Trafikantenzeitung: Zunächst einmal persönlich herzlichen Glückwunsch zu deiner neuen Aufgabe! Silvia habe ich ja bereits zu ihrem Aufstieg als Director Corporate Affairs & Communication gratuliert. Es hat sich ja einiges getan seit dem letzten Jahr. Was waren deine ersten Eindrücke, als du in Wien ankamst und dein Amt hier angetreten hast?

Nemanja Pucarevic: Vielen Dank! Was das Büro betrifft – da gibt es bei JTI kaum Unterschiede weltweit. Unsere Büros sehen einander sehr ähnlich. Aber was mich wirklich freut, ist: Unsere Leute ähneln sich ebenfalls – egal, wo man hinkommt. Man trifft auf dieselbe Kultur, dieselben engagierten, talentierten und erfahrenen Menschen, die gleichzeitig perfekt in die JTI-Familie passen. Denn das ist es, was wir trotz unserer Größe sind: eine Familie.
Egal wo, man wird herzlich aufgenommen. Es ist einfach ein Vergnügen, mit den Menschen bei JTI zusammenzuarbeiten. Und was Österreich angeht: Das ist geografisch nah an meinem Heimatland Serbien, und einige meiner Landsleute leben hier. Das hat die Eingewöhnung in Wien und Österreich für mich deutlich erleichtert.

Du hast es schon angesprochen: JTI ist ein bedeutendes Unternehmen in Österreich – das bringt viel Verantwortung mit sich. Wie siehst du die Rolle des Unternehmens in der österreichischen Wirtschaft?

Wir sind stolz darauf, dass unsere Geschichte bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht – zur Gründung der Austria Tabak. Aber wir schauen nicht nur zurück. Auch in der Gegenwart ist JTI Austria ein wichtiger Player. Ich bin überzeugt: Wir sind der größte Tabakanbieter im Markt – nicht nur, weil wir unsere Produkte hier verkaufen, sondern auch, weil wir über unsere Großhandelsgesellschaft TOB verfügen, die nicht nur JTI-Produkte vertreibt, obwohl sie zu JTI gehört, sondern auch mit Drittmarken arbeitet.
Dazu kommt unser Labor in Wien, ÖKOLAB – eines der modernsten und bedeutendsten Labore der Tabakbranche weltweit. Zählt man alle drei Organisationseinheiten zusammen, beschäftigen wir in Österreich zwischen 450 und 500 Menschen – größtenteils hochqualifizierte Fachkräfte, insbesondere bei ÖKOLAB. Es ist beeindruckend, welche Qualität dort geboten wird.
In meinen Augen spielen wir eine starke Rolle in der österreichischen Wirtschaft – und zwar nicht nur wegen der wirtschaftlichen Bedeutung, sondern auch, weil hier zwei Welten aufeinandertreffen: das historische Erbe der Austria Tabak und die moderne Dynamik eines global agierenden Unternehmens. Diese Verschmelzung ist das, was unsere Unternehmenskultur hier besonders macht.

Du hast die beiden anderen Säulen schon erwähnt: TOB und ÖKOLAB. Letztes Jahr erst wurde das neue Logistikzentrum von TOB fertiggestellt – ein wichtiges Projekt, nicht nur weil man die alten Räumlichkeiten in Ottakring verlassen musste, sondern auch als starkes Signal für den Standort Österreich. Was passiert mit ÖKOLAB in der alten Location?

Die Investition in TOB – rund 50 Millionen Euro – ist ein klares Zeichen, dass JTI langfristige Pläne mit Österreich hat. Dieses hochmoderne Logistikzentrum in Gumpoldskirchen ist ein deutliches Signal – sowohl an den Markt als auch an unser Headquarter – dass wir hier sind, um zu bleiben. Wir sind nicht ohne Grund schon seit dem 18. Jahrhundert hier. Und ich hoffe, dass auch meine Nachfolger noch über die positiven Entwicklungen bei JTI und im „Tobacco Land“ sprechen werden.
Was ÖKOLAB betrifft: Das Labor ist in den letzten Jahren stark gewachsen – sowohl in Bezug auf die Mitarbeiteranzahl als auch die Fläche. Wir haben die Belegschaft mehr als verdreifacht. Der Vice President Ernst Schmeisser dort sagt manchmal scherzhaft, dass er sich mehr als Projektmanager für Raumerweiterung fühlt denn als Wissenschaftler.
Ich bin sehr gerne dort. Es ist beeindruckend zu sehen, was die Leute dort leisten – und es zeigt auch, wie viel Wert JTI auf jedes Detail legt: Sicherheit, Gesundheit, Produktqualität. Nur ein Beispiel: Es gibt ein Poster mit dem Hinweis, dass wir eine Substanzmenge überprüfen, die einem Tropfen in 30 olympischen Schwimmbecken entspricht. Das zeigt, wie ernst wir es mit Sorgfalt und Verantwortung nehmen.

Du hast bereits viel internationale Erfahrung in der Firma gesammelt. Österreich ist – auch was die gesetzlichen Rahmenbedingungen betrifft – ein sehr spezieller Markt für Tabak- und Nikotinprodukte. Was sind für dich die größten Unterschiede?

Der größte Unterschied ist das Monopol – das ist für mich neu. Aber ich muss sagen: Es ist auch etwas sehr Positives. Das Monopol bringt Ordnung und Planbarkeit. Es vereinfacht die Vertriebswege erheblich. Wir setzen uns sehr dafür ein, dass alle Produkte über diesen Vertriebskanal laufen.
Die jüngsten gesetzlichen Änderungen – beschlossen Ende letzten Jahres – gehen genau in diese Richtung. Das ist aus unserer Sicht eine sehr gute Entwicklung. Die Handelsmargen für Trafikantinnen sind in Österreich sehr hoch – das ist ein weiterer Unterschied zu anderen Märkten. Natürlich hat alles seinen Preis, aber die Planbarkeit und die klare Struktur sind ein großer Vorteil. Dass künftig auch Produkte wie Vapes und Pouches ins Monopol aufgenommen werden, ist aus unserer Sicht ein weiterer sinnvoller Schritt.

Damit sind wir bei den neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen. Gerade bei Heated Products war es bislang schwer, neue Produkte auf den Markt zu bringen. Jetzt sollen auch Pouches ins Monopol. Passt das alles zu eurer Strategie im Bereich Harm Reduction?

Wir gehen in Richtung Schadensminimierung. Nikotinbeutel sind ein Bereich, in dem wir derzeit aktiv sind – und es ist gut, dass sie nun stärker reguliert und ins Monopol aufgenommen werden. Bei Heated Products gibt es aktuell bekanntlich nur einen Marktteilnehmer – aber durch die neuen Regelungen wird der Marktzugang für andere Anbieter wesentlich erleichtert. Mal sehen, wie sich das entwickelt. Der Trend ist jedenfalls eindeutig. Aber natürlich: Zigaretten werden sicher noch eine lange Zeit Teil unseres Geschäfts bleiben – aber auch dort arbeiten wir an Verbesserungen.

Wie unterstützt ihr die Trafikantinnen bei der Umsetzung dieser neuen Regeln? Manche sorgen sich um ihre Margen oder Veränderungen im Geschäft.

Ich sage allen: Es gibt keinen Grund zur Sorge. Die neuen Gesetze, die 2025 beschlossen wurden, sind eindeutig im Sinne der Trafikantinnen – auch dank Unterstützung durch die Industrie. Was die Handelsspannen betrifft – das ist ein Erfolgsmodell. Ich habe in meiner beruflichen Laufbahn noch nie ein vergleichbares System gesehen. Die Trafikantinnen arbeiten in einem sehr stabilen Umfeld.
Die Aufnahme der Nikotin-Pouches ins Monopol ist eine zusätzliche Einkommensquelle. Bis April werden sie noch überall verkauft, danach nur noch in Trafiken. Auch Vapes werden künftig nur noch kontrolliert vertrieben – eine weitere Chance für die Trafikantinnen.

Du warst in verschiedenen Ländern und Funktionen tätig, hast viel erlebt. Hast du einen klaren Führungsstil, den du hier auch anwenden kannst, oder musst du ihn anpassen?

Meine Mitarbeiterinnen haben mir gesagt, ich sei der jüngste General Manager, den Österreich je hatte. Das ist manchmal von Vorteil, manchmal nicht – etwa bei Verhandlungen auf hoher Ebene. Aber ich habe viel Erfahrung gesammelt – in der Adria-Region, im HQ, in Japan, in der Ukraine und jetzt hier.
Führung war für mich immer ein Thema – ich war früher Profisportler, Wasserballer, meist Kapitän meiner Teams. Verantwortung übernehmen liegt mir.
Was meinen Führungsstil betrifft: Ich setze stark auf Empowerment – also Verantwortung übergeben. Wenn man genug delegiert und Vertrauen gibt, kommen großartige Ergebnisse. Dazu gehören auch schnelle Entscheidungen und ein gewisser Mut – das kommt aus dem Sport.

JTI ist seit Jahren als Top-Arbeitgeber ausgezeichnet. Hast du vor, diese Tradition fortzusetzen?

Ich habe keine andere Wahl! (lacht) Aber im Ernst: Das ist ein Teil unserer Kultur, kein Zufall. In jedem Land, in dem ich war, kamen Kolleginnen von außen und sagten: „JTI ist wirklich besonders.“ Ich bin seit 17 Jahren dabei – und dachte, das sei schon lange. Aber hier treffe ich Kolleginnen mit 25, 30 oder 35 Jahren Firmenzugehörigkeit. Das spricht für sich. Wir tun vieles richtig, und ich bin überzeugt, dass wir diesen Weg weitergehen.

Start nach Maß für den neuen General Manager Nemanja Pucarevic (l.) und sein Team: Philipp Langer (Sales Director), Tanja Schitter (People & Culture Manager), Silvia Polan (Director Corporate Affairs & Communication) und Christian Tobias (Director People & Culture) freuen sich über die erneute Auszeichnung von JTI Austria als Top Employer. © Andi Bruckner

Was motiviert dich persönlich nach so vielen Jahren im Unternehmen, dich in Österreich voll einzubringen?

Zwei Dinge: Menschen – und Herausforderungen. Ich liebe es, mit unterschiedlichen Menschen zu arbeiten. Vielfalt ist für mich inspirierend – ob Alter, Herkunft, Geschlecht – egal.
Und dann sind da die Marktbedingungen, stark reguliert, wenig Spielraum. Das macht es besonders spannend. Ich sage immer: Es gibt Chirurgen – und es gibt Mikrochirurgen. Wir in der Tabakbranche sind Mikrochirurgen. Es geht um Präzision, um das Erkennen von kleinsten Spielräumen. Selbst auf den Verpackungen schrumpfen unsere Gestaltungsmöglichkeiten.
Manchmal werde ich gefragt, ob ich moralische Bedenken habe, in der Tabakindustrie zu arbeiten. Meine Antwort: Nein. Wir sind wahrscheinlich die transparenteste Branche überhaupt. Keine andere warnt so offen vor Risiken wie wir. Und viele andere Produkte sind ebenfalls schädlich – aber dort fehlt oft jede Warnung.

Es geht also um Verantwortung: für die Gesundheit, für den Staatshaushalt, für die Trafikantinnen – viele davon mit Behinderung – und für die Mitarbeiterinnen. Ist das eher Belastung oder Ansporn?

Für mich ganz klar ein Ansporn. Ich bin stolz darauf, Verantwortung zu übernehmen – so wie auch meine Vorgänger. Und ich hoffe, dass meine Nachfolger das genauso sehen. 450 Mitarbeiterinnen, 450 Familien – das ist eine große Verantwortung. Aber auch eine große Ehre. Wir leisten viel für den Staat, wir sind Teil einer österreichischen Erfolgsgeschichte. Es ist großartig, dabei zu sein. Du kommst aus Südosteuropa, wo Familie und Tradition großgeschrieben werden.

Jetzt lebst du zum ersten Mal in Wien. Was hat dich überrascht, was gefällt dir?

Ich hatte noch keine negativen Überraschungen – nur gute. Ich wurde herzlich empfangen, nicht nur im Unternehmen, sondern überall. Im Fitnessstudio, im Supermarkt – man fühlt sich sofort wohl. Ich genieße die Ordnung, die Vorhersehbarkeit – auch wenn zum Start viele Gesetzesänderungen auf uns zukamen.

Da kamst du ja genau zum richtigen Zeitpunkt …

Offenbar! (lacht) Aber alles entwickelt sich positiv. Wien ist eine fantastische Stadt – nicht umsonst schon so oft zur lebenswertesten Stadt der Welt gewählt. Das Einzige, was mir fehlt, ist meine Familie. Sie ist derzeit noch in Belgrad – wir haben gerade ein Baby bekommen.

Herzlichen Glückwunsch!

Vielen Dank! Das ist der einzige Wermutstropfen – aber ansonsten ist Wien ein wunderbarer Ort.

Hast du schon einen Lieblingsort in Wien?

Noch nicht direkt – aber ich war oft auf den Weihnachtsmärkten. Die Atmosphäre dort war beeindruckend. Und ich gehe gerne zu Fuß – Wien ist eine sehr fußgängerfreundliche Stadt. Oft gehe ich nach einem Geschäftsessen eine Stunde zu Fuß nach Hause – es ist sicher, flach, und man kann die Stadt wie ein offenes Museum erleben. Einfach schön.

Und der Favorit beim Essen?

Wiener Schnitzel, ganz klar! Auch in Serbien nennen wir es so, Bečka Šnicla. Ich bin damit aufgewachsen. Und der Kaffee – sehr wichtig! Ich bin ein großer Kaffeeliebhaber. Deshalb freue ich mich auch sehr auf den Kaffeesiederball – mein erster Ball in Wien.

In Österreich heißt es ja: Wenn die Welt untergeht, sollte man hier sein – hier passiert alles zehn Jahre später …

Vielleicht in manchen Bereichen, aber aus JTI-Sicht sieht das ganz anders aus. Österreich gilt bei uns als besonders fortschrittlicher Markt – oft sind wir hier sogar Vorreiter und Pilotmarkt für Innovationen. Darauf sind wir sehr stolz.

Zum Abschluss: Was möchtest du den Trafikantinnen in Österreich mit auf den Weg geben? Was erwartet sie 2026?

Ganz klar: Keine Sorge. Ich erkläre auch, warum. Wir arbeiten Hand in Hand mit dem Monopol und den Trafikantinnen – und die jüngsten gesetzlichen Änderungen sind klar zu ihrem Vorteil. Die Margen werden weiter steigen, und das System ist nachhaltig aufgebaut. Auch wenn die wirtschaftliche Gesamtlage herausfordernder wird – die Trafikantinnen sind hervorragend aufgestellt. Die Integration von Pouches ins Monopol wird ihnen zusätzliche Einnahmen bringen. Ich bin sicher, sie werden davon profitieren.

Und neue Produkte?

Die neuen Gesetze schaffen dafür eine gute Grundlage. Wir prüfen das genau – aber ich bin sicher, dass neue Produkte kommen werden.

Das freut uns zu hören – vielen Dank für das Gespräch!