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Raucher: Gewinn- oder Verlustgeschäft für den Staat?

23.10.2013

Von den Tabakgegnern wird gerne betont, welch hohe Kosten dem Staat durch die Raucher entstehen. Ein genauerer Blick ergibt allerdings völlig gegenteilige Resultate. (mh)

Raucher leiden mit höherer Wahrscheinlichkeit an Atemwegserkrankungen und Lungenkrebs. Soweit herrscht Einigkeit. Wie sich dies ausschließlich finanziell betrachtet auf das Budget auswirkt, ist allerdings umstritten.

 

1. Raucher als Verlustgeschäft

Eine Studie des Helmholtz-Instituts München beziffert die durchschnittlichen Mehrkosten von Rauchern (30 Prozent der Bevölkerung) gegenüber Nichtrauchern (44 %) mit 700 Euro pro Jahr und Person. Man liegt mit dieser Kostenschätzung bis zu Faktor 2 über den Werten, die zu diesem Thema sonst veröffentlicht werden.

 

2. Differenziert betrachtet

Wissenschaftler des niederländischen Instituts für öffentliche Gesundheit und Umwelt rund um Pieter van Baal haben sich im Auftrag ihres Gesundheitsministeriums an eine Kalkulation gemacht. Das Ergebnis klingt zynisch: Gesunde, schlanke Nichtraucher sind für das Gesundheitssystem aufgrund ihrer Lebenserwartung am teuersten. Im Durchschnitt sterben nikotinfreie und schlanke Holländer mit 84 Jahren, Übergewichtige mit 80 und Raucher mit 77.

Selbst für ehemals gesunde Nichtraucher sind die gewonnenen Zeiten jedoch nicht unbedingt gesunde Jahre. Plakativ gesprochen werden „billige tödliche Erkrankungen“ wie Herzinfarkt oder Schlaganfall durch weniger schlimme, dabei aber in der Behandlung teurere Krankheiten wie Krebs, Arthritis, Parkinson oder Alzheimer ersetzt. Dies spiegelt sich in den Behandlungskosten pro Kopf wider: Auf die gesamte Lebenszeit berechnet, ergeben sich Behandlungskosten von 281.000 Euro für Schlanke, 250.000 für Übergewichtige und 220.000 für Raucher.

 

3. Raucher als Geschäft

Noch einen Schritt weiter geht Reiner Eichenberger, Wirtschaftsprofessor an der Schweizer Universität Fribourg: „Raucher leisten einen massiven finanziellen Beitrag an den Staat – sie leben sieben bis zehn Jahre kürzer als Nichtraucher und beziehen damit weit weniger Pension. Sie sterben vielleicht etwas teurer als Nichtraucher, wenn man die Kosten für Krebs-therapien ins Kalkül zieht, dieser Unterschied ist aber vernachlässigbar. Insgesamt gesehen sind Raucher für die Gesellschaft rein finanziell rentabler.“

Zur Info: Der Herr Professor ist Nichtraucher und war es immer. Ihm ein Naheverhältnis zur Tabakwirtschaft andichten zu wollen, funktioniert nicht.

 

Der Steuerfaktor

Sowohl niederländische als auch Schweizer Wissenschaftler stellen also schon beim bloßen Blick auf die medizinischen Behandlungskosten sowie Bezugszeiten von Alterspension fest, dass Raucher für den Staat ein gutes Geschäft sind. Doch selbst das Helmholtz-Zentrum gerät in Argumentationsnotstand, wenn man das Steueraufkommen der Raucher mit ins Kalkül zieht: Geht man von einem Durchschnittsraucher mit einem Päckchen pro Tag bei einem Packungspreis von 4 Euro aus, so bezahlt dieser Raucher über Tabak- und Umsatzsteuer im Jahr rund 1.100 Euro in die Kassa des Finanzministers. Womit sich selbst angesichts der hoch angesetzten kolportierten Mehrkosten für das Gesundheitssystem von 700 Euro ein Gewinn von satten 400 Euro pro Raucher und Jahr ausgeht.

 

Fazit

In seiner statistisch signifikant kürzeren Lebenszeit zahlt ein Raucher also deutlich mehr als ein Nichtraucher in die Staatskassen ein UND kostet die Gemeinschaft aufgrund verkürzter Zeiten von Pensionsbezug und Pflegebedürftigkeit deutlich weniger Geld. Ein besseres „Nettogeschäft“ ist kaum vorstellbar – Raucher sowie die gesamte Tabakbranche müssten sich also bei Finanzministern, die des Rechnens mächtig sind, größter Beliebtheit erfreuen.

Autor/in:
Redaktion Trafikantenzeitung
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