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Die Umsatzverluste der diversen Lockdowns für den terrestrischen Handel nehmen längst bedrohliche Größenordnungen an. Immer häufiger wird eine Evaluierung der Medizin "Lockdown" gefordert - möglichst, bevor sie ihren Patienten getötet hat ...

Lockdown Nr. 4: Bittere Medizin mit starken Nebenwirkungen

02.04.2021

Der beschönigend „Osterruhe“ genannte vierte Lockdown bedeutet für den Einzelhandel zumindest € 440 Mio. weniger Umsatz - aber nur, wenn am 11. April wirklich wieder aufgesperrt wird.

Der stationäre Non-Food-Einzelhandel hat sich kaum von den Lockdowns #1, #2 und #3 erholt, da kommt bereits die vierte Auflage im Osten Österreichs. Der Einzelhandel in den Bundesländern Burgenland, Niederösterreich und Wien erzielt knapp die Hälfte der österreichweiten Umsätze.
Die neuerlichen Geschäftsschließungen (mit Ausnahme der Grundversorgung) in der Ost-Region verursachen im stationären Einzelhandel durchschnittliche Umsatzverluste in Höhe von rd. € 55 Mio. (brutto) pro Tag. Durch die verordnete „Osterruhe“ von 1. bis 10. April im Burgenland, in Nieder-österreich und Wien können die (geschlossenen) Einzelhandelsgeschäfte (saisonübliche) Umsätze in Summe von rd. € 440 Mio. nicht erzielen.

Szenarien zu Lockdown #4 gehen von noch höheren Umsatzeinbußen aus

Die Diskussionen zu möglichen (weiteren) Geschäftsschließungen nach Ostern halten an. Szenario-analysen können einen Einblick zu (hypothetischen) Ausgestaltungen des Lockdowns #4 liefern:

Szenario 1: Lockdown #4 in Ost-Österreich bis Ende April
Die Diskussionen, den neuerlichen Lockdown über den 11. April hinaus zu verlängern, reißen nicht ab. Wenn der stationäre Non-Food-Einzelhandel im Burgenland, in Niederösterreich und in Wien (bis auf die Grundversorgung) vom 1. bis 30. April schließen müsste, ist mit Umsatz-verlusten in Summe von rd. € 1,4 Mrd. (brutto) zu rechnen.

Szenario 2: Lockdown #4 kommt nach Ostern in allen Bundesländern
Durch die Geschäftsschließungen im April verliert der stationäre Non-Food-Einzelhandel in Ost-Österreich pro Tag rd. € 55 Mio. Sollte der Lockdown auf die weiteren Bundesländer ausgedehnt werden, entgehen dem Einzelhandel rd. € 115 Mio. pro Tag an dem die Geschäfte schließen müssen. Lockdown #4 ist bereits am 1. April im Burgenland, in Niederösterreich und in Wien in Kraft getreten. Unter der (hypothetischen) Annahme, dass die weiteren Bundesländer nach Ostern (ab 12. April) folgen, wäre bis Ende April mit Umsatzverlusten im Einzelhandel österreichweit in Höhe von rd. € 2,4 Mrd. (brutto) zu rechnen.

Die Auswirkungen des (bereits in Kraft getretenen) Lockdowns #4 für das Burgenland, Niederösterreich und Wien und der (hypothetisch) möglichen Szenarien auf die Umsätze im stationären Non-Food-Einzelhandel sind in folgender Grafik nochmals dargestellt.

„Pest oder Cholera“ mit letalen Nebenwirkungen 

Dem Handel wird nun zum vierten Mal die bittere Medizin verabreicht. Unklar bleibt nur, wie viel davon. Das wiederholte reflexartige Zusperren des stationären Non-Food-Einzelhandels hat die bekannten Nebeneffekte, die über millionenschwere Verluste hinausgehen – egal welches unserer dargelegten Szenarien schlagend wird. Eine „Alternative“ zum Lockdown steht mit verpflichtenden Eintrittstests schon im Raum. Das „Hineintesten“ in den Handel wird jedoch weitere Kollateralschäden im Handel verursachen. Die Händler*innen sehen sich hierdurch mit einer betriebswirtschaftlichen „Pest oder Cholera“-Perspektive konfrontiert.

Lockdowns und Zutrittstests tragen zur schleichenden Entwöhnung der Konsument*innen vom ladengebundenen Einkauf bei. Gleichzeitig kommt es zur alternativlosen Umleitung der Kaufkraft in Richtung Online-Handel. Es gibt kaum einen Wirtschaftssektor, der unser tägliches Leben so sehr beeinflusst, wie der Einzelhandel. Ändert sich der dominierende, stationäre Einkaufskanal durch wiederholtes Aus- und Einschalten, wird sich auch unser Leben verändern.

Spätestens jetzt bei der vierten Auflage des großflächigen Zusperrens des stationären Handels sollte wie bei jedem Medikament gründlich wissenschaftlich getestet werden, ob die heilende Wirkung der Lockdowns größer ist als die fatalen und in weiterer Folge letalen Nebenwirkungen auf unseren Handel und damit auf unsere Gesellschaft. Klar ist für den Handel jetzt schon, diese Medizin wird genauso bitter schmecken, wie beim ersten Mal.

IHaM Institut für Handel, Absatz und Marketing der Johannes Kepler Universität, Linz

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