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Die Hongkong-Chinesin Chan hatte die WHO 10 Jahre geführt. Bei Epidemien hatte die Organisation versagt, der Kampf gegen den Tabak war wichtiger.

Neuer Chef der WHO gewählt

23.05.2017

Nach 10 Jahren und einer äußerst ambivalenten Bilanz entbrannte in der Weltgesundheitsorganisation der Kampf um die Nachfolge der Anti-Tabak-Kreuzritterin Margaret Chan. Nun rückt ein Äthiopier in den Chefsessel nach.

Der Brite Nabarro, der Äthiopier Adhanom und die Pakistani Nishtar rittern um die Nachfolge an der Spitze der schwer reformbedürftigen WHO.

Viel Geld war unter Chans "Regentschaft" in den Kampf gegen den bösen Tabak gesteckt worden. Rund 200 Mio. Dollar jährlich flossen in Reisekosten - nicht nur, aber auch, damit die Chefin bei einem Afrikabesuch in der Präsidentensuite logieren konnte. Im Vorjahr gab die WHO rund 71 Millionen Dollar für die Bekämpfung von Aids und Hepatitis und rund 61 Millionen für Malaria aus. Rund 450 Millionen Dollar werden pro Jahr in die Bekämpfung von Polio investiert.

Den Ebola-Ausbruch 2014 hatte die WHO jedoch völlig verschlafen und bestenfalls unzureichend reagiert: Während tausende Menschen starben überließ die gut dotierte Weltgesundheitsorganisation den Großteil von Arbeit und Risiko der NGO "Ärzte ohne Grenzen", ohne deren Arbeit die Opferzahlen wohl noch viel höher ausgefallen wären.

Kampfabstimmung um den Chefsessel

Bislang war die Nachfolge traditionell im Vorfeld geklärt und ein Kompromisskandidat zur Wahl gestellt worden. Davon konnte diesmal keine Rede sein: Mit dem äthiopischen Ex-Gesundheits- und Außenminister Tedros Adhanom Ghebreyesus, der pakistanischen Kardiologin und dem britischen Arzt und UNO-Berater David Nabarro ritterten gleich drei Kandidaten um den Spitzenposten der WHO. Alle drei brachten sehr unterschiedliche Voraussetzungen mit: Der Äthiopier ist kein Arzt, bringt jedoch viel Organisationserfahrung mit, die Pakistani ist Medizinerin ohne Seuchenerfahrung, der Brite ist in der WHO am tiefsten verwurzelt. Gerade das wude ihm möglicherweise zum Verhängnis, soll die Organisation doch gründlich reformiert werden. Der Kampf wurde jedenfalls mit harten Bandagen und teils regelrechten Schmutzkampagnen geführt.

Als Gewinner der geheimen Abstimmung in Genf ist nun Tedros Adhanom Ghebreyesus der erste Afrikaner, der für 10 Jahre die Weltgesundheitsorganisation führen soll. Tedros hatte versprochen, sich für eine bezahlbare Gesundheitsversorgung für jeden Menschen auf der Welt einzusetzen, unabhängig vom Wohlstand. Er werde die WHO-Ressourcen so ordnen, dass die Organisation bei Krisen schnell reagieren und Reformen für mehr Transparenz und Effizienz fortsetzen könne.

Auswirkungen auf die Tabakbranche?

Ob und wie sich der Chefwechsel auf den Dauerdruck auswirken wird, den die Organisation auf Raucher und Tabakbranche ausübt, bleibt jedoch völlig offen. Man darf davon ausgehen, dass die Sponsorverträge mit der (gut an Nikotinentwöhnungspräparaten verdienenden) Pharmaindustrie langfristig angelegt sind ...

 

 

Autor/in:
Matthias Hauptmann
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