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Doch-nicht-Neotrafikant Robert Grandits hätte seiner Tochter gerne einen Job im Geschäft verschafft. Das Zigarettenregal bleibt aber leer.

Stinatz oder Die unendliche Geschichte

24.07.2017

Im Frühjahr 2017 hatten die Burgenländer schon medial wegen ihrer „Trafikschließung“ umgerührt. Mitte Juli 2017 bemühte man den ORF-Bürgeranwalt.

Die Trafikantenzeitung hatte in den Ausgaben März und April 2017 bereits berichtet: Die verbundene Trafik der 2.000-Einwohner-Gemeinde war mit November 2016 von ihrem Inhaber Robert Zsifkovits bei der MVG abgemeldet worden; mit Ende Februar 2017 war mit dem Kauf von Tabakprodukten Schluss.

Kurz davor wäre mit Hans-Jürgen Grandits ein Stinatzer als Nachfolger bereit gestanden, der die Verkaufsstelle zusammen mit der Lottoannahmestelle, einer Annahmestelle für eine Putzerei und der Post-Partnerschaft weitergeführt hätte. Eine Neuvergabe der verbundenen Trafik wurde von der Monopolverwaltung jedoch mit Blick auf die behinderte Inhaberin eines umsatzschwachen Fachgeschäfts im Nachbarort abgelehnt worden.

Protest im Ort

Die Lokalpolitiker hatten 600 Unterschriften für die Erhaltung der Trafik gesammelt und setzten politisch wie medial alle Hebel in Bewegung.

Im Rahmen des „Bürgeranwalts“ wurde das Problem auf ORF2 erneut aufgerollt. Unter dem Motto „Aufrechterhaltung der Nahversorgung“ wurde mit der hohen Zahl älterer Bewohner argumentiert, die mehrheitlich kein Fahrzeug besäßen und die Trafik im Nachbarort nicht erreichen könnten. Die Nahversorgung mit Lebensmitteln und Supermarkt-Artikeln wird jedoch durch einen ADEG-Markt sichergestellt; Zigaretten wären nach dem Plan der MVG über einen dislozierten Automaten zu haben gewesen.

Dies wollen die Stinatzer nicht. Wobei es ganz offensichtlich nicht um Tabakprodukte geht – viel mehr regt die Menschen auf, dass sie für ihre Post nun nach Stegersbach fahren müssen.

Keine Ahnung vom Monopol

Die Fernsehdiskussion brachte inhaltlich keine Neuigkeiten. Vielmehr bestätigte sie, dass weder Politiker, noch Journalisten ein realistisches Verständnis des  über 230 Jahre alten Tabakmonopols haben. Auch die argumentative Unterstützung von MVG-Chef Hannes Hofer durch KOBV-Präsident Michael Svoboda, der die sozialpolitische Aufgabe der Monopolverwaltung einmal mehr erklärte, änderte daran nichts.

Stinatz will eigentlich seine Poststelle zurück; wenn man dann auch wieder Zigaretten im Ort bekommt, umso besser. Doch diese spielen ganz offensichtlich eine Nebenrolle. Trotzdem versucht man mit allen Mitteln, Druck auf die Monopolverwaltung, deren Gestaltungsspielraum offenbar deutlich überschätzt wird, auszuüben. Politiker und Ex-Trafikant beklagen, dass gegen die „zu eigensinnige“ Entscheidung der MVG kein Rechtmittel möglich sei.

Das Problem

Die verbundene Trafik war schon vor ihrer Schließung kaum lebensfähig gewesen. Ohne den kleinen Beitrag der Tabakprodukte ist das Geschäft definitiv tot. Gegen einen neuen Ansatz für den bisherigen Gemeindetreffpunkt sperren sich die Beteiligten aber. Man möchte weitermachen wie in den vergangenen 70 Jahren – und die MVG soll gefälligst ihren Segen dazu geben.

Das kann die Monopolverwaltung angesichts ihres sozialpolitischen  Arbeitsauftrages nicht tun. Nicht zuletzt hatte man die Neuvergabe der Tabakverkaufsstelle auch nicht im Alleingang, sondern in Abstimmung mit dem burgenländischen Landesgremium abgelehnt. Das von stinatzer Seite gerne bemühte Bild des Monopolchefs als absolutistischen Herrschers ist schlichtweg falsch, eignet sich als Munition im nächsten Wahlkampf aber gut: Man hat ja alles probiert, aber „die da oben“ waren dagegen.

Autor/in:
Matthias Hauptmann
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