen, weiß man nicht.

Wurden Sie und Ihre Verkäuferin bei den Überfällen nur bedroht oder auch verletzt?

Meine Verkäuferin bzw. ich wurden zweimal mit Faustfeuerwaffen, einmal mit Stichwaffen bedroht. Beim zweiten Überfall wollte ein Kunde das Geschäft betreten, hat gesehen, was los ist und wollte weg. Den haben die Täter in den Verkaufsraum zu ziehen versucht, und, als es nicht gelang, mit Schraubenziehern auf ihn eingestochen. Zum Glück sind sie danebengefahren! Mir haben sie auch noch eine Kette vom Hals gerissen, passiert ist mir aber nichts.

Wissen Sie, ob das beim ersten und letzten Fall echte Revolver oder Pistolen waren?

Im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass es in beiden Fällen Schreckschusswaffen waren. Aber glauben Sie mir: In der Überfall-situation haben Sie nicht die Nerven, das genau wissen zu wollen.

Sind die Täter geschnappt worden?

Zwei Überfälle wurden geklärt. Beim ersten Raub haben die fünf Täter pro Nase 140 Euro erbeutet und dafür von sieben Jahren abwärts ausgefasst – nicht wirklich lohnend, würde ich sagen. Der Haupttäter hat aber Berufung eingelegt, also ist das Verfahren noch offen. Die dritte Tätergruppe hat sieben, sechs und fünf Jahre bekommen. Die zweite Gruppe von Räubern ist noch auf freiem Fuß, wobei das die Gefährlichsten waren. In den aufgeklärten Fällen waren die Täter Österreicher – zumindest von der Staatsbürgerschaft her. Die Gründe für die Überfälle waren durchwegs Arbeitslosigkeit, Schulden und Drogen. Das merkt man dann auch bei den Urteilen, weil alle schon vorbestraft waren und entsprechend mehr aufgebrummt bekommen haben.

Hatten Sie vor dem ersten Überfall eine Kamera, Alarmanlage oder Direktschaltung zur Polizei? Haben Sie in diese Richtung seither nachgerüstet?
Wir hatten eine Alarmanlage, allerdings keine mit stillem Alarm. Gott sei Dank haben wir den nicht ausgelöst. Nach dem ersten Überfall haben wir die Überwachungskamera bestellt – bis sie geliefert war, wurden wir aber schon wieder überfallen. Die dritte Gruppe wurde dann schon gefilmt.

Haben Sie einen Hund im Geschäft?

Nein. Ein Hund müsste ja auch den ganzen Tag im Lokal sein und dürfte nicht ständig in den Geschäftsbereich nach vorne laufen. Insofern halte ich einen Hund nicht für eine praktikable Dauerlösung.

Waren Sie bewaffnet, bzw. sind Sie es jetzt?

Nein. Ich habe es mir überlegt, aber wenn wir aufrüsten, tun es die Täter vermutlich auch. Oder schießen zuerst und verlangen dann das Geld. Außerdem ist Eskalation das Letzte, was man in der Überfallsituation will, und man weiß nie, wie viele Komplizen noch draußen warten. In einem Polizeiseminar wurde uns ebenfalls zur Defensive geraten. Dem Geschäft täte es wohl auch nicht gut, wenn man zur Schusswaffe greift – da bekommen die Kunden Angst, ins Kreuzfeuer zu geraten.

Mit welchem Gefühl stehen Sie seither täglich in Ihrem Geschäftslokal?

Teils mit einem beklemmenden Gefühl. Und wenn dann noch ein besonders lustiger Kunde mit „Hände hoch – nein, nur zwei Schachteln Memphis“ reinkommt, findet man das irgendwann auch nicht mehr amüsant. Ganz allgemein verliert man die Unbekümmertheit und Offenheit den Leuten gegenüber, die in die Trafik kommen. Und man wird vorsichtig beim Auf- und Zusperren.

Haben Sie jemals daran gedacht, Ihre Trafik aufzugeben?

Nein. Ein paar Leute haben das vorgeschlagen, für mich kommt das aber nicht infrage.

Welchen Rat können Sie Berufskollegen für den Fall des Falles geben?

Ruhig bleiben, den Aufforderungen der Täter nachkommen und nicht den Helden spielen. Es ist nur Geld. Eine funktionierende Kamera kann danach helfen, die Täter zu identifizieren.

Autor/in:
Redaktion Trafikantenzeitung
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