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Direktor DI Friedrich Stickler: "Mir liegen die Trafikanten als langjährige Partner wirklich am Herzen ..."

„Niemand ist bei Lotterieprodukten so kompetent wie ein Trafikant …“

15.01.2014

Seit der Erweiterung des Netzes von Annahmestellen sehen sich die Lotterien in die Rolle des Bösen gedrängt. Unverdient, wie Vorstandsdirektor DI Friedrich Stickler im Gespräch meint. 

Welches Potenzial sehen Sie für ein weiteres Wachstum der Menge abgegebener Tipps?

 

Wir sind bei den allermeisten Spielen beim Maximum angelangt. In vielen europäischen Ländern ist schon ein Rückgang bei Lotteriespielen ganz allgemein zu beobachten – und in Krisenländern ist diese Tendenz weiter verstärkt.

 

Kommen wir zur Erweiterung des Netzes der Annahmestellen. Was waren die Gründe für die Lotterien, diese zu betreiben?

 

Es war primär eine technische Notwendigkeit, weil die bisherigen Miniterminals „abgespielt“ waren und nicht in Echtzeit mit dauerhafter Onlineanbindung liefen. Dazu kommt, dass die neuen Annahmestellen bereits als Vertriebspartner für Instantprodukte existierten – sie wurden ja nur aufgewertet. Von den 2.200 Instant-Annahmestellen haben wir nur 1.600 umgestellt – wir haben also 600 bestehende Vertriebsstellen nicht umgestellt. Dieses Entgegenkommen wurde ebenso kleingeredet wie unsere Bereitschaft, Tankstellen und Postämter nur Quicktipps annehmen zu lassen.

Ein weiterer Grund liegt in den geänderten Konsumgewohnheiten: Viele Menschen rauchen nicht mehr oder gehen nicht in die Trafik. Das Wiedergewinnen dieser Lotteriekunden sowie die Gewinnung von Neukunden können daher auch nicht nur über die Trafiken funktionieren.

 

Die gerne unterstellte Gier nach immer noch mehr Umsatz spielte also keine Rolle?

 

Die Zeiten des großen Wachstums bei Lotteriespielen sind vorbei. Dazu kommt, dass Lotto „6 aus 45“ kein junges Produkt mehr ist: Bei den Jackpots 1987 sind die Leute noch rund um den Westbahnhof angestanden, um einen Tipp abgeben zu können. Und wenn bei Euromillionen in der Startrunde 100 Millionen Euro zu gewinnen sind, sieht auch ein Lottojackpot im einstelligen Millionenbereich nicht mehr so attraktiv aus.

 

Wie sehen die Ergebnisse der Evaluierung aus?

 

Im Vergleichszeitraum der Kalenderwochen 28 bis 47 hatten wir als Lotterien durch das Fehlen von umsatzträchtigen Jackpotrunden ein Minus von 15 Prozent bei allen Wettscheinspielen. Ein Trafikant mit einem Minus von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr hat also ein individuelles Minus von 10 Prozent. Die gemeldeten Rückgänge von 40 Prozent und mehr konnten aber nicht bestätigt werden.

 

Welcher Wind weht den Lotterien denn in der Praxis entgegen? Wie sind zum Beispiel die Rückmeldungen vom Außendienst?

 

Wir haben über unseren Außendienst eine ganz andere Wahrnehmung der Stimmung, als das bei Stammtischen und von den Spitzen des Bundegremiums gerne vermittelt wird. Die Lotterien haben langjährige und sehr gute Kontakte zu den allermeisten Landesgremialobfrauen und -männern. Leider nicht zu allen – und von diesen wenigen wird schlechte Stimmung herbeigeredet und -geschrieben.

 

Gibt es Überlegungen, wie die Trafikanten als Partner der Lotterien wieder aufgewertet werden können?

 

Zur Förderung der Trafikanten haben wir zwei Ansätze: Einerseits haben wir ein Verkaufsförderprogramm ins Leben gerufen, das die wichtige Bindung der Lottospieler an ihre/n Trafikant/in stärken soll. Ein nochmals weitergehendes Projekt stellt die Idee des „Lotteriefachgeschäftes“ dar: Niemand hat so viel Erfahrung und Kompetenz bei Lotterieprodukten wie die Trafikanten! Hier bietet sich eine Chance, sich mit hoher Beratungsqualität und großer Servicezufriedenheit bei den Kunden zu profilieren. Das betrifft nicht nur Lotto, sondern auch das runderneuerte Toto, das nun für Spielgemeinschaften ideal ist. Die Umsetzung wäre zudem rasch möglich. Ich lade die Trafikanten deshalb ein, bei der Erarbeitung dieses Konzepts mit uns zusammenzuarbeiten. Wir wollen ja, dass dieses Projekt dann auch praxisgerecht umgesetzt werden kann. Denn uns sind die Trafikanten als langjährige und künftige Partner sehr wichtig, auch wenn von einigen wenigen das Gegenteil behauptet wird.

 

Das vollständige Interview finden Sie in der Druckausgabe Dezember 2013 der Trafikantenzeitung. (mh)

Autor/in:
Redaktion Trafikantenzeitung
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