Direkt zum Inhalt

Jetzt blasen auch die Wirtschaftsforscher zur „Raucherhatz“

15.07.2008

Raucher sind nicht nur Selbstmörder und Killer, sondern liegen auch der Volkswirtschaft mit 511 Millionen Euro pro Jahr auf der Tasche. Solches behauptet das IHS - Institut für höhere Studien in einer Auftragsanalyse.

Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht eine Zeitung oder ein TV-Nachrichtenmagazin die Raucher ins Visier nimmt und sie für alles Übel auf dieser Welt verantwortlich macht. - ungeachtet dessen, daß die 2,3 Millionen Österreicherinnen und Österreicher, die zum Glimmstängel greifen, auch zu ihrer Leserklientel gehören. Zumindest hinsichtlich der Printmedien ist die EU-Tabakwerbeverbotsstrategie voll aufgegangen. Den daraus resultierenden Frust über den Verlust der Anzeigenerlöse reagieren die Verlage mit Negativschlagzeilen zum Thema "blauer Dunst" ab. Und muten dabei den Trafikanten zu, Produkte zu verkaufen, die ihre Existenzgrundlage, den Verkauf von Tabakwaren, schlecht schreiben. So titelten etwa kürzlich unter Berufung auf eine "ökonomische Analyse über die volkswirt schaftlichen Effekte des Rauchens" des IHS - Institut für Höhere Studien die Zeitungen un- kritisch wie unisono "Raucher kosten den Staat Millionen". Exakt 511 sollen es bei einer Gegen- rechnung der Tabaksteuereinnahmen auf der einen und der von Rauchern verursachten Arbeitsausfall- und Gesundheitskosten auf der anderen Seite sein. Ein Ergebnis, das aufzuhellen sich nur die Tageszeitung "Die Presse" die Mühe machte. Und zwar mit der Anmerkung, daß diese IHS-Studie einen Finanzier hat - nämlich den welt- größten Arzneimittelhersteller Pfizer, der 2007 allein 883 Millionen Dollar (561 Millionen Euro) Umsatz mit "Chantix" - in Österreich seit Februar 2007 unter der Bezeichnung "Champix" zugelassen - lukrierte. Einem in der Fachwelt nicht unumstrittenen verschreibungspflichtigen Präparat, das beim Abgewöhnen des Rauchens durch Linderung der Entzugserscheinungen helfen soll, wobei ein kausaler Zusammenhang mit sich aus der Anwendung ergebenden psychischen Störungen nicht ausgeschlossen werden kann. Die Warnung auf dem Beipackzettel vor Selbstmordgedanken- und Gemütsschwankungs-Begleiterscheinungen kommt nicht von ungefähr, sondern basiert auf einer Warnung der US-Arzneimittelbehörde FDA und einer von ihr beobachteten Häufung von Suizidfällen bei Einnahme dieses Mittels. Vor diesem Hintergrund geben die Berechnungen, die dem Selbstmörder- und Killerimage des Rauchers jetzt auch noch das eines Volkswirtschaftparasiten zur Seite stellen, dem Sprichwort "Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast" neue Nahrung. Das Kostenaufrechnen soll jedenfalls mit dem oft vorgetragenen Argument aufräumen, daß die Raucher mit ihrem Tabakwarenkonsum eine fixe und geradezu unverzichtbare Staatshaushaltgröße von insgesamt rund 1,7 Millarden Euro (1,3 Milliarden Euro aus der Tabaksteuer und 400 Millionen Euro aus der Umsatzsteuer) auf der Einnahmenseite sind und für das Budget mehr tun als sich selbst zu finanzieren. Daß man das Mehrwertsteueraufkommen aus der Betrachtung total ausklammerte, hat - so Studienleiter Markus Bock - seinen Grund darin, daß dieses sogenannte "Konsumgeld" ja nicht verloren gehe, sondern für andere Dinge ausgegeben werde. Für einen Rolls Royce vielleicht, wie kürzlich die Raucherstoppinitiative mit dem Wortspielslogan "Smoking statt Smoking" im Rahmen einer Österreichtour den Rauchern vorzugaukeln versuchte. Ein Aktionismus, der übrigens auch vom Pharmaunternehmen Pfizer und darüber hinaus vom Österreichischen Nikotininstitut ins Leben gerufen wurde. Keine solche Luxuskarosse, aber ein durchaus auskömmliches Leben garantiert das IHS auch jenen 9.821 Vollzeitbeschäftigten (Zahl aus 2003), die in der Tabakindustrie und im Tabakhandel tätig sind. Restriktive politische Maßnahmen, die das Rauchen einschränken oder am besten gleich überhaupt verbieten, würden letztendlich wohl zum Verlust dieser Arbeitsplätze und der damit verbundenen Wertschöpfung von 645 Millionen Euro führen. Aus volkswirtschaftlicher Sicht hätte das aber - so IHS-Leiter Berhard Felderer - durch eine mittelfristige Umschichtung der konsumierten Güter kein Wertschöpfungsminus im Gefolge. "Fiskalische Einnahmen aus dem Tabakwarenkonsum - wie Umsatzsteuer, Arbeitnehmerabgaben und Körperschaftssteuer - würden dem Staat selbst bei einem absoluten Tabakverbot nicht entgehen." Auf die rund 1,3 Milliarden Tabaksteueraufkommen allerdings müßte im Falle eines solchen Radikalfalles einer rauchfreien Gesellschaft, den übrigens die IHS-Analyse in ihren Schlußbemerkungen aus medizinischer wie ökonomischer Sicht empfiehlt, Österreichs oberster Säckel wart verzichten. Da ihr Entfall aber die Etatbalance in noch mehr Ungleichgewicht bringen würde, "müßte diese Summe fiskalisch anderweitig ersetzt werden", geben Pock und Felderer die Richtung von Steuererhöhungen in anderen Lebensbereichen vor. Ihre ethischen Genierer mußten die Studienverfasser bei der Berechnung der Effekte auf den Alterspensionsaufwand beiseite schieben. Raucher sterben früher: Dieser Warnhinweis auf den Zigarettenpackungen ist nicht zuletzt für immer wiederkehrende Spekulationen verantwortlich, daß die Freundinnen und Freunde des blauen Dunstes die gesetzlichen Pensionskassen beträchtlich entlasten. Stimmt nicht, widerspricht das IHS-Team: Schließlich bleiben meist Witwen oder Witwer zurück, die Anspruch auf eine Witwen- bzw. Witwerpension haben." Den Mehraufwand der öffentlichen Hand in einer rauchfreien Gesellschaft im Bereich der Alters- und hinterbliebenenpensionen beziffern die IHSler mit gerade einmal 45 Millionen Euro oder 0,18 Prozent des Pensionsaufwands für Alters- und Witwen/Witwer-Pensionen im Jahr 2003. Also jenes Jahres, dem auch das sogenannte Lebenszyklus-Modell zugrunde gelegt wurde, das in der Nutzen-Kosten-Gegenrechnung die Tabaksteuereinnahmen ohne weitere Erklärung um 241 Millionen Euro reduziert, dafür aber die ökonomischen Kosten mit stolzen 1,43 Milliarden Euro ansetzt. Durch häufigere Krankenstände, Invalidität und vorzeitige Sterblichkeit von erwerbstätigen Tschikerinnen und Tschickern gehen der österreichischen Volkswirtschaft 0,63 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) verloren. An weiteren "Rauchen-attributalen" Kosten fallen laut IHS-Angaben 75 Millionen Euro für Pflege- und Krankengelder sowie Invaliditätspensionen an. Und damit unterm Strich auch eine ansehnliche Schadenssumme steht, wird schließlich die unfreiwillige Verkürzung der Lebenserwartung von Passivraucherinnen und Passivrauchern mit 81 Millionen Euro für "hypothetische Kompensationszahlungen monetär bewertet". Ergibt summa summarum jene 511 Millionen Euro Schaden, welche der blaue Dunst anrichtet und mit denen - so die IHS-Analysten - die Raucher noch billig davonkommen, denn: Immerhin habe man beim Posten "Passivrauchen" nur den Verlust der Lebensquantität und nicht der Lebensqualität in Rechnung gestellt und es überhaupt unterlassen, etwa durch das Rauchen bedingte Immunschwächen, die Krankheiten auslösen sowie nicht-medizinische Kosten in die Berechnungen miteinzubeziehen, die aus Bränden, Arbeits- und Verkehrsunfällen, nötigen, Umbauten, Rauchpausen in der Arbeitszeit, Warte- und Wegzeiten für medizinische Behandlungen, oder einem höherem Reinigungsaufwand von Textilien resultieren. Aber nicht nur die Raucher werden wieder einmal mehr an den Pranger gestellt, auch die Politik kommt nicht ungeschoren davon: Kurzfristig empfiehlt ihr das Institut für Höhere Studien, bei der Umsetzung von Maßnahmen zum Nichtraucherschutz an den europäischen Standard aufzuschließen - langfristiges politisches Ziel sollte eine ganz und gar rauchfreie Gesellschaft sein.

Autor/in:
Redaktion Trafikantenzeitung
Werbung

Weiterführende Themen

Bei derart weitreichenden Ideen könnte Ungarn - wieder einmal - das Symbol seiner Landesflagge austauschen ...
Meldungen
22.10.2018

Wenn diese Idee umgesetzt werden sollte können Trafikanten aus dem Burgenland und der Steiermark die Korken knallen lassen.

Die Fahne verkündet nach außen, dass hier Kaffee zu haben ist ...
Meldungen
17.10.2018

Lassen Sie es Ihre Kunden wissen, sobald Kaffee bei Ihnen verfügbar ist!

Produkte
16.10.2018

Bereits 1924 in Kolumbien gegründet, ist die Marke Pielroja zurecht stolz auf ihre lange Firmengeschichte.

Die Kraken-Cigarren kommen selbstverständlich mit deutschsprachigen Warnhinweisen zu uns ...
Produkte
15.10.2018

Der „unge­heuerliche“ Name verspricht, was die Formate halten.

Werbung