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Unsterblich, aber steril

24.03.2013

Unendliches Wachstum durch Verzicht auf die Blüte. Nach diesem Motto haben Forscher einer Tabakpflanze via Genmanipulation das Blühen abgewöhnt. Für die Tabakwirtschaft uninteressant, soll die Produktion von Biomasse für die Produktion von Nahrungsmitteln und pflanzlichen Rohstoffen durch diesen Ansatz verbessert werden. (mh, proplanta.de)

Über den Geschmack sowie die Aromen der mittlerweile acht Jahre alten Tabakpflanze im Treibhaus der Forscher ist nichts bekannt. Unsterblichkeit steht allerdings auch nicht auf dem Wunschzettel der Tabakwirtschaft

Eigentlich wachsen Tabakpflanzen innerhalb von 3-4 Monaten zu knapp zwei Metern Höhe heran, blühen und sterben danach.

Forscher des Fraunhofer-Instituts für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie haben sich aufgrund des gut erforschten Genoms die Tabakpflanze ausgesucht, um einen neuartigen Ansatz zu testen: Durch Deaktivierung jenes genetischen Schalters, welcher die Blüte auslöst, wurde auch das Signal für das Ende des Wachstums abgeschaltet. "Die erste unserer Pflanzen ist nun fast acht Jahre alt und wächst ständig weiter." erklärt Prof. Dirk Prüfer. "Obwohl wir sie regelmäßig zurückschneiden ist sie 6,50 Meter hoch und hat einen Stammdurchmesser von bereits 10 Zentimetern. Die unteren Blätter werden nicht gelb und fallen ab, sondern bleiben dabei grün.".

Das Verfahren
Technisch funktioniert dieses Verfahren über eine Genmanipulation, welche den Blühzeitpunkt weit nach hinten verschiebt. Vermutlich wird irgendwann auch die Tabakpflanze des Fraunhofer-Instituts blühen; bislang hat sie das jedoch noch nicht versucht. Das modifizierte Gen wird über ein Trägerbakterium wieder in die Pflanze eingeschleust, das als "Shuttleservice" fungiert. Mit den Erfahrungen aus ihrem ersten Versuch mit Tabakpflanzen arbeiten die Forscher derzeit im Auftrag eines japanischen Chemiekonzerns an Kartoffeln.

Das Ziel
Bei den Erdäpfeln soll der Eingriff dazu führen, dass sie sehr viel mehr Biomasse – genau genommen Stärke – produzieren. "Die deutsche Bundesregierung fordert bis 2050 eine Verdoppelung der Erträge pro Hektar, um die Versorgung mit Nahrungsmitteln und pflanzlichen Rohstoffen zu sichern. Dem kommt man mit unserem Ansatz ein großes Stück näher." führt Prof. Prüfer aus. "Allerdings ergibt das Verfahren nur bei Pflanzen Sinn, bei denen es nicht auf die Blüten ankommt – Zuckerrüben zum Beispiel. Bei Raps wäre unser Ansatz aber der falsche Weg."

Züchtung statt Genmanipulation
In einem nächsten Schritt will man versuchen, den gleichen Effekt über chemische Eingriffe im Rahmen einer herkömmlichen Pflanzenzucht zu erreichen. Dies hätte den Vorteil, dass es sich nicht mehr um eine getechnisch veränderte Pflanze handeln würde, was im Freilandversuch wichtig ist. "Doch davor müssen wir die Deregulation der Gene zunächst noch besser verstehen lernen." schränkt Prüfer ein. Die Züchtungsversuche sollen jedenfalls schon so bald wie möglich starten.

Autor/in:
Redaktion Trafikantenzeitung
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