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Nach 25 Jahren im Konzern und 7 Jahren als General Manager in Österreich zieht sich Hagen von Wedel in den Ruhestand zurück.

„Vom Tabakgeschäft wird zu viel erwartet.“

27.07.2016

Mit JTI-Geschäftsführer Hagen von Wedel zieht sich ein langjähriger Kenner der österreichischen Tabaklandschaft in den Ruhestand zurück – Zeit für ein letztes Gespräch.

Mit 30. Juni 2016 übergab der bisherige General Manager Hagen von Wedel das Ruder an seinen Nachfolger. In seinem letzten Interview mit der Trafikantenzeitung nimmt sich von Wedel kein Blatt vor den Mund, schränkt aber schon im Vorfeld ein: „Viele meiner Antworten sind meine Privatmeinung und nicht die Firmenlinie von JTI. Diesen Luxus leiste ich mir zum Abschied.“

Wird heute innerhalb der Tabakbranche mit härteren Bandagen als früher um Marktanteile gekämpft?

Der Wettbewerb hat sich in den vergangenen 25 Jahren kaum verändert. Es läuft heute leider mehr über den Preis – und da muss man dann häufig einfach reagieren, zumindest kurzfristig – aber Tabak war immer ein hartes Geschäft.

Mit welchen Problemfeldern sehen Sie Ihren Nachfolger konfrontiert? Was sind die vordringlichsten Baustellen und problematischsten Fehlentwicklungen?

Vor der größten Herausforderung steht die gesamte Tabakbranche: Die Regierungen haben sich das gesundheitspolitische Ziel eines verringerten Tabakkonsums gesetzt und leiden gleichzeitig unter budgetärem Druck. Sie können und wollen nicht auf die Einnahmen aus der Tabaksteuer verzichten. Die Tabakindustrie war immer ein verlässlicher Partner, wenn über die Jahre wieder mal ein Budgetloch zu stopfen war – die Politik hat den benötigten Betrag genannt und wir haben  gemeinsam mit der Politik marktverträgliche  Vorgehensweisen diskutiert, wie das Ziel zu erreichen wäre. Das hat lange nach dem alten Motto „Geht´s der Zigarette gut, geht´s dem Staat gut“ auch funktioniert.

Doch das Verständnis für dieses konstruktive Miteinander ist offenbar abhanden gekommen. Heute tendiert die  Politik dazu, Vorschriften zu machen, ohne den Markt und seine Mechanismen zu kennen. Einseitige Eingriffe können dann verheerende Folgen wie z.B. vor wenigen Jahren in Griechenland haben:  Durch völlig überzogene Steuererhöhungen kollabiert das ganze System. Und es dauert Jahre, um zu einem funktionierenden Prozedere zurück zu kehren. In Österreich ist man in dieser Hinsicht bislang relativ vernünftig unterwegs und schlachtet nicht die beste Milchkuh im Stall …

Die Trafikanten sind mit der aktuellen Entwicklung der Spanne – nach unten – aber so gar nicht zufrieden.

Das wird die zweite große Aufgabe für meinen Nachfolger werden: Die Trafikanten zurück ins Boot zu holen. Hier wird derzeit eher gegen- als miteinander gearbeitet. Als wäre eine höhere Spanne die einzige Lösung. Das betrifft auch die Standesvertretung: Die sind kürzlich voll des Mitleids für die geringe Handelsspanne der benachbarten Kollegen von einem Besuch aus Deutschland zurückgekehrt – statt sich zu informieren, wie es die erfolgreichen Geschäfte anstellen, dennoch gute Umsätze und Gewinne zu lukrieren. Man muss sich auch fragen, ob das Tabakgeschäft alleine für ein gutes Einkommen sorgen soll und kann! Die Zeitschriften lassen nach, das Glückspiel lief auch schon besser; die frühere verlässliche Drittelung der Umsatzbringer ist lange vorbei. Und nun erwartet man vom Tabak, im Alleingang das Ruder herum zu reißen. Das ist schlichtweg unrealistisch.

Mit welchem Gefühl geben Sie den Job als Geschäftsführer von JTI Austria nun auf?

Mit einem guten.  Das erste Halbjahr 2016 ist das Beste der letzten zehn Jahre. Wir haben den behäbigen Dampfer Austria Tabak in einen modernen, schnittigen Kreuzer umgebaut, der hervorragend läuft. Auf der anderen Seite bin ich in meinem Herzen Marketer. Und wenn ich ehrlich bin: Als fast 60jähriger weiß ich heute nicht mehr, wie 25jährige denken. Da ist es wohl an der Zeit, das Ruder an einen neuen Kapitän zu übergeben.

 

Die Vollversion dieses Interviews finden Sie ab 26. August 2016 in der nächsten Ausgabe der Trafikantenzeitung.

Autor/in:
Matthias Hauptmann
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