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Willkommen im Tabak-Schlaraffenland Lukele

24.06.2021

Die „Altwiener Tabaktrafik“ von Tristan-Boris Lukele zählt zu den renommiertesten und ältesten in Wien – er selbst zu den jungen Topexperten.

Unter den historischen Tabaktrafiken zählt jene von Tristan-Boris Lukele in der Kettenbrückengasse 21 im 5. Wiener Gemeindebezirk wohl eindeutig auch zu den schönsten der Stadt: Man betritt sie und steht mitten im Einkaufsparadies für Tabakwaren, präsentiert mit großem Sinn für Ästhetik und Wirkung. Der Blick fällt sofort auf das reichhaltige Zeitschriftensortiment und den schmiedeeiserne Rundgang im oberen Geschäftsbereich, den Mama Lukele professionell weihnachtlich geschmückt hat, ebenso wie die Schaufenster. 

Eigene Wandschilder unterteilen die Zeitschriften in verschiedene Bereiche. Wer es also eilig hat, findet rasch sein Magazin, und wer am Heimweg noch schnell Zigaretten mitnehmen möchte, kann sofort an der Kasse bezahlen: „Die Trafik ist so groß, dass kein Kunde, keine Kundin dem anderen im Weg steht. Jeder oder jede kann sich frei bewegen und nach seinem Geschmack gustieren“, bemerkt Trafikant Lukele.

Tabakspezialist

Ein Kopftumor in Hühnereigröße, den man bei ihm mit 13 Jahren festgestellt hatte, machte ihm sein Leben nicht leicht, gilt jetzt aber als geheilt. Nach einigen Berufsstationen entschied er sich für eine Trafik. Es war Liebe auf den ersten Blick, als er zur Tür hereinkam: „Ich habe mir zuvor ziemlich viele angesehen, aber bei der habe ich sofort gewusst: Die ist es!“ Die Sache war dann perfekt, als sich Tristan-Boris Lukele mit dem Vorbesitzer, Herrn Vacano, auch bezüglich der Ablöse für die makellose Inneneinrichtung einig geworden war. Der Jungtrafikant wollte nichts am Äußeren der etablierten Tabak-
institution ändern: „Diese Trafik und jene am Graben im 1. Bezirk galten seit je her als besonders fachkundig, mit einer erlesenen Auswahl an Tabakspezialitäten. Als gelernter Hotelfachmann und Barkeeper in Edelkneipen, wie auch jener meines Vaters, brachte ich bereits Vorwissen mit, aber Details über Cigarren und Pfeifentabake vermittelte mir erst Herr Vacano.“ 

Von der Pieke auf

Tristan-Boris Lukele ist ein sehr gewissenhafter Trafikant. Daher war er von Beginn an interessiert, alles von der Pieke auf zu lernen. „Ich ging also freiwillig ein halbes Jahr bei meinem Vorgänger in die „Lehre“ und ließ mich in jedem scheinbar noch so unbedeutenden Bereich einschulen. Schließlich wollte ich später auch meine Mitarbeiter weder unter- noch überfordern.“ Auch das klimatisierte Befeuchtungssystem im begehbaren Humidor lernte er fachmännisch instand zu halten: „In so einem Raum befinden sich ziemliche Tabakschätze. Wenn das nicht richtig funktioniert, wäre das für mich eine teure Geschichte.“ 

Ein Humidor sei sowieso kostspielig in der Anschaffung und auch im Betrieb. Die Gewinnspanne müsse daher in einer Tabaktrafik auf Produkte höher sein, als in einem anderen Fall. Er befinde sich überdies in einer Seitengasse, genau zwischen zwei Trafiken an verkaufsstrategisch besseren Standorten, die daher naturgegeben höhere Umsätze machten: „Aber wer auf Qualität und gediegene Kaufumgebung Wert legt, findet auch die paar Meter von der U4-Station Kettenbrückengasse weiter zu uns.“ Diese Erfahrung hat der Trafikant mittlerweile gemacht. 

Überzeugungskraft

So manchen Stammkunden seines Vorgängers musste der Jungtrafikant auch erst von seiner inzwischen durch viele Spezialschulungen und Reisen erworbene Tabakkompetenz überzeugen: „Anfangs kam ein älterer Herr zu uns herein, ging zielstrebig durch den Präsentationsraum weiter und öffnete selbst den Humidor. Ich lief ihm nach und bot Beratung an. Er meinte nur: ‚Gehn’s Burli, ich hab schon Cigarren geraucht, da waren Sie noch nicht einmal geplant!‘ Heute lässt er sich von mir auch neue Produkte zeigen und genießt sie.“Genießen ist für Tristan-Boris Lukele beim Rauchen das Zauberwort schlechthin. Es gäbe beim Rauchen nichts, was man im eigentlichen Sinne falsch machen könne. Denn das wichtigste sei, dass es einem schmeckt. „Natürlich gibt es noch Geschmackssteigerungen. So sollte man eine Cigarre immer langsam rauchen. Das ist wichtig! Denn sonst wird die Glut zu heiß, der Tabak quillt und zerreißt das Deckblatt. Dann war’s das mit der Cigarre!“

Lebensgefühl

Laissez-faire ist für den Kuba-Fan („eindeutig die besten Bodennährwerte für den Tabakanbau“) fast ein Lebensmotto geworden. Leben und leben lassen, darauf kommt es an: „Und beim Rauchen nähern Menschen sich einander an. Das beginnt schon beim Anschneiden der Cigarre, geht weiter mit dem behutsamen Anzünden und dann dem Rauchen selbst. Es ist Zeit, die man sich nimmt und mit einem Gleichgesinnten teilt. Beide verbindet in diesem Moment Genießen und Entspannen und das für einen längeren Zeitraum.“

Herr Lukele hört beim Rauchen gerne lateinamerikanische Musik. Stimmungsvoll spielt er sie auch leise in seiner Trafik. „Ich verbringe viel Zeit hier und mache das wirklich gerne, aber am Ende des Tages freue ich mich schon sehr auf meine Familie zu Hause. Dort rauche ich kaum. Mein Sohn Sam ist erst drei Jahre alt.“ Der Gedanke an den Kleinen erinnert ihn gleich an die scheußlichen Schockbilder auf den Zigarettenpackungen, die ihn nach wie vor ärgern: „Da gab es z. B. ein Foto, das ein Baby mit einer Zigarette im Schnuller zeigte. Also, wem so etwas eingefallen ist! Wie viele Dumme das dann nachgemacht haben, möchte ich nicht wissen. Auf der Packung stand eine Telefonnummer. Dort habe ich angerufen und mich darüber beschwert.“

Geschmacksnuancen

Nach einem langen Tag versöhnen ihn dann auch die Kochkünste seiner Frau: „Nasim ist gebürtige Iranerin und kocht hervorragend. Vielen Gerichten versetzt sie eine ganz spezielle Note. Bei besonderen Anlässen gibt es nach dem Essen für Gäste eine darauf abgestimmte Cigarre –und auch für mich. Meine Frau raucht lieber Zigaretten.“ Welches Gericht Frau Lukele für Weihnachten geplant hat, weiß ihr Mann allerdings noch nicht. „Aber wenn’s etwas mit Lamm wird, weiß ich schon, welche Cigarre zumindest ich mir gönnen werde: eine Davidoff aus der Nicaragua-Linie. Um aber die genaue Auswahl treffen zu können, muss ich zusätzlich wissen, ob das Lamm gegrillt oder gekocht wird. Erst dann kann ich die genauen Geschmacksnuancen darauf abstimmen. Und wenn mir meine Frau das verraten hat, weiß ich: Weihnachten steht vor der Tür!“

Original erschienen im Dez. 2017

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