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Wie blicken die Großhändler in die Zukunft?

18.02.2020

Ständig ist von rasch sinkenden Tabakverkäufen und wegbrechenden Umsatz-Standbeinen die Rede. Doch wie sehen das die wichtigsten heimischen Großhändler? Wir haben bei den Geschäftsführern nachgefragt.

Häufig ist von „minus 30 Prozent bis 2030“ für die Zigarette die Rede. In zehn Jahren könnte also grob ein Drittel der Tabakumsätze fehlen. Welche Produkte oder Produktgruppen haben aus Ihrer Sicht das Potenzial, dieses Loch zu füllen oder gar zu langfristigen Hoffnungsträgern zu werden?

Tobaccoland, Manfred Knapp: 
Solche Prognosen sind mit gewisser Vorsicht zu genießen. Ja, der Absatz in diesem Bereich ist rückläufig. Eine so konkrete Prognose für 2030 halte ich aber für wenig seriös, dazu sind einfach zu wenig Einflussfaktoren bekannt. Sinnvoll ist es aber in jedem Fall, das Sortiment zu erweitern und mit Innovation zu glänzen. Da sind wir als tobaccoland sehr gut positioniert.
Als konkrete Hoffnungsträger – die mehr als nur Hoffnung sind, sondern für viele Trafiken schon zweite und dritte Standbeine darstellen – sehen wir einige Produktgruppen:
•    Produkte mit neuer Wirkungsweise wie Nicotine Pouches, E-Zigaretten und ähnliche Alternativen zur klassischen Zigarette
•    Digitale Produkte, die wir als E-Loading-Pionier in die Trafiken gebracht haben. Die Digitalisierung der Trafik war uns frühzeitig ein Anliegen und wurde gestartet, als der Begriff gerade erst erfunden wurde. Von der Handywertkarte und Prepaid-Zahlungsmitteln bis zur digitalen Vignette, Westbahn-Tickets und der SIM-Karten-Registrierung ist E-Loading by tobaccoland ein ständig wachsendes Zukunftsfeld, das keine Grenzen kennt.
•    Wir haben E-Loading auch auf den Automaten gebracht, wo die Trafikanten heute rund um die Uhr Wertkarten und viele weitere Prepaid-Produkte verkaufen können. Quasi die Filiale der Trafik für alle, die sich nicht an Ladenöffnungs­zeiten halten wollen oder können.
•    Bei klassischen Tabakwaren wird es künftig noch mehr um Qualität gehen. Für höherpreisige Markenprodukte wird es immer einen substanziellen Markt geben. Niedrigpreisige Platzhalter sind dagegen keine nachhaltige Zukunftsstrategie.

Susanne Moosmayr:
Zuallererst glaube ich nicht an minus 30 Prozent bis 2030. Einen Rückgang wird es geben, aber im vergangenen Jahr betrug dieser bei den Großhandelslieferungen für Zigaretten nur 0,8 %. Aber natürlich muss man sich neuen Produktgruppen widmen, denn Zuwächse wird es auf der Zigarette keine geben. Allen voran sehen wir ein großes Potenzial bei den Nicotine Pouches, die sich derzeit zu einem wirklichen Umsatzbringer entwickeln. 
Nach wie vor Unverständnis wirft für mich das Thema Hanfblüten auf – sie werden überall verkauft, außer dort, wo sie meiner Meinung nach am besten hinpassen – in der Trafik. Diese Kategorie ist meines Erachtens nicht zu unterschätzen und könnte vieles ausgleichen, was bei den klassischen Produkten verloren geht. 

KP Plattner, Markus Plattner:
Meines Erachtens werden sich die Zahl der Raucher und der Absatz an Zigaretten in den nächsten zehn Jahren mit Sicherheit reduzieren. 30 % schätze ich als zu hoch ein. Dies hängt jedoch von den gesetzlichen Rahmenbedingungen, welche in den nächsten zehn  Jahren von der Politik eventuell geändert werden, ab. Zudem sind 30 Prozent Minus an Menge nicht ident mit einem 30%igen Umsatzrückgang, da sicherlich entsprechende Preiserhöhungen in den nächsten zehn Jahren zu erwarten sind.  

DanCzek Österreich, Michael Rühlemann:
Das ist für mich eine sehr gewagte Pro­gnose. Wenn man sich die Gesamtmarktentwicklung z. B. der letzten fünf Jahre anschaut und hochrechnet, werden wir 2030 weit von den –30 % entfernt sein. Natürlich hängen Damoklesschwerter wie „Black Market“, „Plain Packaging“ etc. über der gesamten Branche, aber meines Erachtens wird der Tabakmarkt auch weiterhin relativ stabil bleiben. 
Die sogenannten Hoffnungsträger wie HnB, Vapes, Pods, Nicotine Pouches sind ja bereits auf dem Markt oder in den Start­löchern. Es wird sich zeigen, wie sich diese Produkte in Relation zu den Gesamtmarktverlusten etablieren. Auch muss dabei seitens der Politik cleverer agiert werden, siehe Vaping und CBD – das ist ein Paradebeispiel für ein klares Scheitern: Eine solche Win-win-Situation durch Nichtstun sausen zu lassen, ist unverständlich.

Wie sehen Sie die „Trafik 2030“ im Hinblick auf Geschäftsgröße, Produkte und Produktschwerpunkte sowie Ausrichtung? Ist eine weitere Schrumpfung der Anzahl der Trafiken zu erwarten? Wird es mehr Spezialisten geben, oder müssen die Geschäfte wachsen, um das breite Portfolio auch für den Kunden dar­zustellen?

Tobaccoland, Manfred Knapp:
Es wird vermutlich eine geringfügige Konsolidierung bei der Abdeckung unvermeidlich sein. Unser dringender Appell ist es, hier sehr behutsam vorzugehen – denn der USP als letzter Nahversorger, den Trafiken in vielen Orten haben, ist Goldes Wert und darf nicht aufgegeben werden.
Natürlich wird der Markt immer komplexer, und nur gemeinsam wird die Branche hier bestehen. Das will ich auch als Ruf zum Miteinander von Industrie, Großhandel und Trafikanten verstanden wissen – miteinander aktiv sein, vorausdenken, Veränderung treiben, statt nur nachzuvollziehen, darum geht es.

Susanne Moosmayr:
Ich halte unser heutiges System für ein gutes und ich glaube nicht, dass es sich in Größe und Anzahl in den kommenden zehn Jahren drastisch verändern wird. Die Zukunft für die Trafik sehe ich keineswegs negativ, es werden Produkte kommen, die ein Umsatzplus in die Trafik bringen. Man sieht es ja an den bereits am Markt erhältlichen Nicotine ­Pouches. Die Umsätze steigen rasant, und der Markt wird auf ein Vielfaches von dem geschätzt, was er heute ist. Da ist also noch Luft nach oben. Wenn noch ein, zwei weitere derartige Produktkategorien kommen, dann kann ein Minus bei den Zigaretten durchaus ausgeglichen werden! 

KP Plattner, Markus Plattner:
Die Schrumpfung der Anzahl an Trafiken wird sich fortsetzen. Die Trafiken, welche sich um ein breites Sortiment bemühen, spezialisieren und den entsprechenden Service und die Beratung bieten, werden sicherlich auch künftig mit steigenden Umsätzen an Nebenartikeln rechnen dürfen. Ein anderer Teil wird aber auch in den nächsten zehn Jahren als Nahversorger mit kundenorientiertem Sortiment in dieser durchwegs interessanten Brache seine Berechtigung haben und eine gesicherte Existenz vorfinden.

DanCzek Österreich, Michael Rühlemann:
Ich denke, dass sich vor allem am TVS-Markt noch etwas tun wird. Entwicklungstechnisch kann man kaum alle Trafiken über einen Kamm scheren – wir sehen jetzt schon Spezialisten, die ihr Angebot mit neuen Produkten erfolgreich erweitert haben und Erfolge einfahren. Dies ist aber massiv standort- bzw. demographieabhängig. „Die Trafik“ als solche gibt es für mich nicht. Oft entscheiden nur ein paar wenige Kilometer über das Angebot und die Nachfrage. Das System braucht einen gesunden und breiten Nährteppich – die einzelne Trafik wird dann entscheiden müssen, den Fokus auf Breite oder Tiefe zu legen.

 

Das vollständige Interview finden Sie ab 22. Februar in der druckfrischen Printausgabe der Trafikantenzeitung.
 

Autor/in:
Matthias Hauptmann
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