Auch und gerade weil es sich in Berlin um gezielte Sabotage handelte, hat sich offenbart, wie empfindlich die Stromnetze sind. Schon in der Vergangenheit sind nicht nur ein Stadtteil, sondern mitunter ganze Landstriche oder Nationen in Europa knapp an einem verheerenden Blackout vorbeigeschrammt. Da reicht mitunter schon der Ausfall eines großen Kraftwerks, und das exakt ausbalancierte kontinentale Stromnetz gerät ins Wanken. Die explodierende Anzahl an privaten Photovoltaik-Anlagen macht die Situation für die Grid-Betreiber nicht einfacher. Und wie schnell die Situation bei einem tage- oder gar wochenlangen Blackout eskaliert, hat schon vor Jahren der österreichische Autor Marc Elsberg in seinem sehr gut recherchierten Roman „Blackout“ skizziert.
Risikogruppe Einzelhandel
Abgesehen von den Zusammenbrüchen in der Infrastruktur ist in solch einer Situation nach Ansicht von Experten schon nach wenigen Tagen mit Plünderungen, Einbrüchen und Gewalt zu rechnen, wenn der verzweifelten Bevölkerung die Vorräte ausgehen. Oder, fast noch gravierender: Substanzen mit Suchtpotenzial – wie Nikotin. Es ist nicht zu unterschätzen, wozu Menschen in der Lage sind, wenn sie von der Versorgung mit Tabakwaren abgeschnitten sind. Verschärfend kommt noch dazu, dass Trafiken aufgrund ihrer grundsätzlichen Struktur und der Handicaps ihrer Betreiber und/oder Angestellten von Haus aus als „weiches Ziel“ gelten. Doch wie kann man sich als Trafikantin auf solch ein Szenario vorbereiten? Oder verhalten, wenn es tatsächlich so weit kommt?
Vorbereitung ist alles
Im Wesentlichen empfiehlt sich für alle Bürger entsprechende Vorbereitung zuhause. Die Österreichische Gesellschaft für Krisenvorsorge (GfKV) hat eine Basischeckliste für Haushalte entwickelt, die als Leitfaden für die individuelle Notfallplanung dienen kann. Der pragmatische Ansatz: Man stelle sich einen zweiwöchigen Campingurlaub ohne Zugang zu gewohnten Infrastrukturen vor – so lassen sich viele Bedürfnisse und Anforderungen bereits antizipieren. Ein zentraler Punkt ist die Trinkwasserversorgung: Zwei Liter pro Person und Tag sollten für mindestens drei bis fünf Tage vorrätig sein. Denn bereits nach drei Tagen ohne Wasser droht Lebensgefahr. Daneben ist es wichtig, einen haltbaren Lebensmittelvorrat anzulegen – idealerweise ungekühlt lagerbar und leicht zuzubereiten. Die Empfehlungen reichen von Grundnahrungsmitteln wie Reis, Nudeln, Öl, Salz, Zucker, Kartoffeln und Zwiebeln bis hin zu Konserven, Marmelade, Kaffee oder Teebeuteln. Auch auf Hygieneartikel sollte nicht vergessen werden: Seife, Zahnpasta, Desinfektionsmittel, Toilettenpapier und Produkte der Monatshygiene zählen zur Grundausstattung. Unverzichtbar sind zudem regelmäßig benötigte Medikamente – sie müssen in ausreichender Menge vorhanden sein. Ein häufiges Missverständnis in der Krisenvorsorge: Ein einmaliger Großeinkauf reicht nicht aus. Vielmehr empfiehlt es sich, den Vorrat über das Jahr hinweg schrittweise aufzubauen und regelmäßig im Alltag zu verbrauchen. So lassen sich Mindesthaltbarkeitsdaten einfacher einhalten, und der Bestand bleibt aktuell. Die Lagerung in gut verschlossenen Boxen schützt vor Schädlingen und spart Platz. Die GfKV rät zu einer regelmäßigen Überprüfung des Haushaltsvorrats – und zur Einbindung aller Haushaltsmitglieder in die Planung. Denn wer vorbereitet ist, reagiert im Ernstfall ruhiger und zielgerichteter. Resilienz beginnt zu Hause – mit einem kühlen Kopf und einem gut gefüllten Regal.
Aber was passiert mit meiner Trafik?
Auch wenn Großhändler und die Industrie über gut gefüllte Reserven und krisensichere Infrastruktur verfügen, kann sich die Situation direkt in der Trafik schnell zuspitzen. Ein Vorteil des Trafikgewerbes ist die starke Bindung zu Stammkundinnen und -kunden. Diese Beziehung kann im Krisenfall gezielt genutzt werden. „Trafikanten können Kunden mit hohem Bedarf proaktiv kontaktieren und rechtzeitig mit Ware versorgen“, lautet die Empfehlung von Experten aus dem Bereich der Krisenvorsorge. Ist dies nicht möglich, gilt es, verbleibende Lagerbestände rasch abzusetzen und im Anschluss klar zu kommunizieren, dass keine weitere Ware verfügbar ist – etwa durch Hinweise im Geschäft oder an Verkaufsautomaten. Wichtig dabei: Die Trafik darf nicht zum attraktiven Ziel für Plünderungen werden. Das bedeutet, Lagerbestände sind zu minimieren und die Geschäftsräume optisch möglichst unattraktiv zu gestalten. Denn bei „Elementarereignissen“ wie einem Blackout entfällt in vielen Fällen auch der Versicherungsschutz gegen Raub und Diebstahl. Neben organisatorischen Fragen ist auch der persönliche Schutz zentral. In eskalierenden Situationen raten Sicherheitskräfte klar davon ab, durch Zivilcourage oder Selbstjustiz einzugreifen. „Bei gefährlichen Situationen gilt: Nicht den Helden spielen – Selbstschutz hat Vorrang.“ Diese Maxime gilt insbesondere für allein tätige Trafikantinnen und Trafikanten, die im Ernstfall auf sich gestellt sind. Parallel zur betrieblichen Vorbereitung ist auch die private Krisenvorsorge unerlässlich. Dazu gehört unter anderem die Abstimmung mit Familienmitgliedern über Heimwege und Treffpunkte, falls Mobilfunk und Verkehrssysteme ausfallen. Ein fester Sammelpunkt oder eine klare Rückkehrroutine kann helfen, in der unübersichtlichen Anfangsphase eines Blackouts Orientierung zu geben. Ein massiver Blackout ist mit Sicherheit eine ernstzunehmende Gefahrensituation für alle, speziell kranke, alte oder behinderte Menschen. Aber mit entsprechend gewappneter Ausstattung daheim und im Geschäft können Trafikantinnen nicht nur sich selbst gut schützen, sondern auch in der ohnehin schon funktionierenden Rolle als soziale Drehscheibe anderen Menschen in Not Unterstützung leisten!
Checkliste: Blackout, was ist zu tun?
- Alle Geräte, die gerade in Verwendung waren, ausschalten
- Sensible elektronische Geräte abstecken, um Schäden durch Überspannung bei der Wiederkehr des Stromes zu verhindern
- Eine Lampe am Stromnetz bleibt eingeschalten, damit man bemerkt, sobald wieder Strom da ist
- Wenn Aufzug vorhanden: Kontrolle, ob jemand eingeschlossen ist. Nachricht hinterlassen, dass Aufzug überprüft wurde
- Stromunabhängiges Radio einschalten und Sender suchen
- Taschenlampen, Kerzen, Streichölzer oder Feuerzeuge, Wärmequellen, Ersatzkochmöglichkeiten etc. herrichten und überprüfen
- Kerzen, offenes Feuer etc. nur unter ständiger Aufsicht verwenden! Bereithalten von Löschmitteln, Brandgefahr!
- Stolperfallen entfernen
- Wasservorräte überprüfen und eventuell noch ein paar Behältnisse befüllen
- Müllsäcke für Entsorgungen vorbereiten, Tücher und Behälter für austretendes Abtauwasser aus Kühlschränken bereithalten
- Bestandsaufnahme Medikamente und Verbandszeug
- Falls die Wasserver- oder Abwasserentsorgung nicht funktioniert, Ersatztoilette vorbereiten
- Treibstofftank und Fahrbereitschaft des Autos überprüfen
- Notstromversorgung, falls vorhanden, aktivieren und Treibstoffvorrat bzw. Batterie prüfen