Direkt zum Inhalt

Schwerstgeburt

04.07.2008

20. Mai: Wird es am Ende des Tages eine vom Großhandel und der Industrie akzeptierte Werbeordnung geben oder nicht? Die Grossisten und Vertreter der Tabakkonzerne sind mehr als skeptisch, zumal sich hinsichtlich des zur Diskussion stehenden und in der Mai-Ausgabe der Österreichischen Trafikantenzeitung veröffentlichten Entwurfs schwerwiegende kartellrechtliche Bedenken aufgetan haben. Und zwar aufgrund der Festlegungen, daß a) die Werbemittelplatzierung den Großhändlern vorbehalten bleiben soll, womit Dritte sprich: die Industrie ausgegrenzt würden, und b) jeglicher Wett-bewerb auf dem Werbemarkt in Trafiken durch die Festschreibung der zulässigen Werbemittel, ihrer taxative Vergütung und ihres Verbleibs über eine Zeitspanne von 12 Monaten ausgeschaltet würde. Mit Gustav Moosmayr sitzt uns ein Trafikanten-Handelspartner gegenüber, der einerseits für British American Tobacco nur die Distribution besorgt, für die Firma Von Eicken hingegen darüber hinaus auch für Marketing und die Werbung zuständig ist. Ein im Vorfeld der entscheidenden Sitzung also geradezu idealesVis-a-Vis für die Erörterung derArgumente, warum sich Großhandel und Industrie so schwer tun, im nunmehr bereits dritten Anlauf dem Werbeordnungs-Entwurf ihr O.K. zu geben und welche Alternativen mit welchen Konsequenzen sich für den (schließlich ja eingetretenen) Fall einer Nicht-Einigung auftun.
Die Werbeordnung geht jetzt in die dritte Elefanten-Verhandlungsrunde. Einer der Knackpunkte liegt in der unscharfen Formulierung einzelner Punkte. Einerseits "bleibt der Verkauf und die Bewerbung ausschließlich dem monopolrechtlich legitimierten Großhändler vorbehalten", andererseits ist "der maximale jährliche Gegenwert pro Werbemittel, den der Großhändler und/oder Dritte für die Platzierung der einzelnen Werbemittel gewähren" taxativ festgelegt. Ist also jetzt die Industrie mit an Bord oder ist sie es nicht und woraus resultiert eigentlich diese Reserviert gegenüber den Marketing und Werbung betreibenden Industriestützpunkten hier in Österreich?

Diese ist meiner Meinung ein Entgegenkommen gegenüber dem Platzhirschen, um die bei ihm angesiedelten Industrieunternehmen dazu zu zwingen, Werbung nur über tobaccoland machen zu dürfen und das nicht zuletzt deshalb, um nach BAT das Abspringen weiterer Industriepartner hintanzuhalten. So bin ich für BAT nur der Auslieferer, während BAT-Austria die Marketing- und Werbeagenden wahrnimmt. Daß ihr das verboten wird, kann nicht sein. Und ich halte eine solche Marketing- und Werbestützpunktkonstruktion auch für richtig und sinnvoll, weil der Großhandel sich auf die Distribution konzentrieren soll.

Das ist richtig, für Von Eicken bin ich für beides zuständig. Aber ich glaube auch nicht, daß die Forderung nach einer Harmonisierung der Werbeordnungspunkte durch das Hereinnehmen von Dritten, also der Industrie, den Entwurf zu Fall bringt. Da wird man sich einigen können

Das wiederum glaube ich nicht. Ich selbst habe gegen ihn drei große Vorbehalte. Zum einen muß kartellrechtlich geprüft werden, ob man ihn so überhaupt unterschreiben darf, oder ob wir mit der Unterschrift nicht vielleicht automatisch vor dem Kartellrichter landen, was das Monopol in Gefahr bringen könnte. Und genau das wollen wir nicht! Weiters sollte man so glaube ich dem Vorschlag folgen, im Werbemittelvergütungskatalog weniger ins Detail zu gehen und statt dessen eine Gruppenaufteilung vorzunehmen. Schließlich ist die Industrie sicher nicht bereit, ihr Werbematerial und damit ihre Werbeideen im Vorfeld bekannt zu geben. Und auch aus unserer Sicht als Großhändler ist das Handling einer solchen umfangreichen Tarifliste administrativ problematisch und mühsam. Einer solchen Vergröberung würde ich durchaus das Wort reden, zumal ein Werbemittel, das Strom braucht, teurer bewertet werden muß als ein anderes und eine Werbung in der Auslage oder am Außenautomaten attraktiver ist als sonstwo im Geschäftslokal. Innerhalb einer solchen Gruppenaufteilung könnte man sich dann bewegen

Ist eigentlich einer die Trafikanten betreffender. Laut Monopolgesetz müssen alle gleich gestellt sein. Aber es ist nun einmal ein Unterschied, ob ich eine Werbung in einer Bahnhofstrafik platziere oder in einer frequenzschwachen Trafik im in diesem Zusammenhang immer wieder gerne zitierten "Hintertupfing". Dazwischen liegen allein schon von der Lokalmiete her Welten. Und da sind die Reibeflächen unter den Trafikanten bereits vorprogrammiert.

Ja, es war ursprünglich vorgesehen, die Werbeeinnahmen des Fachgeschäfts auf 500 Euro zu limitieren, wobei ein Großhändler davon maximal 400 Euro belegen hätte dürfen. Das wären 80 Prozent wenn dann noch ein zweiter kommt und die restlichen 100 Euro zahlt, wäre das Limit ausgeschöpft. Und wo bleiben dann die anderen? Das kann es nicht sein, daß die, die das meiste Geld haben, am Hebel sitzen und die anderen ausgrenzen. Das hat man eingesehen und damit ist die Deckelung auch gefallen.

Dieser sogenannte Kontrahierungszwang ist dem berechtigten Einwand zum Opfer gefallen, daß man in einer Trafik für etwas hätte werben müssen, was dort gar nicht nachgefragt und deshalb auch nicht im Sortiment ist.Das hätte vor allem die Braunware-Anbieter noch mehr unter Druck gestellt. Jetzt halten wir bei einer Regelung, etwas bezahlen zu können ohne zu müssen

Die Machbarkeit einer solchen Lösung würde meiner Ansicht nach nur über einen Fonds gehen wie beim Solidaritätsfonds. Und ob man diesem einen weiteren hinzufügen soll, lasse ich dahingestellt.

Wenn es hier zu keiner Einigung kommt, dann wird sich wahrscheinlich die Politik
darüber Gedanken
machen, wobei ich
an eine solche
Einmischung nicht glaube, sondern die Konsequenz wäre dann die Freigabe, der ja Finanzstaatssekretär Matznetter schon das

Wort geredet hat ich glaube sogar in Ihrem Blatt.

Das ist mir neu. Ich habe eher gehört, daß die Politik nicht an einer dirigistischen Lösung interessiert ist.

Da bin ich durchaus auf Trinkl-Linie, zumal mir auch der Außendienst meldet, daß Trafikanten sich nicht zuletzt auch aufgrund unserer guten Kontakte zu den Handelspartnern grundsätzlich durchaus dazu bereit erklären, eine schöne Werbung für ein gutes Produkt auch kostenlos zu platzieren.

Das wird sicher der Fall sein, beziehungsweise hat er ja bereits auf Basis des ersten Entwurfs eingesetzt.

Die wahrscheinlichste Lösung ist, daß der Katalog, wenn er zustande kommt, auf eine solche Vereinbarung, die während des vertragslosen Zustands geschlossen wurde, aufgerechnet wird.

Ich kann hier nur für mein Unternehmen sprechen, das gerade hinsichtlich der Zigaretten im Moosmayr-Vertriebsprogramm, also der Batton, Manitou, Tradition, Pepe, Walter Wolf, Ronhill, Excite, nicht unfroh darüber wäre, auch in kleineren Trafiken Werbung zur Marktanteilssteigerung machen zu können.

Einen massiven. Wenn man das alles mit Verträgen korrekt handhaben will, dann erfordert das sicher einen betrieblichen Mitarbeiter mehr.

Ich glaube nicht, daß es wegen der Werbeordnung zu einer Handelsspannendiskussion kommen könnte. Wenn, dann sicher aus anderen Gründen. Die Moosmayr GmbH hat mit Von Eicken eine Vereinbarung auch über die Marketing- und Werbeaktivitäten. Und in diesem Rahmen werden wir uns auch fortan bewegen. In Unkosten, werden wir uns nicht stürzen, sondern schauen, was machbar ist und was nicht.

An sich würde man es so habe ich Bundesgremialobmann Trinkl verstanden gerne sehen, wenn auch die Industrie zur Unterschrift bereit wäre.

Im wesentlichen, daß ich mit BAT eine Zusatzvereinbarung abschließen muß,

Vor allem einmal negative, weil um die guten Plätze ein Kampf mit einem gegenseitigen Hochlizitieren ausbrechen würde. Und eines darf sicher nicht passieren: Daß nämlich ein Trafikant aus der Platzierung von Werbemitteln und der Zurverfügungstellung von Werbeflächen mehr lukriert als aus dem Verkauf. Ich persönlich bin über die Möglichkeit entgeltlicher Werbung, wie sie das Trafikanten-Paket nunmehr vorsieht, nicht unbedingt glücklich. Mir hat das System, das ein Verbot bezahlter Werbung vorgesehen hat, besser gefallen. Aber der Zugang zum Markt muß frei sein.
Im Endeffekt im Bestellungsvertrag, der um die Bestimmung erweitert werden wird, daß sich der Trafikant an die Werbeordnung halten muß. Tut er das nicht, wird das monopolrechtlich gehandhabt, was wie bei anderen Delikten auch bis zur Kündigung des Bestellungsvertrags führen könnte. Welche Konsequenzen ein solches Sich-Gegenseitig-Überbieten für den Großhandel hätte, ist fraglich. Darüber steht eigentlich nirgends etwas nachzulesen.

Das würde sehr schnell und effizient über den Mitbewerb erfolgen.

Generell bin ich über ihn abgesehen von eu-rechtlichen Aspekten nicht unglücklich, weil es heute und ich betone heute für kleinere Anbieter äußerst schwierig wäre, den Branchengrößen paroli zu bieten. Allerdings hat sich heuer ganz deutlich erwiesen, daß dieser Mindestpreis strategisch manipuliert werden kann. Durch ein Hinaufsetzen der Preise über einen gewissen Zeitraum mit einem nachfolgenden Rückzieher. Mit dieser Taktik ist der seit 1. Mai gültige Mindestpreis nach oben korrigiert worden. Ohne dieses Spiel hätten wir einen von wahrscheinlich 3,30 Euro statt 3,35 Euro. Daß der Industriepartner in die Mindestpreisgestaltung eingreift ist meiner Meinung nach nicht ganz in Ordnung.

Nun, ich hoffe und rechne damit, daß 2011 die Nachbarländer annähernd unser Preisniveau erreicht haben

aufgrund der Marktgegebenheiten aber nicht mehr so weit davon. Natürlich ist es ein großes Manko, daß das Steuersystem innerhalb der EU auseinanderdriftet

Ich glaube allerdings, daß in diesen Ländern auch der Lohnniveautrend nach oben zeigt. Das merkt man ja jetzt schon.

Weil man aus dem Herbst 2007 Gott sei Dank gelernt hat. Einerseits haben die Medien der Zigaretten-Billigeinkaufsmöglichkeit jenseits der Grenze nicht mehr dieses Echo wie im Fall von Slowenien gewidmet, andererseits haben wir jetzt die 200-Stück-Einfuhrbeschränkung. Während die Trafikanten in der Steiermark und in Kärnten während des Zeitraums von Mitte August bis Ende Dezember des Vorjahres vielfach 60 Prozent Einbußen vermeldeten, gelang es diese in den oberösterreichischen Grenzregionen auf für die dort ansässigen Trafikanten sicherlich noch immer schmerzliche 20 Prozent zu reduzieren.

Ich sehe und ich sage das ganz offen keine Gefährdung des Monopols. Im Gegenteil, ich glaube, daß alle durchaus glücklich mit diesem System sind, das sich andere Länder wünschen würden. Lassen Sie mich dennoch grundsätzlich etwas dazu anmerken. Der Herr Bundesgremialobmann Trinkl sagt gerne: Wenn du dich nicht an die Regeln hältst, gefährdest du das Monopol." Diesen Ball muß ich allerdings zurückspielen. In den Auseinandersetzungen speziell mit BAT ließ er die nötige Gesprächsbereitschaft für das Finden einer gemeinsamen Linie ver

Autor/in:
Redaktion Trafikantenzeitung
Werbung

Weiterführende Themen

Produkte
20.02.2018

Seit 22. Jänner dieses Jahres ist eine Neuheit auf unserem Markt: der Winston Volumentabak in den Sorten Classic und Blue.

Der staatliche britische Gesundheitsdienst will die E-Zigarette als Alternative zum Rauchen fördern.
Meldungen
20.02.2018

Einmal mehr beweist eine Studie die minimalen Risiken von E-Zigaretten – diese werden in der öffentlichen Meinung überbewertet.

Bis Mai 2018 sollen gute Rahmenverträge mit Kaffeeanbietern für die Trafikanten abgeschlossen und das Heissgetränk freigegeben sein.
Meldungen
20.02.2018

Das Thema geistert schon länger durch die Branche. Nun haben MVG und WKO die Marschrichtung für die baldige Umsetzung im Detail dargelegt.

"Derzeit werden zahlreichen Produkte frei verkauft, die per Definition in die Trafiken gehören."
Meldungen
20.02.2018

Bundesgremialobmann Josef Prirschl  mit einem Ausblick auf die wichtigsten Themen 2018. 

Meldungen
20.02.2018

E-Zigaretten gibt es schon länger, Lutschsäckchen seit Kurzem. Doch welche Rolle spielen diese Produktgruppen?

Werbung