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"Mal sehen, ob sich die Industrie traut ..."

19.02.2014

Die aktuelle Ausprägung der Tabaksteuer über das Abgabenänderungsgesetz 2014 wirft zahlreiche Fragen auf – nicht zuletzt, ob die Industrie die höhere Steuer in vollem Umfang in die neuen Preise einfließen lassen wird. Wir haben Bundesgremialobmann KR Peter Trinkl nach seiner Sichtweise gefragt. (mh)

Trinkl: "Bei der Preisgestaltung wären mehr Mut und Fantasie von Seite der Industrie nötig ..."

Welche Auswirkungen der Tabaksteuer sehen Sie kommen?

Der Staat nimmt sich über die Steuer mehr als je zuvor. Wobei man dazu sagen muss, dass die Kunden die damit einhergehenden Preissprünge vermutlich akzeptieren würden. Die Frage ist nur, ob sich die Industrie das auch traut!

 

Um welchen Betrag sollte der Preis einer Zigarettenschachtel denn steigen?

 Ein Plus von 20 cent wäre die ideale Lösung – da bleibt dann auch was übrig. Und zwar über alle Segmente hinweg. Denn bei den niedrigpreisigen Zigaretten verdient hauptsächlich der Staat, Trafikanten und Industrie hingegen am oberen Preissegment. Früher hatten wir eine Drittelung des Marktes: ein Drittel billige, ein Drittel mittelpreisige und ein Drittel Premiumzigaretten. Inzwischen macht das Billigsegment unter 4 Euro mehr als die Hälfte aus. Daran hat auch die Industrie mitgewirkt – zur Marktfreigabe 1995 wurden viele ehemalige Premiummarken preislich unnötig tief angesiedelt und das spürt man bis heute.

 

Was passiert, wenn die Industrie nun übervorsichtig in ihren Preisanhebungen ist?

Die Hungerperiode dauert nun schon Jahre und zeigt längst Folgen für die Trafikanten. Bei vernünftigeren Spannen wären Dinge wie der Solifonds nicht nötig gewesen. Durch nicht erfolgte Preisanhebungen sind rund 30 Millionen Euro pro Jahr alleine an Steuern nicht lukriert worden. Mich wundert dabei aber auch, wie fantasielos die Branche ist. Denn angesichts der öffentlichen Diskussion über Steuererhöhungen bei Sekt und Tabak hätte man eine kleine Preisanhebung von 10 cent durchaus schon zum Jahreswechsel vorziehen können. Dann hätte man bis 1. März etwas besser verdient und die eigentliche Erhöhung zu diesem Datum wäre mit weiteren 10 cent im vom Kunden leicht akzeptierten Bereich geblieben.

 

Wie kommentieren Sie den harten Anstieg in der Feinschnitt-Besteuerung? Besteht durch zu hohe Feinschnitt-Preise nicht die Gefahr, dass die Kunden abwandern?

 

Wenn ich diese Angst habe kann ich mich ja gar nicht mehr bewegen! Es ist klar, dass das Steuermodell den Preis für Feinschnitt bewusst nach oben treibt – quasi als Präventivaktion, um deutsche Verhältnisse zu vermeiden. Der Feinschnitt ist ein Geschäft für Trafikanten, aber bisher kein sehr gutes für den Finanzminister. Natürlich ist der Hauptkunde für Feinschnitt der Stopfer – und der schaut sehr auf den Preis. Hier muss die Industrie abwägen, wie hoch die Preissprünge werden dürfen, ohne dass die Kunden wegbleiben.

 

Wie sieht es bei Ihrem Lieblingsthema der Spannenerhöhung aus?

Hier gibt es unterschiedliche Ansätze. Bei der ersten Möglichkeit – einer Preiserhöhung, welche die Steueranhebung absorbiert und Zuwächse ermöglicht – gewinnen alle Beteiligten. Oder wir spielen „Alle gegen alle", wenn die Industrie mit zu niedrigen Preisen nicht nur für sich selbst auf Umsätze verzichtet.

 

Eine letzte Frage noch: Mit welcher Höhe des WAP rechnen Sie?

Nach 4,04 Euro im Vorjahr schätze ich, dass der WAP heuer so bei 4,18 Euro liegen wird. Den offiziellen Wert erfahren wir aber erst mit 1. April – also nachdem die Industrie die Preise angehoben hat.

Autor/in:
Redaktion Trafikantenzeitung
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