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Lachen versüßt das Leben

23.06.2021

Das Schicksal hatte bei Katharina Cerveny besonders hart zugeschlagen: 17 Operationen gab es nach einem Autounfall bisher für sie. Ihre Lebensfreude ließ sie sich dennoch nicht nehmen. Die gelernte Verkäuferin blühte in ihrer Trafik erst richtig auf.

Die Lage der Trafik Cerveny ist eigentlich eine gute. Sie befindet sich an der Kreuzung Weidlinger Straße 35 in Klosterneuburg, und alle Fußgängerübergänge führen direkt zusammen. „Die Trafik gibt es schon sehr lange, und sie lebt vor allem von der Stammkundschaft“, erklärt Katharina Cerveny. 
Und die wartet oft schon geduldig um 6 Uhr vor der Trafik: „Da kommen die ersten Gemeindearbeiter zu uns. Später dann gehen viele einkaufen und holen sich auch bei uns einiges ab. Ich kenne unsere Kundinnen und Kunden genau, und wenn jemand einmal länger nicht kommt, reserviere ich ihm seine Lieblingszeitschriften. Manche kommen erst drei Wochen später. Aber die Magazine liegen da. Bisher hat sie jeder mitgenommen. Ich lag also immer richtig.“

Lachen

Dass sich die Menschen bei Frau Cerveny und ihrem Mann Wolfgang wohlfühlen, merkt man. Es wird Schmäh geführt und viel gelacht. Da kann es dann leicht sein, dass ein Kunde fast vergessen hat, weshalb er eigentlich in die Trafik gekommen war. „Einer bestellte einmal Gratisparkscheine, die ich ihm aufs Pult legte. Als wir eine echte Hetz hatten und eine Weile miteinander plauderten, sagte er dann: ,Und was kosten die jetzt?‘“ Erneutes Auflachen in der Trafik! Noch immer sorgt die Geschichte für Heiterkeit, wenn sie für die Umgebung erzählt wird. „Oder ein anderes Mal wollte jemand billige Rubbellose kaufen: gebrauchte – um den halben Preis!“ Wieder lautes Lachen. Das schlagfertige Ehepaar hat auf Abruf einige Anekdoten auf Lager. Man merkt, wie gut sie miteinander harmonieren. „Gelacht wird immer bei uns. Auch zu Hause.“

Weniger lustig ist allerdings der Unfall von Katharina Cerveny gewesen. Es war eine Unaufmerksamkeit, die ihr ganzes Leben veränderte. Und nicht einmal sie selbst war daran schuld! „Ich war damals mit einem Arbeitskollegen im Auto als Beifahrerin unterwegs. Er fuhr viel zu schnell die Autobahnabfahrt hinein und wir überschlugen uns. Resultat: Halswirbelbruch! Und das mit 21 Jahren! Meine Tochter Stefanie (jetzt 31 Jahre) war damals nicht einmal zwei Jahre alt.“

Schmerzen

Zwischen 1989 und 2009 musste Frau Cerveny 17 Operationen über sich ergehen lassen. Sie spricht ohne Groll. Nimmt es mittlerweile gelassen. „Sitzen kann ich gar nicht lange, dann spüre ich jede kleinste Bewegung. Ich muss immer ein Mittelding zwischen Stehen und Kauern finden.“ Und wenn das Wetter umschlägt, kann die Migräne so stark werden, dass die Trafikantin im Bett bleiben muss. „Meine Wirbelsäulenschmerzen waren einmal schon so stark, dass ich Morphium nehmen musste. Aber jetzt gibt es andere Medikamente.“ In Frühpension gehen wollte Frau Cerveny nicht. Sie hatte inzwischen drei Kinder, und die Pension wäre so gering gewesen, dass sie ihre Familie nicht über die Runden hätte bringen können. „Der Andi Tauchner und der Andreas Segner haben mir damals sehr geholfen. Bei Letzterem habe ich dann gearbeitet und alles gelernt. Wir sind jetzt noch sehr gut miteinander. Wenn etwas ausgeht, holen wir es schnell von ihm.“

Die kleine Trafik ist bestens sortiert: Von Billets über Schulsachen aller Art bis zu Uhu, Lotto und Ö-Ticket, Wasserpfeifen, Liquids und diverse Tabakspezialitäten ist alles vorhanden. „Bis auf Pfeifen. Für die schicke ich die Leute dann zum Andi Tauchner“, erzählt Katharina Cerveny über ihr Sortiment.

Stütze

Auf die neuen CBD-Liquids umzusteigen, daran ist Katharina Cerveny selbst sehr interessiert. Gegen ihre chronischen Schmerzen würde das gut helfen, erhofft sich die leidenschaftliche Zigarettenraucherin. Ihr Mann Wolfgang sei allerdings ihre große Stütze. Jetzt auch im Geschäft. Bis vor einigen Jahren hat er noch als Haustechniker der AUVA im Schichtdienst gearbeitet. Er konnte kaum noch schlafen. Das machte ihr Sorgen. Sie stellte ihn schließlich bei sich in der Trafik an. Jetzt sind die Arbeitszeiten mehr oder weniger geregelt. Zumindest dann, wenn sich nicht – wie erst kürzlich – ihre Mitarbeiterin den Arm bricht. Doch die Familie hält zusammen, und die zweite Tochter Melanie (26 Jahre) springt ein. „Sie ist Kindergärtnerin beim Land und Springerin. Das heißt, sie wird nach Bedarf eingesetzt und kann die übrige Zeit bei uns aushelfen, wenn es nötig wird.“

Hilfsbereit ist man bei der Familie Cerveny allemal. Nicht nur untereinander. Sohn Fritzi (24 Jahre) ist Mitarbeiter in der AUVA und Feuerwehrmann. Kürzlich stockte ihm bei einem Einsatz fast der Atem: „Wir kommen hin und sehen einen schwarzen Mazda mit einer verletzten blonden Frau. Ich dachte im ersten Moment, dass das meine Schwester Melanie sein könnte. War sie Gott sei Dank nicht!“, gibt sich Fritz Cerveny heute noch erleichtert. 

Willkür

Zusammen hält die Familie auch, wenn es um die Willkür der Klosterneuburger Stadtverwaltung geht: „Wissen Sie, gebaut wird hier wie verrückt. Überall entstehen riesige gesichtslose Bauklötze, aber wir dürfen nicht einmal eine Lotterie-Leuchtreklame an der Fassade anbringen. Es verschandle angeblich das Gesamtbild! Das verstehe ich wirklich nicht! Jeder hat so etwas. Nur für unserer Trafik geht das nicht? Abends sieht man uns nicht. Das ist reine Schikane!“, ärgert sich Katharina Cerveny.

Doch man lässt sich durch Zorn nicht das Leben vermiesen. Besprochen wird alles beim gemeinsamen Mittagessen: „Ein gutes Menü hat gleich in der Nähe das Hotelrestaurant Anker. Wir haben mittags zwei Stunden geschlossen und gehen die Woche über dorthin essen. Manchmal kommt eines der Kinder dazu. Auch mein Mann hat drei Kinder aus der vorherigen Ehe mitgebracht. Wir sind also eine richtig große Familie.“ Kommt Sohn Franz, ist immer auch die Chihuahua-Hündin Cindy, der besondere Liebling von Frau Cerveny, mit dabei. Wenn sie am Sonntag oft für ihre Lieben kocht, fällt für Cindy selbstverständlich etwas ab. „Sonst habe ich so viel Arbeit, dass ich mich nicht noch abends an den Herd stelle. Da gibt es nur etwas kleines Kaltes. Das reicht uns.“ Für den Sonntagmittag darf sich dann eines der Kinder eine Lieblingsspeise wünschen. Denn: Bei Mama schmeckt’s halt am besten!

Original erschienen 2018

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