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Novomatic nun größter Anteilseigner der Casinos Austria

27.07.2015

Die ÖIAG-Nachfolgeorganisation ÖBIB hätte nach dem Wunsch von Finanzminister Schelling verstärkt in die Casinos Austria AG einsteigen sollen. Stattdessen kauft sich nun Novomatic im großen Rahmen ein und überflügelt den Staat.

Der erste Verkauf von Casinos-Anteilen passierte durch Ex-Finanzminister Pröll, ...
... was seinen Parteikollegen und aktuellen Finanzminister Schelling nicht freuen kann.

Die Idee wäre jene gewesen, den zersplitterten Streubesitz an den Casinos Austria, die ihrerseits wiederum als Teil einer ebensolchen Struktur Anteile an den Lotterien halten, verstärkt auf den Staat zu bündeln (siehe Trafikantenzeitung 6/2015). Und diese dann gewinnbringend zu verkaufen.

Die mit dieser Absichtsbekundung losgetretene Lawine ließ nun einen neuen Player aktiv werden: die Novomatic. Die vollen Kassen des niederösterreichischen Automatenkonzerns erlaubten eine ausgedehnte Einkaufstour. Erst kürzlich hatte man den eigenen Anteil an den Lotterien von acht auf 18 Prozent aufgestockt.
Nun war die Mutter Casinos Austra AG dran: Als erster Erfolg wurde eine Einigung mit der Leipnik-Lundenburger Invest Beteiligungs AG (LLI) kommuniziert. Diese hält bislang 29,6 Prozent an der Medial Beteiligungs GmbH und somit einen Anteil von 11,34 Prozent an der Casinos Austria AG. LLI-Generaldirektor Josef Pröll spricht von einer Strukturbereinigung: "Wir wollen uns strategisch klar auf Geschäftsfelder und Märkte im Agrar- und Lebensmittelbereich konzentrieren." Über den vereinbarten Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Das war erst der Anfang
Die Anteile der MTB Privatstiftung in Höhe von 16,8 Prozent der Casinos Austria erhöhten den Novomatic-Besitz bereits auf 28,14 Prozent. Mit einem weiteren Einkauf überholte der Automatenriese nun den Staat, der über die ÖBIB 33,2 Prozent am Glückspielkonzern hält: Die Uniqua Insurance Group verkaufte ihren 29-Prozent-Anteil an der Medial Beteiligungs GmbH, was weitere 11,4 Prozent der Casinos-Austria-Anteile in Richtung Novomatic verschob. Die Niederösterreicher halten somit 39,54 Prozent der Casinos Austria und sind damit größter Anteilseigner.

Retourkutsche?
Für die Novomatic steht damit das Tor in klassische Casino- und Wettscheinspiele weit offen, was auch strategisch Sinn ergibt: Schließlich ist der Spielautomatenanbieter vom Automatenverbot in Wien stark getroffen worden.
Pikant ist dabei, dass der Verkäufer der ersten Anteile just ein ehemaliger Finanzminister ist, der seinem jetzigen Amts- und Parteikollegen fest in die Suppe spuckt.

Anteile wurden zu teuer
Die ÖBIB steht nun vor dem Problem, dass das Bieterinteresse die Preise steigen lässt - die Idee, den Streubesitz günstig ein- und teurer wieder zu verkaufen, ist gescheitert. Das gibt die ÖBIB auch in ihrer Presseaussendung zu: "Die nun gebotenen und deutlich höheren Kaufpreise wären für die ÖBIB auf Grund ihrer öffentlichen Verantwortung und Sorgfaltspflicht sowie mangels einer rechtlichen Grundlage für die Zahlung einer Prämie nicht darstellbar gewesen."
Man sieht aber auch positive Seiten: "Die Bewertung des Marktes, die über den Wertgutachten liegt, hat bereits zu einer Wertsteigerung der Casinos Austria AG und somit auch der von der ÖBIB gehaltenen Anteile geführt. Die ÖBIB wird auch in Zukunft, unabhängig von möglichen strategischen Partnern, wesentlichen Einfluss ausüben. Ob die ÖBIB selbst in die Angebote einsteigt, wird in den nächsten Wochen geprüft."
Angesichts des rasenden Tempos, mit dem die Novomatic einkauft, sollte sich die ÖBIB mit der Entscheidung nicht mehr allzu viel Zeit lassen: Mittlerweile sind die verfügbaren Anteile nicht mehr so zahlreich - die Medial Beteiligungs GmbH hält noch 15,6 Prozent, der Streubesitz in Höhe von 11,7 Prozent ist nicht mit einem Schlag zu erwerben. Schluckt die Novomatic auch noch die verbliebenen Reste der Medial, so wäre sie mit 55,1 Prozent Mehrheitseigentümer der Casinos.

Auswirkungen für die Trafikanten?
Die Novomatic stockt ihre Anteile an den Lotterien sowie am Mutterkonzern Casinos Austria auf. Noch ist man nicht Mehrheitseigentümer - doch das muss nicht so bleiben.
Für das operative Geschäft der Trafikanten sind in naher Zukunft keine Auswirkungen zu erwarten. Langfristig darf man jedoch neugierig sein, ob und in welche Richtung sich diese umfangreiche Änderung der Eigentümerverhältnisse auswirken wird. Während viele einzelne Anteilseigner wenig Einfluss auf Produkte und Vertriebswege hatten sieht die Situation bei einem Großeigner schon ganz anders aus. Wir bleiben am Ball.

Quelle: APA

Autor/in:
Redaktion Trafikantenzeitung
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