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TPD2 gefährdet bis zu 100.000 Arbeitsplätze in Deutschland

02.10.2013

Nun machen auch die Betriebsräte der deutschen Tabakwirtschaft gegen die absehbaren Folgen der kommenden Dienstag zur Abstimmung stehenden Tabakrichtlinie mobil.

Die große Jänner-Demonstration der europäischen Tabakwirtschaft in Brüssel war ohne politische Reaktion geblieben. Offenbar wird die Branche bewusst geopfert.

Bei Herstellern, Zulieferbetrieben, Tabakbauern, Groß- und Einzelhändlern stehen angesichts der aktuellen Pläne für die Richtlinie bis zu 100.000 Arbeitsplätze in ganz Deutschland auf dem Spiel. Der Gesamtbetriebsrat der Tabakbranche fordert deshalb von der Politik, die Existenzsorgen einer derart großen Zahl von Menschen bei dieser sehr umfassenden Neuregelung ernst zu nehmen.

 

Bedenken werden ignoriert

JTI-Betriebsrat Gerd Willems stellt klar: „Wir unterstützen eine sinnvolle Regulierung – die aktuellen Vorschläge aus Brüssel halten wir aber für kontraproduktiv. Wie von vielen Experten angeführt würde es zu einem Anstieg des illegalen Handels, zu sinkenden Preisen und damit zu einer Verschlechterung des Jugendschutzes kommen.“ Sein Kollege Andreas Clemens von der Firma Heintz van Landewyck geht mit seiner Kritik deutlich weiter: „Die gewählten Volksvertreter haben in den Gremien Landwirtschaft, Recht, Internationaler Handel, Industrie und Verbraucherschutz klar Stellung bezogen. Diese Aspekte im weiteren Prozess einfach zu ignorieren ist eine riesige Schweinerei und trägt nicht unbedingt zum Vertrauen der Bürger gegenüber Europa bei.“

 

Zweierlei Maß

„Wenn es um Arbeitsplätze in der Tabakwirtschaft geht werden die Beschäftigten zu Arbeitnehmern zweiter Klasse.“ bringt von-Eicken-Betriebsratschef  Martin Schulte den Unmut der Branche auf den Punkt. Sein Kollege von BAT, Paul Walberer, fordert die Politiker auf, „sich für die Betroffenen, die sie vertreten, einzusetzen und nicht einer europaweiten Verbotspolitik zu folgen. Tabakwaren sind legale Produkte, daher sollten für Beschäftigte der Tabakunternehmen die gleichen Rechte gelten wie für andere Industriezweige - zum Beispiel das Recht, angehört zu werden und die Forderung nach politischer Unterstützung bei der Sicherung von Arbeitsplätzen.“

 

Bestraft für Jugendschutz?

Nach Aussage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA ist die Raucherquote bei Jugendlichen kontinuierlich zurückgegangen – innerhalb von nur 10 Jahren hat sich der Anteil rauchender Teenager in Deutschland auf 12 Prozent halbiert. Tabakbranche und Handel haben viele der erfolgreichen Jugendschutzmaßnahmen mitgetragen und gefördert. „Dass angesichts dieser Vorgeschichte mit der TPD2 nun ein Regulierungsmonstrum auf die Branche zukommt ist ein Schlag ins Gesicht.“ empört sich Heike Prieß, Betriebsratsvorsitzende bei Reemtsma. „Hier wird eine legale Branche einfach kaputt reguliert.“ PMI-Betriebsratsvorsitzender Bodo Schmidt möchte weg vom derzeitigen entweder-oder-Gedanken: „Die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die gesundheitlichen Risiken des Rauchens und der Schutz von Arbeitsplätzen schließen sich nicht aus. Die Konsequenzen für die Beschäftigten dieser Branche müssen aber ernsthaft berücksichtigt werden.“

 

Das dicke Ende kommt

Andreas Clemens von Heintz van Landewyck zeichnet für die Zukunft ein schwarzes Bild: „Die vielen in der Tabakbranche beschäftigten Arbeitnehmer sind beunruhigt und wollen Antworten von der Politik – doch diese versteckt sich und verweigert den Dialog. Wenn der aktuelle Entwurf aber als Richtlinie kommt wird es die Firma Landewyck in Trier so nicht mehr geben.“

(mh, presseportal.de)

Autor/in:
Redaktion Trafikantenzeitung
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