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„Wir fordern nur die Verluste zurück.“

12.12.2016

Bundesgremialobmann Josef Prirschl wehrt sich im Gespräch gegen den Vorwurf, sein Forderungspaket für die Trafikanten sei überzogen.

Bundesgremialobmann Josef Prirschl: "Wir fordern in unserem Steuer- und Spannenmodell nicht mehr als das, was wir durch Preisspielchen der Industrie verloren haben."
Wären die Preisschritte seit 2011 in vollem Umfang vorgenommen worden, so läge der WAP 2016 bei fast 5 Euro.

Herr Prirschl, Sie haben sich mit Ihrem Forderungskatalog ziemlich festgelegt. Wie sehen Sie die Chancen, dass ihr Forderungskatalog oder zumindest Teile davon umgesetzt werden? Gibt es Signale aus der Politik?

Wir haben schon mit allen Entscheidungsträgern gesprochen und dabei die Probleme der Branche sowie den notwendigen Handlungsbedarf aufgezeigt – die Resonanz war grundsätzlich gut. Es gab ja eine klare Fehlentwicklung in den vergangenen sechs Jahren (Anm.: seit es mehrjährige Steuerpakete gibt), weil die steigende Tabaksteuer nicht ausreichend auf den Verkaufspreis umgewälzt wurde. So gesehen fordern wir jetzt auch nur das nach, was seit 2010 verloren gegangen ist.

Was passiert, wenn keine Ihrer Forderungen Gehör findet?

Beim Fortschreiben des bisherigen Trends mit Big Packs und einem allgemeinen Kampf um Marktanteile steuern wir auf eine Spanne von zehn Prozent für Fachgeschäfte und fünf Prozent für Verkaufsstellen zu. Dies hätte zur Folge, dass wir von den insgesamt 6000 Trafiken bis 2020 weitere 15 Prozent oder 900 Geschäfte verlieren würden. Wer heute unter einem Tabakwarenumsatz von 700.000 Euro liegt, ist schon gefährdet. Es muss sich also etwas ändern, wenn die flächendeckende Grundversorgung aufrechterhalten werden soll.

Welchen Vorteil hätte das Abgehen vom Wirtschaftsnutzen dann in der Praxis?

Der große Vorteil ist, dass Preisspielchen dann nicht mehr uns härter treffen als die Industrie, sondern zum größten Teil vom Anteil von Industrie und Großhandel getragen werden müssten. 
Für 2018 ist der Gesetzgeber ja in einer nicht unkomplizierten Ausgangslage: Die Auswirkungen des Gastro-Rauchverbots sind noch nicht abschätzbar. Gleichzeitig will man aber nicht an steigenden Zigarettenpreisen „schuld“ sein, weil das unter den Wählern natürlich höchst unpopulär ist. Unser Vorschlag wäre eine politisch elegante Lösung: Für 2018 und idealerweise auch 2019 verzichtet der Gesetzgeber auf Erhöhungen der Tabaksteuer. Gleichzeitig führt die von uns vorgeschlagene Änderung des Spannenmodells auch so zu einem ausreichenden Preisschub, an dem der Finanzminister am besten mitverdient – eine Win-Win-Situation also.

Weiters ist der Grundtenor, dass die Berechnungen des Bundesgremiums schlichtweg falsch seien und die Auswirkungen des Forderungskatalogs viel drastischere und nicht marktverträgliche Preissteigerungen auslösen würden.

Ich kann Ihnen ganz konkrete Beispiele vorrechnen: In der Preisklasse von 4,10 Euro würde die neue Mindesthandelsspanne von 29,4 Euro ab 1. Jänner 2017 für einen Schub von 25 Cent nach oben sorgen. Bei einem KVP von 4,50 Euro und neuer MHS steigt der Preis auf 4,70 Euro, dabei verdient die Indus­trie aber gleichzeitig in Euro schon besser als bisher. Auf die Fünf-Euro-Preisklasse hat die neue Mindesthandelsspanne gar keinen direkten Einfluss.
Mit 1. April 2017 müssen weitere drei Euro pro Tausend dazuverdient werden – eine Erhöhung um weitere zehn Cent über alle Preisklassen hinweg ist zu erwarten.
Die 14 Prozent Handelsspanne würden den Preis einer bisherigen 4,50-Euro-­Packung auf 5,10 Euro schieben – da stecken aber die höhere Mindesthandelsspanne sowie die auf 53 Euro pro Tausend gestiegene Tabaksteuer schon drinnen.
 

Das vollständige Interview lesen Sie ab 16. Dezember in der Printausgabe der Trafikantenzeitung.

Autor/in:
Matthias Hauptmann
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