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Lachen ist die beste Medizin

23.06.2021

Lachen bereichert Lukas Kettls Leben. Nach unzähligen Operationen infolge eines Hüftleidens von Geburt an gibt er seine Lebensphilosophie gerne an Kundinnen und Kunden weiter.

Lukas Kettl zeigt sich bestens gelaunt. Er ist froh, wieder in seiner Trafik in Gerasdorf zu sein. Nach einer seiner vielen Operationen und einer mehrwöchigen Reha fühlt er sich eindeutig besser: „Es ist kein Vergleich zu vorher! Ich hatte aktuell eine Sprunggelenksversteifung und konnte zuvor keine zwei Stunden mehr stehen. Das tat höllisch weh.“

Planung

Diese OP, wie auch die anderen, hängen mit seinem Hüftproblem zusammen. ­Lukas Kettl hatte seine erste Operation mit nur drei Jahren. Seine Hüfte war von Geburt an nicht zusammengewachsen. Seither begleiten ihn diverse Folgeerscheinungen. Mutter Karin Kettl weiß ein Lied davon zu singen: „Es war alles nicht leicht für ihn. Immer musste er aufpassen. Durfte nicht das machen, was andere Kinder taten. Er musste vorsichtig sein. Trotzdem war er immer fröhlich, ließ sich nie den Mut nehmen.“

Lukas Kettl lächelt und lehnt sich entspannt in seinem ergonomischen Drehstuhl am Schreibtisch des an den Verkaufsraum angrenzenden Bürobereichs zurück. Er wirkt relaxt, als könnte ihn nichts auf der Welt aus der Ruhe bringen. „Wissen Sie, man muss alles an sich herankommen lassen, dann ist es immer noch früh genug da.“ Kettl wirkt für seine 32 Jahre sehr reif und überlegt. Er ist einer, den die Dinge nicht überrollen, sondern der sehr gut überlegt und plant. So denkt er einzelne Schritte voraus, die ihm unnötige Leerläufe ersparen sollen. „Im Planen bin ich wirklich gut. Das habe ich mir schon früh angewöhnt. Ich bin generell ein strukturierter Typ, denke aber auch gerne nach. Auf der HTL Donaustadt habe ich gelernt, detailliert vorzugehen.“

Graffitimann

Trotzdem wollte Lukas Kettl schon früh Trafikant werden. Sein Onkel machte ihn seinerzeit auf eine Trafik am Opernring aufmerksam. Aber daraus wurde dann nichts. Kettl entschloss sich, inzwischen die Trafikakademie zu absolvieren. Ein ­Businessberater erstellte den Finanzplan, und dann ging es darum, seine Familie und die Bank von seinem Vorhaben zu überzeugen. Schließlich wurde es ein kleiner ­Kiosk in Jedlesee. Für den überlegte er sich nach einer mutwilligen nächtlichen Sprayer­aktion ein Markenzeichen: den rauchenden Graffitimann. Der hatte sich mittlerweile als charakteristisches Markenzeichen etabliert, weshalb ihn auch die Nachbetreiber, die Familie ­Hohenrieder aus unserer letzten Ausgabe der Öster­reichischen Trafikantenzeitung, nicht missen möchten. „Als wir jemanden mit der Durchführung des Kunstwerks beauftragt hatten, schickte uns jemand die Polizei. Man glaubte, dass wieder ein Vandale am Werk sei“, lacht Lukas Kettl. „Wir konnten alle schnell beruhigen. Gefallen tut’s bis heute, glaube ich, allen.“

Wunschtrafik

In Wien fühlte sich der gebürtige Gerasdorfer allerdings anfänglich als echter Fremdkörper: „Ich war eben kein Wiener, daher stand man mir vorerst reserviert gegenüber. Es hat ziemlich lange gedauert, bis die Umgebung warm geworden ist. Als wir dann weggegangen sind, waren doch viele sehr traurig. Manche kommen mich heute noch hier in Gerasdorf besuchen. Das freut mich schon sehr.“ Die neue Trafik in seiner Heimatgemeinde in der Hauptstraße 2 hat er noch nicht lange. „Im November habe ich sie übernommen. Ich ließ dann gleich die Schränke und Regale neu folieren, es wurde frisch ausgemalt, und ich habe auch sonst vieles verändert. Jetzt haben wir einen Kaffeeautomaten und führen diverse Liquids und Zigarren. Das gab’s vorher nicht.“ 

Die verschworene Gemeinschaft um Lukas und seine Mutter Karin besteht aus dem Mitarbeiterinnen-Trio Michaela, ­Brigitte und Sylvia. Ohne sie alle ginge in der Trafik Kettl rein gar nichts. „Das sind nicht nur verdiente Mitarbeiterinnen, sondern wir verstehen uns alle hervorragend. Es gibt keine Unstimmigkeiten, und es wird bei uns immer alles im Team besprochen. Jede ist daher stets auf dem neuesten Stand.“ So können auch die schwierigen Zeiten nach den Operationen von Lukas überbrückt werden: Er plant und ist ein guter Logistiker. Das Team ist zur Stelle, und Mama Karin besorgt das Übrige. 

Lebensfreude

Gejammert wird in der Trafik Kettl daher nie. Man lebt mit den bedingten Ausfällen von Lukas. Nach der anfänglichen Ablehnung in der Trafik im Wiener Jedlesee lernte der damals junge Trafikant auch professionelle Freundlichkeit aufzubauen. „Lachen ist ansteckend. Manchmal fängt irgendjemand von uns zu lachen an, und plötzlich lachen alle mit. Es ist auch schon vorgekommen, dass eine Kundin hereingekommen ist und gesagt hat: ‚Mir ist heute so elend. Ich komme zu euch, weil ich gute Stimmung tanken möchte.‘ Sie geht dann beschwingt wieder von uns weg. Meist kaufen sie auch noch etwas. Also, was will man mehr?“, freut sich Lukas Kettl.

Einiges hängt auch mit lang gepflegten Freundschaften und Bekanntschaften zusammen, die Herr Kettl nach der Schulzeit in Gerasdorf nicht verloren hatte. „Wir treffen uns immer noch und unternehmen viel. Zum Beispiel hänge ich mit Freunden zum Wochenende gerne im „100 Tage Sommer“ in Brunn am Gebirge oder in Wien am Donaukanal ab. Da ist es dann auch wieder lustig. Man soll immer daran denken: Das Leben genießen. Zug um Zug.“ Da kann man Lukas Kettl nur zustimmen.

Original erschienen 2018

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