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Jahresbericht 2016 der MVG

28.07.2017

Am 27. Juli 2017 präsentierte die Monopolverwaltung ihren Bericht über das Jahr 2016.

MVG-Chef Hofer will - unter anderem - das Bewusstsein für den sozialen Arbeitsauftrag der Monopolverwaltung stärken.

Die positiven Zahlen gleich einmal vorweg: 2016 sperrten „nur“ 24 Tabakfachgeschäfte, also rund ein Prozent des Bestandes, zu. Gemessen an den 238 Fachgeschäften, die seit 2012 den Betrieb einstellen mussten, bewertet Monopolchef Hofer dies als Beweis für die Wirksamkeit der Strukturbereinigung. Den Verkaufsstellen geht es weniger gut: Gleich 175 von ihnen schlossen im Vorjahr die Pforten.

Zahlen und Fakten

Rund eine Million Menschen geht täglich in die Trafik, die Raucherquote der Bevölkerung liegt bei 26 Prozent. 2016 wurden in Österreich Tabakwaren im Wert von 3,057 Milliarden Euro verkauft; rund 77 Prozent dieser Umsätze (2, 343 Mrd.) entfielen auf Fachgeschäfte. Gegenüber 2015 bedeutet dies eine Steigerung um 0,9 Prozent oder 27 Millionen Euro. Angesichts einer Preissteigerung um 2,5 Prozent bleibt unterm Strich aber ein Mengen-Minus von 1,6 Prozent.

Von einem Plus konnten die Trafikanten aber nur träumen: Die Tabaksteuerbelastung stieg um 12,5 Cent, nur 11 Cent wurden aber als Preissteigerung weiter gegeben. Dies war die geringste Preiserhöhung der vergangenen Jahre (2013: 13 Cent, 2014 + 2015: 15 Cent), die ein Minus von sechs Millionen Euro auf Seite der Handelsspanne zur Folge hatte.

Die Monopolverwaltung erzielte 2016 einen Jahresüberschuss von 1,3 Millionen Euro.

Schlechte Stimmung

Kein Wunder, dass die Fragen der MVG nach der Befindlichkeit der Trafikanten zu 39 Prozent mit „befriedigend“ und zu 16 Prozent mit „schlecht“ oder „sehr schlecht“ beantwortet wurde. Jeder dritte Trafikant würde zudem einem jungen Menschen nicht empfehlen, diesen Berufsweg einzuschlagen. Ein eindeutiges Alarmsignal!

MVG-Geschäftsführer Hannes Hofer sieht den Parlamentsbeschluss über die Tabaksteuer und Mindesthandelsspanne für 2018 deshalb positiv: „Auch wenn wir uns ein mehrjähriges Paket gewünscht hätten – dies war das Maximum dessen, was derzeit erreichbar war.“ Verbesserungsmöglichkeiten sieht Hofer dennoch: „Wir wollen unsere Abläufe verbessern und die Zufriedenheit der Trafikanten mit der Arbeit der Monopolverwaltung erhöhen. Gleichzeitig wollen wir die Quote der Vorzugsberechtigten anheben und den sozialpolitischen Auftrag des Tabakmonopols in der breiten Öffentlichkeit mehr ins Bewusstsein rücken.“

§31

Obwohl im Vorjahr alle frei gewordenen Fachgeschäfte an Vorzugsberechtigte vergeben wurden liegt deren Quote derzeit bei 52,4 Prozent – ein Plus von nur 0,4%. Langfristig möchte die MVG das Ziel von 60 Prozent erreichen.

Die bislang unbegrenzte innerfamiliäre Weitergabe von Trafiken war auch ein Faktor, warum die SPÖ im Parlament keinem mehrjährigen Trafikpaket zugestimmt hatte. Hofer schränkt aber gleich ein: „Ein Ende für die Weitergabe des Geschäfts an die nächste Generation stand aber nie zur Debatte! Darüber, was danach passiert – also Weitergaben an eine dritte oder gar vierte Generation – wird man aber sprechen müssen.“

Jugendschutz

Gegenüber den Pressevertretern lobte Hofer die mit dem Bundesgremium der Trafikanten ausgehandelte Neuregelung des Jugendschutzes, die auch in den geänderten Bestellungsverträgen Niederschlag gefunden hat. Die nächste Herausforderung droht 2018 ohnehin: Alle neun Bundesländer werden 2018 das Mindestalter für den Verkauf von Tabakprodukten auf 18 Jahre anheben.

Sozialpolitischer Auftrag

Ganz wichtig ist Hannes Hofer der traditionelle Versorgungsauftrag des Tabakmonopols, das in dieser Form weltweit einzigartig und ein „Modell für Europa“ ist. Dies wurde vor den Journalisten im Rahmen der Pressekonferenz mehrfach wiederholt und findet auch im Jahresbericht seinen Niederschlag, in dem zahlreiche Trafikanten zu Wort kommen. Denn offenbar ist es nicht nur der breiten Öffentlichkeit, sondern auch vielen Politikern nicht klar, dass der Berufsstand des Tabaktrafikanten im Spannungsfeld zwischen Steuer- und Gesundheitspolitik, Rauchverboten und Steuerbegehrlichkeiten vor allem eines darstellt: Eine Möglichkeit für behinderte Menschen, die am freien Arbeitsmarkt meist keinen Job bekämen, ein selbstbestimmtes Leben als Unternehmer zu führen. Jede gesetzliche oder fiskalische Veränderung macht diese Aufgabe aber immer schwerer.

Autor/in:
Matthias Hauptmann
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