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Ein Bild aus besseren Zeiten: Wer 2017 am eigenen Messestand raucht oder dies seinen Kunden erlaubt, kann sich schon mal auf teuren Ärger mit Gesundheitsministerium und Messeveranstalter einstellen.

Salzburger Messe-Rauchverbot: Hintergründe & Reaktionen

20.04.2017

Die Bombe vom Rauchverbot auf der Tabak-Fachmesse ließ Veranstalter Reed Ende März unter den Ausstellern platzen. Die Branche überlegt seither, wie sie mit diesen unfreundlichen Vorzeichen umgehen soll.

Im September 2016 hatte ein Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums die Messe in Salzburg besucht und mit seiner Aussage für Unruhe gesorgt, das Rauchen im Rahmen der Messe sei illegal, weil es dem Nichtraucherschutz widerspreche. Die Begründung des Gesundheitsministeriums lautet kurz gefasst: „Trotz geschlossenen Teilnehmerkreises erfordert der öffentliche Charakter der Messe die volle inhaltliche Anwendung des Nichtraucherschutzgesetzes.“ Die Reed Messe Salzburg reagierte auf diese Nachricht: Im Hallenbereich selbst ist das Rauchen nicht gestattet, aber pro Messehalle wird es einen Rauchercontainer sowie zusätzliche Raucherlounges im Freien geben. 

Die Anbieter von Shishatabak, Cigarren und Zigarillos sind die Hauptleid­tragenden eines derartigen Verbots: Sie können ja schlecht jeden einzelnen Kunden vor die Halle oder in einen „Raucherkobel“ begleiten. Dass ein Cigarren­raucher sich für den oft mehr als einstündigen Genuss in einen von Zigarettenrauchern frequentierten Container stellt, ist aber ohnehin ausgeschlossen.

Branchenstimmen

Was ist auf Seite der Aussteller zu diesem Thema zu hören? Tobaccoland-Chef Manfred Knapp, traditionell mit dem größten Stand vertreten, meint dazu: "Wir sind derzeit in der Entscheidungsfindung, ob wir überhaupt teilnehmen sollen." Susanne Moosmayr sieht zwei Seiten des Problems: "Natürlich wollen wir, dass geraucht werden darf. Andererseits ist es auch falsch, deshalb gänzlich auf die Messe zu verzichten." Für Ralf-Wolfgang Lothert, Head of Corporate Affairs and Communication bei JTI, führt "ein absolutes Rauchverbot diese Fachmesse ad absurdum. Kein Hersteller und Besucher wird sich gerne mit jeder Kostprobe in eine Raucherkabine stellen wollen." Marktführer Philip Morris Austria ist pragmatisch: "Wenn es eine Messe gibt werden wir sicherlich auch an ihr teilnehmen." Pfeifenraucher und E-Zigaretten-Anbieter Peter Hauser: "Eine Tabakmesse ohne Möglichkeit zum Rauchen ist wie eine Weinmesse mit Alkoholverbot - unvorstellbar." M-Tabak-Chef Christian Mertl hat mit seinem Hersteller Rücksprache gehalten: "Landewyck hat aus mehreren Ländern bereits Erfahrungen mit rauchfreien Tabakmessen. Man muss halt abwarten, wie sich die Besucherzahlen entwickeln, um über die Sinnhaftigkeit einer derartigen Messe für 2018 zu entscheiden." House-of-Smoke-Chef Rainer Gunz ist - wie große Teile der Branche - noch unsicher: "Wir wägen derzeit noch ab, ob ein Messeauftritt für uns unter diesen Vorzeichen sinnvoll ist."

Der Wiener Landesgremialobmann und Bundes-Stellvertreter Andreas Schiefer hat vergeblich versucht, auf politischer Seite gegen das Rauchverbot für eine Ordermesse eines legalen Produktes zu agieren. Ihn stört, dass "sich die Reed Messe in vorauseilendem Gehorsam persönlich beim Kreuzritter gegen den Tabak ein Nein abgeholt hat. Aber es muss ja nicht sein, dass die Tabakmesse immer von Reed veranstaltet wird. Und ohne die Tabakbranche ist die `Creativ´ vermutlich in zwei Jahren Geschichte." Wer sich an die chronisch leeren Non-Tabak-Hallen des Vorjahres erinnert wird Schiefer wohl recht geben. Vermutlich sieht das auch Veranstalter Reed so: Parallel zur Creativ wird für den Herbst 2017 auch eine Trachtenmesse geplant - natürlich mit Rauchverbot.

 

Den vollständigen Artikel können Sie ab 26. April 2017 in der Printausgabe der Trafikantenzeitung nachlesen.

Autor/in:
Matthias Hauptmann
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