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Wie ein Phönix aus der Asche

23.06.2021

Im 32. Jahr als Trafikantin stand Elisabeth Bosch in der ausgebrannten Ruine ihres Geschäfts. Und keine drei Monate später in der völlig neu gebauten Trafik. 

Elisabeth Bosch hat schon viel hinter sich. „Das erste Geschäft haben wir 1986 gekauft. Damals hatte man ja noch eine echte Chance, eine Trafik auch ohne Behinderung zu bekommen. Die Eisteichstraße ist aber so schwach gelaufen, dass sie nicht nachbesetzt wurde.“ Das Ehepaar Bosch sah von der damals gezahlten Ablöse nach elf Jahren keinen Groschen.

Neustart in Kaiserebersdorf

Wo heute ein Einzugsgebiet von rund 40.000 Menschen liegt, waren 1997 Gärten. Elisabeth Bosch begann in einem winzigen Verkaufswagen, während rundum gebaut wurde. Aus dem Wagen wurde ein Con­tainer bis 2001 in das kleine Geschäft beim Merkur-Markt eingezogen werden konnte. „Und das verdanke ich der Tatsache, dass der Merkur meine trapezförmige 47-Qua­dratmeter-Nische übersehen hat – die wollten eigentlich eine Trafik im Markt“, ist die Trafikantin noch heute froh.

Der Totalverlust

Am Abend des 22. August 2018 sperrt Frau Bosch nach dem Kassamachen ihre Trafik zu. Und die steht schon wenig später in Vollbrand: Installationen auf der Toilette hatten Feuer gefangen, das sich rasch ausbreitete. „Ich hatte 157.000 Euro Schaden, die Ware konnte man aufgrund von Rauch und Löschwasser nur noch weg­schmeißen, und die WienSüd hat nochmals eine Schadenshöhe von 43.000 Euro geltend gemacht. Mein Eigentums-Geschäftslokal musste bis auf die Grundmauern entkernt werden. Die Beseitigung der Brandschäden hat dann auch am längsten gedauert“, erzählt die Trafikantin.

Wenigstens ist sie gut versichert. Neben den Sachschäden zahlt sich auch die teure Betriebsunterbrechungs-Versicherung endlich aus, während das Geschäft so schnell wie möglich wieder benutzbar gemacht werden soll. So riskiert es Frau Bosch, auf eine – auch nicht billige – Zwischenlösung in einem Container zu verzichten und bis zur Fertigstellung zu warten. „Alle meine Mitarbeiter während des Wiederaufbaus weiterhin zu beschäftigen, hat trotzdem genug gekostet. Und das Geld von der Versicherung musste ich wie einen Ertrag versteuern“, seufzt die Trafikantin.

Wieder ein Neustart

„Ich habe innerhalb von ein paar Stunden festgelegt, was ich in der neuen Einrichtung haben möchte“, schildert Frau Bosch. „Die Top-Priorität hatte ausreichender Stauraum. Bei mir bekommen die Leute ja alles – auch Dinge wie Fahr- und Parkscheine, die digitale Vignette und andere Sachen, die viele Kollegen wegen zu geringer Marge nicht führen. Das gehört für mich zu einer gut sortierten Trafik aber einfach dazu. Und gegenüber dem ersten Container hatten sich die Umsätze im abgebrannten Geschäft verdoppelt – da hat man dann echt ein Platzproblem!“
Darüber hinaus hat sie sich nur noch die Farben ausgesucht und alles Weitere dem Planer und Ausstatter ihres Vertrauens überlassen – Pirker Trafik Design. Das Kärntner Team legte mit Planung und Organisation der Professionisten los und koordinierte Bodenleger, Installateur und Trockenbau, was klaglos funktionierte. Nur um die Elektrik kümmerte sich ­Sebastian Bosch, der Trafikantensohn. Und das war gut so: „Der Elektriker war keine gute Wahl“, erinnert sich die Trafikantin. „Erst hat er für Verzögerungen gesorgt, und dann wollte er mir für mein kleines Geschäft einen Kilometer Kabel verrechnen.“ 

Neueröffnung in Rekordzeit

Der eigentliche Einbau der Einrichtung ging dann flott über die Bühne, wie Frau Bosch erzählt: „Das Pirker-Team war sehr professionell und nett, da hat wirklich alles gepasst. Kein Vergleich zu dem Ärger, den ich bei der vorigen Einrichtung mit meinem hochgelobten Architekten gehabt habe.“
Schon am 17. November 2018 – keine drei Monate nach dem desaströsen Feuer – konnte die Trafik Bosch wieder ihre Pforten für die Kunden öffnen. Die meinten einhellig „Gott sei dank seid ihr wieder da!“ und lobten durch die Bank das von Grund auf neu aufgebaute Geschäftslokal.

Mit der Zeit gehen

Die aktuelle Trafik bietet nun auch ­Coffee to go und verfügt jetzt trotz ihrer überschaubaren Größe über drei Kassenplätze und zwei Bankomatkassen. Aus Prinzip, wie die Trafikantin meint: „Ich verstehe nicht, dass viele – auch junge – Kollegen sich aus Kostengründen der bargeldlosen Zahlung verweigern. Das ist die Zukunft – ob man will oder nicht. Die jungen Kunden rauchen seltener, kaufen kaum noch Zeitungen, spielen weniger Lotto. Das Geschäft verändert sich, und wer nicht mitzieht, den überholt die Entwicklung. Und wenn jemand mit Bankomat bezahlen will, muss man ihn lassen. Auch wenn er damit die Online-­Vignette fürs Auto bezahlt, an der wir schlecht verdienen. Die Leute kaufen ja auch andere Sachen, und ein Kunde, den ich vorher zur Bank um die Ecke schicke, kommt nicht mehr zurück.“

Einen Humidor oder E-Zigaretten findet man dafür nicht bei ihr – für Cigarren sei das kein Einzugsgebiet, und Dampferware verweigert sie aus Prinzip. „Das hat in einem TABAKfachgeschäft nichts verloren.“

Es hört nicht auf

In der Nacht des 31. Dezember 2018 wurde es wieder einmal laut: Der Zigarettenautomat von Elisabeth Bosch wurde gesprengt – zum mittlerweile vierten Mal! Diesmal waren die Täter durch die Bilder der Überwachungskamera einwandfrei zu identifizieren: Kinder von Kundschaften, die sich eine Schadenswiedergutmachung nie leisten werden können. Nach mehrfachen solchen Schäden und über die Jahre wiederholt hohen Schadenssummen dank diebischer Angestellten meint Frau Bosch nur kopfschüttelnd: „Irgendwie hört das nie auf. Aber das gehört zum Leben als Trafikantin wohl dazu.“

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