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So wie unter 2013 hätten laut dem Bundesgremialobmann Preis und Handelsspanne vom Trinkl-Modell profitiert.

Trinkl wettert gegen Strukturfonds

19.11.2012

„Die aktuelle Regelung hilft lediglich einem kleinen Teil und gefährdet einen ganzen Berufsstand.“ meinte der BGO zur jüngsten Änderung des Tabaksteuergesetzes 1995 und rief am 19. November 2012 mit seinen Stellvertretern Karanz und Dragschitz zum Pressegespräch.(mh)

Der Bundesgremialobmann hätte gerne eine Anhebung der Mindestpreise gehabt. „Von der hätten alle Trafikanten profitiert. Zudem hatten wir geschätzt, dass rund 10 Prozent der Marken des untersten Preissegments unter dem Mindestpreis geblieben wären und somit in den Fonds eingezahlt hätten. Rund 90 Prozent der Industriepartner wären mit diesem Modell einverstanden gewesen – nur BAT war dagegen.

Nun haben wir eine Regelung, die dem Gros der Trafikanten nichts bringen wird und nur jene bedenkt, die zusperren. Das ist aktive Sterbehilfe – offenbar ist es das Ziel der SPÖ, den Berufsstand der Trafikanten aussterben zu lassen. Wir werden deshalb im Bundesgremium Kampfmaßnahmen überlegen.“

 

Auch Bundesgremialvize Gabriele Karanz stößt ins selbe Horn: „Aktuell werden rund 300 Trafikanten zusperren müssen, weil die Fixkosten steigen, die Einkünfte aber nicht. In dieser Situation ist ein Strukturfonds keine Hilfe für Trafikanten abseits von Grenzen und Schmuggelgebieten. Umstrukturierungen hat es ohnehin schon gegeben: Vor rund 20 Jahren gab es 14.000 Trafikanten und aktuell ist die Zahl von 8.000 auf unter 7.000 gesunken.“ Details zu diesen Umstrukturierungen, die landläufig eher als „Trafikantensterben“ bekannt sind, blieb Karanz jedoch schuldig.

 

Problemstellung

Vor dem Hintergrund einer grob gleichbleibenden Handelsspanne bei gleichzeitig steigenden Lohn- und Fixkosten befinden sich immer mehr Trafikanten in prekären finanziellen Verhältnissen. Anders als in anderen Handelsunternehmen besteht kein Freiraum, die Preise der eigenen Kosten-Nutzen-Rechnung entsprechend anzupassen. Dazu gesellt sich die absehbare Verschlechterung im Lotto-Geschäft mit dem Anlaufen der neuen Vertriebsstellen. Es wird also nicht einfacher.

 

Konzeptvergleich

Die Trinkl-Idee hätte zum Ziel gehabt, weiterhin über einen Solidaritätsfonds Ergänzungszahlungen an Trafikanten zu leisten, um ihnen das Überleben zu ermöglichen. Eine Änderung der teils problematischen Strukturen ist jedoch mit diesem Modell schon während der Laufzeit des bisherigen Solidaritätsfonds nicht einher gegangen.

Der nun beschlossene Strukturfonds ist wirtschaftlicher orientiert: Er zielt auf bessere Geschäfte für weniger Trafikanten, bietet aber gleichzeitig das Budget, um Übergangsprobleme sowie Abschlagszahlungen daraus zu bestreiten. Und ist aus Sicht der Industrie fairer, weil mit der Dotierung des Strukturfonds alle Marken und Preissegmente gleichermaßen getroffen werden und nicht lenkend in den Markt eingegriffen wird. Für Trinkl ist der Strukturfonds jedoch ein Werkzeug, das ausschließlich zur Verringerung der Zahl der Trafikanten eingesetzt wird und ergo dessen abzulehnen ist.

 

Monopolverwaltung zufrieden

MVG-Chefin DI Tina Reisenbichler kann hingegen im persönlichen Gespräch nichts Schlechtes im Strukturfonds erkennen: „Wir haben nun Geld für die überfällige Strukturreform. Und ich sehe den nunmehrigen Fonds auch nicht als reine Sterbehilfe, ganz im Gegenteil. Statt vieler um ihr Überleben kämpfender Trafiken soll es weniger, dafür aber gesunde Standorte geben. In der Übergangsphase kann der Strukturfonds einspringen und nach einem noch zu bestimmenden Schlüssel für eine geordnete Überleitung sorgen. Wobei die Monopolverwaltung nur auf Antrag aktiv wird – wir sperren keine Geschäfte zu. Ich rechne mit rund 200-300 Anträgen, die alle einzeln geprüft werden.“

 

Der Markt verändert sich

„Der Anteil der Billigzigaretten am Gesamtmarkt nimmt immer weiter zu. Gut verdienen die Trafikanten aber nur am mittleren und oberen Preissegment.“ meint Trinkl. Wäre es da nicht unlogisch gewesen, als Folge eines Mindestpreises eine Anhebung der Preise im Premiumsegment zu erwarten?

Immerhin können die Hersteller ja gemütlich abwarten, bis die ehemaligen „Billigzigaretten“ so nahe am Premiumpreis sind, dass der Kunde nach dem Motto ´ist eh schon egal` gleich zum ehemals teuren Marktführer greift? Trinkl dazu: „Der Abstand wäre gleich geblieben – wenn unten angehoben wird und die Topmarken nicht mitgehen verzichten sie ja auf Einnahmen.“ Genau das ist aber auf breiter Basis in den vergangenen zwei Jahren passiert, in denen Anhebungen der Tabaksteuer nicht in höhere Preise umgesetzt wurden …

Autor/in:
Redaktion Trafikantenzeitung
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