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Vom klassischen Packerl bis zum Gruselpackerl, das mehrheitlich vor Kauf und Konsumation warnen muss. Am Rauchverhalten sowie der Raucherquote änderte sich dennoch kaum etwas. Und kein einziger Nichtraucher kann verlässlich auf Warnhinweise zurückgeführt werden.

Krank aus Angst - der Nocebo-Effekt

21.03.2016

Ab Mai dieses Jahres werden Schockbilder auf Zigarettenpackungen zu sehen sein. Ihre Wirkung ist umstritten. Vielmehr warnen Gesundheitsexperten vor einem Nocebo-Effekt.

Ab 20. Mai dieses Jahres gibt es in jedem EU-Land neue Abschreckungen: Jede Packung soll ab dann an der Vorder- und Rückseite Farbbilder mit Schockmotiven zeigen. Darunter befinden sich Fotos u. a. von schwarzen Raucherlungen, Herzoperationen, toten Rauchern, schwer geschädigten Zahnreihen oder Raucherbeinen. Auch seitlich werden Warnhinweise angebracht sein.
Dabei gibt es kompetente Stimmen, die sich gegen Schockfotos aussprechen. „Fallen die Darstellungen zu schrecklich aus, lehnt die menschliche Psyche sie ab.“, meint beispielsweise Univ.-Prof. Dr. Rudolf Schoberberger, Stv. Leiter des Zentrums für Public Health der Medizinischen Universität Wien. Es werde so ein optimistischer Fehlschluss vieler Rauchender gefördert: „Auf alle anderen mag das zutreffen, aber auf mich sicher nicht.“, sei bei manchen Menschen eine Art Umkehrschluss zu bemerken. „Vor allem junge Rauchende sind stärker gefährdet. Sie wollen beweisen, wie hart sie im Nehmen sind und fühlen sich unter Umständen sogar veranlasst, mehr zu rauchen. In der Psychologie nennt man so etwas einen paradoxen Effekt.“, warnt der Experte.

Krankreden 

Es gäbe aber auch ein Nocebo-Phänomen in Zusammenhang mit den Schreckensbildern, das man nicht übersehen dürfe. So könnte bei manchen Personen durch die Schockfotos ebenso eine bestimmte Erwartungshaltung aufgebaut werden, die sich dann im schlimmsten Fall sogar erfüllt. Sie befürchten, dass bestimmte äußere Faktoren „krank machen“. Durch den fixen Glauben daran erkranken Menschen tatsächlich bspw. an den dargestellten Krankheiten, oder es können Symptome – wie Studien bewiesen – gemessen und beobachtet werden, die auf ein entsprechendes Krankheitsbild hinweisen. Die Psyche kann stark auf den Körper Einfluss nehmen, negative Gedanken krank machen. Der Volksmund spricht auch vom „Krankreden“. 

Arzneimittelstudien

In placebokontrollierten Studien treten regelmäßig auch bei rund 25 Prozent der Kontrollgruppe, welche nur Placebo statt des Wirkstoffes enthalten hatte, jene möglichen Nebenwirkungen auf, welche der Beipacktext für das Arzneimittel anführt. Woran diese Probanden litten, war ein Nocebo (durch die Psyche verursachte Negativreaktion), das die zuvor gehörten Nebeneffekte wie Schwindel, Kopfschmerzen, Erbrechen, usw. ausgelöst hatte. Ständig auf mögliche Wirkungen hingewiesen zu werden kann genau diese Wirkungen also auch eintreten lassen.

Den vollständigen Artikel von Dr. Maria Publig lesen Sie in der nächsten Ausgabe der Trafikantenzeitung ab 25. März 2016.
 

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