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„Philip Morris missbraucht seine marktbeherrschende Stellung ...”

21.01.2013

Schon seit den ersten Informationen über zweiwöchentliche Lieferungen durch die Nummer eins auf dem österreichischen Zigarettenmarkt gärt es unter den Trafikanten. Das Bundesgremium sieht kein Problem und keine Veranlassung zum Handeln, es bleibt also einzelnen Betroffenen überlassen, für sich bessere Lieferfrequenzen auszuhandeln. Dies ist aber bei weitem nicht das einzige Problem, wie der Traiskirchner Trafikant Kevin Friedl ausführt. (Friedl, mh)

Eine wachsende Anzahl von Trafikanten murrt darüber, dass sie wie Befehlsempfänger behandelt werden: Immer schön alles unterschreiben, brav Bitte und Danke sagen und nett zu den Damen am Telefon sein, dann darf man sogar seine Bestellung aufgeben – wenn man es denn geschafft hat, endlich durchzukommen ...

Die Umstellung der Belieferung von wöchentlich auf alle zwei Wochen trifft sehr viele Kollegen – weit mehr, als ursprünglich angenommen wurde. Davon bin ich zwar nicht betroffen, unter der Kommunikation mit dem Marktführer leide ich aber trotzdem“, meint Kevin Friedl. „Der Stil, in dem hier mit uns umgegangen wird, ist unerträglich. Da heißt es ,Unterschreib den Abbucher, sonst kriegst du nix‘. Und damit sind wir auch schon beim ersten Problem, das vielen Kollegen gar nicht klar sein dürfte.“


Abbuchungsauftrag statt Einziehungsermächtigung

Friedl präzisiert: „Alle anderen Großhändler arbeiten mit einer Einziehungsermächtigung. Auch hier zieht der Verkäufer den Rechnungsbetrag vom Konto des Käufers ab. Der Riesenunterschied besteht jedoch darin, dass die Rückabwicklung eines Abbuchungsauftrags nur innerhalb von maximal zwei Tagen möglich ist, während man eine Kontobewegung auf Basis einer Einziehungsermächtigung rund zwei Monate lang beeinspruchen und problemlos rückabwickeln kann. Dazu kommt, dass eine Rechnungskontrolle bei Lieferung gar nicht möglich ist. Zur Lieferung gibt es nämlich nur den Lieferschein; die eigentliche Rechnung wird mit separater Post versendet. Im gar nicht so unwahrscheinlichen Fall, dass die Rechnung zwei oder mehr Tage nach der Lieferung und Abbuchung kommt, kann also nichts mehr gemacht werden.“

Formularverliebt
„Das ist aber immer noch nicht alles. Beim Abbuchungsauftrag akzeptiert PMI nämlich nur das eigene Formular – und sogar dieses muss den Stempel der Trafikantenbank tragen. Zwar gibt es dafür keine gesetzliche Grundlage, das scheint Philip Morris aber egal zu sein. Sie bestehen einfach darauf. Ich darf mich also auf den Weg machen, um mir während meiner Öffnungszeiten einige Ortschaften weiter einen völlig unnötigen Stempel abzuholen“, macht der Trafikant seinem Ärger Luft.

Kontrahierungszwang
„Wer die im nationalen Vergleich schlechtesten Konditionen aller Tabakgroßhändler nicht akzeptiert, wird nicht beliefert“, schildert Friedl. „Würde ein kleinerer Großhändler so mit seinen Kunden umgehen, so könnte er bald zusperren. Am Marktführer mit einem Marktanteil von 30 Prozent führt aber kein Weg vorbei – Chesterfield und Marl-boro muss man als Trafikant einfach im Sortiment haben. Und das weiß selbstverständlich auch Philip Morris. Hier sehe ich – und damit bin ich nicht alleine – eindeutig einen Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung. Und ich frage mich ernsthaft, wer die Geschäftsbedingungen von PMI im Finanzministerium kontrolliert und in dieser Form freigegeben hat. Dies ist im Tabakmonopolgesetz nämlich vorgesehen. Und genau dort steht unter Paragraf 8 auch, dass Großhändler einer Lieferverpflichtung für Bestellungen in üblichen Gebindegrößen unterliegen. Das schließt das Stellen von weiteren Bedingungen dezidiert aus.“

Werden wir veräppelt?
„Nicht das größte Problem, aber lästig und unnötig ist es, uns erst x-mal nach unseren Kundendaten zu fragen. Und uns dann erst recht wieder mit jenen Daten zu kontaktieren, die PMI offenbar von der Monopolverwaltung erhalten hat. Wollte man uns nur beschäftigen, weil uns sonst langweilig wird?
Aus meiner Sicht hat Philip Morris als Marktführer eine sehr gut funktionierende Zusammenarbeit mit tobaccoland gekündigt. Und agiert nun zwar peinlich amateurhaft, aber gleichzeitig selbstherrlich. So kann man die Nummer eins auch leicht wieder verspielen.“

Autor/in:
Redaktion Trafikantenzeitung
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