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„Alles ist möglich – Lotto“ – dieser Slogan klingt für Trafikanten nun wie blanker Zynismus. Auch die Führungsgremien hatten sich scheinbar nicht vorstellen können, dass die langjährige gute Zusammenarbeit derart trocken gekippt werden könnte.

Lotto: Bald 60 Prozent mehr Annahmestellen

26.07.2012

Die Österreichischen Lotterien stellen künftig auch Spielterminals in Tankstellen, im Lebensmitteleinzelhandel und bei Filialisten auf. Ob deswegen in Zukunft mehr Lotto gespielt werden wird oder sich ein gleichbleibender Kuchen lediglich auf eine größere Zahl von Essern verteilt? Bundes- und Landesgremien kochen vor Wut, stehen aber offenbar vor vollendeten Tatsachen.

Ab Jänner 2013 ersetzen die Österreichischen Lotterien die  Miniterminals in ihren Vertriebsstellen durch Micro-Terminals der neuesten Generation. Der Austausch sei notwendig, da die Geräte bereits vor zehn Jahren installiert wurden und somit das Ende ihres Lebenszyklus erreicht hätten.  Ab Oktober 2012 werden je 25 Geräte der neuen Generation in Wien und Linz im Probebetrieb laufen, bis Jahresmitte 2013 soll die Umrüstung flächendeckend abgeschlossen sein.

Mehr Anbieter für Lotto
Allerdings wird das Netz nicht nur erneuert, es wird auch spürbar – und für die Trafikanten auch schmerzhaft – von bisher knapp 3.800 (davon rund 2.700 Tabakfachgeschäfte) auf gut 6.000 Annahmestellen vergrößert. Bisherige Verkaufsstellen für Brief- und Rubbellose werden damit zu vollwertigen Spielanbietern aufgewertet, bei denen künftig auch sämtliche Wettscheinspiele wie Lotto, EuroMillionen, Toto, Zahlen-lotto, Joker, Bingo und ToiToiToi gespielt werden können.

„Drei Semmerln und vier Quicktipps mit Joker, bitte.“
„Zapfsäule drei, zwei Pall Mall und einen Wettschein EuroMillionen.“ An solche und ähnliche Bestellungen wird man sich bald gewöhnen müssen, wenn es nach dem Willen der Lotterien geht. Die dortigen Verantwortlichen argumentieren mit notwendigen Vertriebsverbesserungen: In einer repräsentativen Umfrage des Market-Institutes hätten etwa drei Viertel aller Lottospieler erklärt, sie würden gelegentlich nur deshalb nicht Lotto spielen können, weil keine geöffnete Annahmestelle erreichbar sei. Für jeden zweiten Befragten wäre deshalb eine näher gelegene und länger geöffnete Annahmestelle wünschenswert. Warum haben Trafiken auch nicht einfach 24 Stunden pro Tag geöffnet?

Danke für die geleistete Aufbauarbeit
– aber jetzt brauchen wir euch nicht mehr. So empfinden die Trafikanten das Vorgehen der Lotterien, nachdem sie über Jahre zu steigenden Umsätzen beigetragen und als wichtige Partner den Jugendschutz im Glückspiel maßgeblich verbessert hatten.

Weitere Gespräche, aber trübe Aussichten
Ein am 3. Juli einberufenes Krisengespräch mit Vertretern von Trafikanten, Lotterien, Monopolverwaltung, Behindertenverband und Finanz endete ohne konkrete Ergebnisse, eine zweite Gesprächsrunde wurde für den 12. Juli anberaumt.

Allerdings fehlt jegliche rechtliche Handhabe, wie NÖ-Landeschefin Karanz in der Hauspostille „Filterlos“ selbst zugibt: „Das Schlimmste an der Situation ist die Hilflosigkeit, mit der wir dieser Katastrophe gegenüberstehen.“ Der oberösterreichische Landesvize Franz Huber klingt ähnlich: „Lotto zeigt uns die lange Nase und glaubt, es kann mit uns machen, was es will – und hat unglücklicherweise auch noch recht damit.“

Für die künftigen Lotto-Umsätze auf Trafikantenseite sieht es nicht gut aus.
(mh)

Autor/in:
Redaktion Trafikantenzeitung
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