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Tabaksteuer neu und ihre Folgen

19.02.2014

Auf zwei Dinge kann man sich im Leben bekanntlich verlassen: den Tod und die Steuer. Wenig überraschend sollen einmal mehr die Raucher zum Stopfen der diversen Budgetlöcher gemolken werden. Wir beleuchten, wie sich die Tabaksteuer ändert und welche Auswirkungen auf Preise und Marktanteile zu erwarten sind. (mh)

Derzeit errechnet sich die Tabaksteuer für Zigaretten aus dem mengenabhängigen Anteil von 35 Euro pro Tausend plus 42 Prozent des Bruttoverkaufspreises. Die Mindeststeuer ist mit 98 Prozent der Steuerbelastung des WAP festgelegt, beträgt also derzeit noch 117,44 Euro für fünf Stangen.

 

Tabaksteuer auf Zigaretten

Für die nächsten vier Jahre, also bis inklusive 2017, ist eine jährliche Anhebung des mengenabhängigen Anteils in Höhe von 5 Euro geplant; gleichzeitig soll der wertabhängige Anteil schon 2014 auf 41 Prozent, ab 2016 sogar auf 39 Prozent sinken. Die Mindeststeuer ist wie bisher mit 98 Prozent der Steuerbelastung des WAP, mindestens aber mit dem Betrag von 123 Euro pro tausend Stück festgelegt.

 

Faires Modell?

Die Betonung des mengenabhängigen Anteils bei der Zigarettenbesteuerung trifft nicht alle Preisklassen gleich: Das unterste Preissegment wird gezwungen, die Preise zu erhöhen – gleichzeitig profitieren die Premiumzigaretten von der Reduktion des wertabhängigen Steuersatzes. Ein Beispiel zur Illustration gefällig? Hebt ein Zigarettenanbieter seine aktuellen 3,80-Preise mit 1. März 2014 nicht an, so zahlt er gegenüber 2013 fünf Euro pro Tausend mehr an Steuer und verliert rund ein Drittel seiner Marge. Bei einem Verkaufspreis von 4,00 Euro liegt die Einbuße nur noch bei 14 Prozent. Ganz oben, bei einem KVP von 4,70 Euro, sinkt der Verlust auf zarte 3,6 Prozent – ein Achtundzwanzigstel.

 

Neue Zigarettenpreise

Aus Industriesicht wird durch eine Preisanhebung um 10 cent pro Packung der Verlust im unteren Preissegment nicht ganz wettgemacht. Angesichts der Unbeliebtheit von 5-cent-Stücken – speziell im Automatenbetrieb – sind etwaige Preisanpassungen gleich um 20 cent zu erwarten.

Ab Packungspreisen von 4,10 Euro fehlt jedoch der Druck auf die Preise fast völlig – hier sind die Verluste bei unveränderten KVPs so gering, dass sie als Mittel im Kampf um Marktanteile in Kauf genommen werden könnten. Die Premiummarken am oberen Ende des Preisgefüges können sich einmal mehr entspannt zurücklehnen: Die „Billigheimer" müssen ihre Preise anheben, durch den sich verkleinernden Preisabstand wird die ehemals teure Marke aber von selbst immer attraktiver – ganz nach dem Motto „ist eh schon egal".

Derzeit ist nicht einmal der WAP 2013 offiziell – selbst die Hersteller müssen sich also bei der Kalkulation der KVPs auf Gefühl, Erfahrung und Schätzwerte verlassen. Nach einem Vorjahres-WAP von 4,04 Euro pro Packung wird aber ein Wert rund um 4,18 bis 4,24 Euro erwartet.

Die meiste Bewegung kann für das unterste Preissegment angenommen werden, wo Preissteigerungen um 10 cent unvermeidlich und solche um 20 cent realistisch sind. Hier geht es angesichts der Mindeststeuer um zu viel Geld, als dass sich ein Preiskrieg lohnen kann. Noch bei Verkaufspreisen von 4,00 Euro muss auf die Mindeststeuer von 123 Euro ein Euro draufgelegt werden, ab einem KVP von 4,10 Euro ist der Mindestbetrag aber schon erreicht.

 

Was passiert wirklich?

Wer welche Marke um wieviel verteuern wird ist derzeit nicht abzusehen, zudem lässt sich die Industrie traditionell beim Thema Preis bis zuletzt nicht in die Karten sehen. Rund um den Erscheinungstermin dieser Ausgabe werden aber die neuen Preise in der Wiener Zeitung veröffentlicht.

 

Feinschnitt unter hohem Preisdruck

Den ungeliebten „Billigkonkurrenten" der Fabrikszigarette nimmt man gleich doppelt in die Zange: Beim Feinschnitt wird der Steuersatz von derzeit 54 Prozent des KVP auf 55 und ab 2015 weiter auf 56 Prozent angehoben, gleichzeitig steigt die Mindeststeuer von heute 60 Euro pro Kilogramm jedes Jahr um 10 Euro. Schon 2017 werden also mindestens 100 Euro pro Kilo RYO- oder MYO-Tabak an den Finanzminister gehen – 10 cent pro Gramm. Ein typischer 30-Gramm-Pouch würde so 3 Euro Tabaksteuer plus Wirtschaftsnutzen plus Umsatzsteuer kosten und damit mehr als deutlich über dem WAP der  Zigaretten liegen. Offenkundig soll der Feinschnittmarkt, zumindest aber sein Wachstum, zugunsten der Zigaretten beschränkt werden.

Ob dieser Schuss nach hinten losgehen wird, weil die Wuzler und Stopfer bei Preissteigerungen zwischen 30 und 60 cent pro Jahr in den Schwarzmarkt ausweichen, bleibt abzuwarten.

Autor/in:
Redaktion Trafikantenzeitung
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