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Kommentare von Andreas Schiefer und Peter Schweinschwaller

20.08.2012

Die in der „Extrazeitung" und auf der Landesversammlung der WE NÖ von der WE-Führung Trinkl/Karanz an den Pranger gestellten WE-Delegierten Schweinschwaller und Schiefer hatten darauf verzichtet, sich direkt nach dem WE-Meeting zu äußern. Bedarf an Richtigstellung bestünde aber sehr wohl, meinen beide einige Tage später. (mh)

Peter Schweinschwaller: „Je genauer man hinschaut, desto mehr findet man“

Peter Schweinschwaller, vormals NÖ Delegierter
Ich habe – ähnlich wie der Andreas Schiefer – auch viele Dinge in der WE unter die Lupe genommen. Immer mit demselben Resultat: Je genauer man hinschaut, desto mehr Schlampereien und Ungereimtheiten findet man. Damit ist gar nicht gesagt, dass hier Geld bewusst veruntreut wird. Es werden aber Kosten verschoben, Gelder vermischt, Fehler bei Abrechnungen gemacht und vieles mehr.

 

„Die Frau Karanz hat leider keine Ahnung von Geld ..."

 Dazu kommt, dass die Frau Karanz zwar sehr fleissig ist – sie macht und tut wirklich viel. Leider hat sie aber keine Ahnung von Geld – der Großhandel macht seit Jahren ein permanentes hohes Minus. Und auch bei Dingen wie dem Vertrag mit der OMS müsste man sich einmal anschauen, ob das für die WE wirklich ein Geschäft war: Besonders im ersten Jahr der OMS ist viel Arbeit der unterschiedlichsten WE-Abteilungen in das Projekt geflossen, die aber nie in Rechnung gestellt wurde.

Schon im Herbst 2011 habe ich diese Dinge innerhalb der WE zur Sprache gebracht und mich gleich sehr unbeliebt damit gemacht. Dabei waren es der Josef Prirschl und ich, die jahrelang neue Ideen eingebracht und umgesetzt haben, uns für das Duo Trinkl und Karanz stark gemacht und auch mit viel Arbeit engagiert haben. Das zählt jetzt alles nicht mehr, wir sind jetzt die „Königsmörder".

 

„Genau hinschauen ist unerwünscht."

Insofern wünsche ich auch den neuen Delegierten für Niederösterreich viel Glück: Wenn sie sich die Dinge zu genau ansehen – einfach weil sie engagiert arbeiten, was wir ja hoffen – werden sie nicht lange zum „Team Trinkl" zählen. Gleichzeitig wird immer so getan, als hätten wir beide interne WE-Informationen an Alles Tabak oder andere Medien weiter gegeben. Das haben wir nicht. (Anm. d. Red.: Josef Prirschl und Andreas Schiefer waren nach ersten Gerüchten um die versuchte Trinkl-Abwahl am 12. Juli zu keiner Stellungnahme für die Trafikantenzeitung bereit, Peter Schweinschwaller wurde nicht kontaktiert und nahm auch von sich aus keinen Kontakt auf.) Im Gegenteil ist es die fortlaufende Agitation von Trinkl und Karanz, die das Interesse der Medien und inzwischen wohl auch der Staatsanwaltschaft an der WE am Leben erhält.

Auf der Landesversammlung der WE Niederösterreich habe ich einfach meine Redezeit als Delegierter genutzt. Wir sind keine „Putschisten", denn wir haben uns ehrlich bemüht für die WE und werden das auch auf Bundesebene wieder tun. Wenn einem eine Sache am Herzen liegt – und das tut uns die WE – kann man einfach ab einem gewissen Punkt nicht mehr zuschauen, wie alles den Bach hinuntergeht. Mit welchem Erfolg wir das auf Bundesebene schaffen werden, steht in den Sternen: Mit den Neubesetzungen in Niederösterreich ist das Duo Trinkl/Karanz zwei unbequeme Gegenstimmen losgeworden, dazu haben sie mit dem neuen Geschäftsstellenleiter eine weitere Stimme, die ihnen in der Bundes-WE die Stange hält.

Andreas Schiefer, WE-Bundeskassier
In St. Pölten ist nicht viel passiert, was mich überrascht hätte. Mit einer Ausnahme: Durch die Einladung von WE-Fremden wie auch Ihnen hat das Führungsduo gegen die Statuen der WE verstoßen. Ich habe im Vorfeld keine Aussagen gemacht oder Interviews gegeben, weil ich die Statuten respektiert habe – Stellung dazu werde ich jetzt aber schon nehmen. Was nicht heißt, dass ich einen Medienkrieg führen möchte. Ich will nur meine Sicht der Dinge klarstellen. Den Job als Kassier der WE habe ich im Vertrauen auf Peter Trinkl übernommen.

Damit bin ich nicht alleine – und warum sollte man auch nicht auf die Aussagen von jemandem vertrauen, an den man glaubt? Es ist ja auch viel Gutes passiert. Erste Diskussionen hat es im November 2011 beim 2010-Bilanzminus in Höhe von 375.000 Euro gegeben – ab diesem Zeitpunkt habe ich angefangen, mir die Dinge im Detail anzuschauen. Alleine der Großhandel dürfte in sieben Jahren rund 800.000 Euro vernichtet  haben. Aus den Versuchen, ihn zu reformieren, wurde nie etwas, weil er halt so nebenher mitgelaufen ist. Die Pläne zur Bereinigung des Großhandelssortiments stammen jedenfalls nicht von Trinkl oder Karanz.

 

„Michael Dorfinger hat wie ein Bereichsleiter verdient ..."

Michael Dorfinger hat als Angestellter der WE über 70.000,- brutto pro Jahr und einen Audi A3 als Dienstwagen bekommen. Damit lag er auf einem Niveau mit Bereichsleitern, die mit 16 Mitarbeitern für 200 Klienten die Buchhaltung machen, was natürlich für Unmut im Haus gesorgt hat. Dazu gab es ein zeitliches Problem: Der Herr Dorfinger war noch in Ausbildung und hat seinen Kurs am Wifi besucht - er war oft nicht da. Diese beiden Faktoren führten dazu, dass das Angestelltenverhältnis in eine selbstständige Beauftragung geändert wurde. Es hat übrigens zwei Jahre gedauert, bis die Wirtschaftsprüfer ihn als Sohn der Frau Karanz zuordnen konnten.

 

Austria-Tabak-Kredit

Die Summe von zwei Mio. Euro wurde in vollem Umfang als Kredite an Trafikanten weiter gegeben. Davon sind nach derzeitigem Stand ca. 13.000 Euro uneinbringlich, das wäre also nicht das Problem. Allerdings sind die Rückzahlungen nicht alle auf ein eigenes Konto erfolgt, sondern sind teils auf normalen WE-Konten gelandet und wurden nicht wie der Rest angelegt, sondern für laufende Zahlungen ausgegeben. Nun fehlt rund eine Viertelmillion. Wird jetzt der vollständige Kredit an JTI/Austria Tabak zurückgezahlt, so hat die WE kein Geld zur selbstständigen Kreditvergabe, was ja eine ihrer wichtigsten Aufgaben wäre.

 

Derzeit sehen sich die Wirtschaftsprüfer das Verhältnis der WE zu OMS an, was bis 21. August abgeschlossen sein sollte. Ich würde ja schätzen, dass die WE da in Summe ein winziges Plus gemacht hat. Wobei der Vertrag selbst nie hergezeigt wurde, es wurde einfach kolportiert, das die WE von OMS pro Jahr 200.000 Euro bekommt. Welche Gegenleistungen da im Detail dahinterstecken, wurde nie kommuniziert. Und nur im ersten Jahr kam das Geld in vollem Umfang herein. ?

„Die WE kann nur mit Gewinnen langfristig überleben ..."

 Mittlerweile ist die Hauptfrage „Was muss passieren, damit die WE überlebt?". Die Antwort ist einfach: Die Wohlfahrt muss langfristig Gewinn machen. Dazu braucht es Personalkürzungen und Umstrukturierungen, es dürfen keine zusätzlichen Belastungen mehr auftauchen, und die Mitgliederzahlen müssten auch konstant bleiben. Die Sanierungsbudgets 2012 und 2013, an denen ich
intensiv mitgearbeitet habe, müssen in jedem Fall rigoros umgesetzt werden. ?

„Kein schriftlicher Vertrag zwischen Industrie und WE für ‚Österreich, wir machen das‘ ..."

Um 2012 vom derzeitigen Minus von rund 70.000 Euro noch ins Plus zu drehen, gebe es ja eine einfache Lösung: Die Industrie zahlt ihren Teil der Kampagne Österreich, wir machen das.

Peter Trinkl vertraut offenbar darauf. Es gibt aber ein Problem: Zwischen der WE und der Industrie gibt es meines Wissens keine schriftlichen Verträge – das wurde alles per Handschlag gemacht. Nur mit der Agentur Rosam gibt es einen schriftlichen Vertrag. Ich wäre also skeptisch, ob aus dieser Quelle mit Einkünften gerechnet werden darf. Für den Delegiertentag am 21. August haben Trinkl und Karanz mit der Wahl in NÖ Stimmenmaximierung betrieben.

Vielleicht brauchen sie das auch: Denn in Wien – und nicht nur dort – weht ihnen durchaus kräftiger Gegenwind entgegen. Ob ich in Zukunft noch in der WE mitarbeiten werde? Ich wäre dazu bereit. Aber so, wie die Dinge gelaufen sind, bin ich einmal froh, dass ich die Probleme aufgezeigt habe. Ich habe ein  ruhiges Gewissen und brauche mir nichts vorzuwerfen.

 

 

Autor/in:
Redaktion Trafikantenzeitung
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