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Südkorea: Die Wahl zwischen Zigarette oder Karriere

26.07.2012

44 Prozent der männlichen Bevölkerung rauchen. Nun eröffnen Staat, Militär und Firmen den Kampf gegen das Rauchen: Staatliche Verbote und „Einladungen“ der Arbeitgeber zum Nichtrauchen, die nicht abzulehnen sind, machen Druck auf die Tabakgenießer, während sich der Staat aus vorgeblich sozialen Überlegungen nicht zu einer Erhöhung der Tabaksteuer durchringen kann. Die Treibjagd ist eröffnet.

Keine andere Industrie-nation hat eine vergleichbar hohe Quote männlicher Raucher wie das kleine, aber dicht besiedelte Südkorea: Mit 44 Prozent liegt es gut 18 Prozentpunkte über dem Durchschnitt der OECD. Für Frauen ist der blaue Dunst in dem sonst so modernen Land aber nach wie vor tabu.

Druck von allen Seiten
Angefangen von der Stadtverwaltung der Hauptstadt Seoul, welche schon bis 2014 ein Fünftel der Stadtfläche rauchfrei machen möchte, über das Militär, das mit einer eigenen Klinik Wehrpflichtige zu Nichtrauchern machen will bis hin zu großen Unternehmen wird der Druck auf Raucher von allen Seiten erhöht.
Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass immer mehr koreanische Raucher mittlerweile von regelrechten Hetzjagden gegen das Rauchen und die Raucher sprechen.

Verbote, aber billige Zigaretten
Für Plätze, Parks, Bushaltestellen und Schulen der Hauptstadt gelten bereits Rauchverbote, deren Übertretung mit einer Geldstrafe von umgerechnet 67 Euro geahndet wird. Dazu sind eigene koreanische Rauchersheriffs in Seoul unterwegs, die pro Tag nach eigenen Angaben im Durchschnitt 3?5 Raucher erwischen. Als weitere Maßnahme wird die Fläche der Warnhinweise auf Zigarettenschachteln von 30 auf 50 Prozent erhöht. Auch Schockbilder auf den Päckchen sind geplant. Nur bei der Anhebung der Tabaksteuer zögern die Verantwortlichen mit Verweis auf die potenzielle soziale Sprengkraft dieser Maßnahme – eine Schachtel Zigaretten kostet in Südkorea derzeit umgerechnet nur 1,82 Euro.

Rauchen oder Job
Auch große Arbeitgeber rufen ihre Mitarbeiter zur Teilnahme an einem Nichtraucherprogramm auf und sprechen davon, dass „diese Programme sehr positiv aufgenommen werden“. Fast alle Angestellten hätten das Versprechen abgegeben, auf Zigaretten künftig zu verzichten.  Bei anderen Betrieben werden Nichtraucher bei Beförderungen bevorzugt behandelt, unangekündig­te Stichprobentests mit Haar- und Urinuntersuchungen wie bei überführten Drogensüchtigen durchgeführt, und neue Angestellte müssen ein Anti-Raucher-Bekenntnis unterschreiben. Da ist es zur völligen sozialen Ächtung nicht mehr weit. Anstelle von Schildern, wie sie in Singapur erwischte Kaugummi-Kauer tragen müssen mit Aufschriften wie „Ich habe die Stadt verschmutzt“, könnte der Pranger für unbelehrbare Raucher schon der nächste Schritt sein.

„Stichprobenkontrollen und der ständige Druck auf Angestellte, das Rauchen sogar außerhalb der Arbeit aufzugeben, verstoßen eindeutig gegen die Menschenrechte“, meint dazu der Präsident der koreanischen Rauchervereinigung, Hong Sung Yong.

(mh)

Autor/in:
Redaktion Trafikantenzeitung
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