São Félix liegt abseits der großen Linien. Eine kleine Stadt im brasilianischen Bundesstaat Bahia, am Rio Paraguaçu, dort, wo der Tabak nicht industriell gedacht wurde, sondern landwirtschaftlich, saisonal, fast schon privat. Wer hier im 19. Jahrhundert blieb, tat das nicht aus Zufall. Als sich der Bremer Gerald (später Geraldo) Dannemann 1872 in São Félix niederließ, suchte er keinen neuen Markt, sondern einen Ort, der zu seiner Vorstellung von Tabak passte. Dannemann war Kaufmann, aber keiner, der mit Abkürzungen arbeitete. Ihn interessierte nicht der schnelle Ertrag, sondern die Frage, wie sich Qualität sichern lässt, wenn man den Prozess kontrolliert – vom Feld bis zur fertigen Zigarre.
Dannemann baute eine Zigarrenfabrik, die bis heute existiert, und er baute Beziehungen. Zu Bauern, zu Verarbeitern, zu einer Region, deren wirtschaftliche Entwicklung er später als Bürgermeister mitgestaltete. Er schrieb die erste Stadtverfassung von São Félix, investierte in Infrastruktur und prägte einen Ort, der weit mehr war als Produktionsstätte.

Die Schweizer Linie

Zur gleichen Zeit, tausende Kilometer entfernt, entstand in der Schweiz eine andere, ruhigere Geschichte. 1864 gründete die Familie Burger ein Unternehmen für Zigarren und Pfeifentabak. Die Schweiz war zwar kein Tabakland im landwirtschaftlichen Sinn, wohl aber ein Ort für Ordnung, Präzision und Verlässlichkeit. Auch hier ging es nicht um schnelle Expansion, sondern um das beständige Wiederholen eines hohen Anspruchs. Über Jahrzehnte entwickelten sich diese beiden Standorte und Unternehmen unabhängig voneinander. Die eine geprägt von tropischem Klima, Handarbeit und Landwirtschaft, die andere von Handelsstrukturen, Organisation und industrieller Sorgfalt. Dass sie zusammenfinden würden, war kein Plan, sondern Vorbestimmung in Folge ähnlicher Denkweisen.

Visionär Geraldo Dannemann © Dannemann


Als Burger und Dannemann schließlich zusammengeführt wurden, entstand kein neues Narrativ, sondern ein Unternehmen, das bis heute familiengeführt ist, in der Schweiz beheimatet bleibt und zugleich tief in Brasilien verwurzelt ist. Eigene Tabakfarmen in Bahia und Indonesien, Produktionsstandorte in Europa, Amerika und Asien stehen bis heute für das Credo „From seed to smoke“. Es geht darum, in allen Schritten der Produktion und Qualitätssicherung Kontrolle zu behalten. Heute würde man so ein Modell wahrscheinlich „One-Stop-Shop“ nennen.

Als der Markt kürzer wurde

Während Zigarren lange Zeit ein Produkt für Rituale, Pausen und Status blieben, begann sich im 20. Jahrhundert der Markt zu verändern. Städte wuchsen, Tagesabläufe wurden dichter, Genuss musste kürzer werden. Das Cigarillo entstand nicht als Innovation, sondern als Antwort auf veränderte Lebensrealitäten. Weniger Zeremonie, mehr Alltag. In den 1980er- und frühen 1990er-Jahren war dieses Segment bereits etabliert, aber erstaunlich unbeweglich. Vieles ähnelte sich, wenig Innovation fand statt.

Dannemann
Nach wie vor Handarbeit © Dannemann


In diese Phase fällt die Einführung der Moods, aus Virginia‑, Orient‑ und Tropentabaken gefertigt, im Jahr 1994. Kein Umbruch, kein Versprechen, sondern ein Produkt, das sich anpasste, ohne sich anzubiedern. Aromatisch, zugänglich, aber weiterhin Tabak. Zwei Jahre später kam Moods nach Österreich, klassisch ohne Filter und bis heute erhältlich. Der Markt reagierte pragmatisch. Moods wurden immer wieder gekauft und irgendwann nicht mehr als „exotisch“ wahrgenommen. Genau so beginnt die eigentliche Karriere einer Marke.

Wie Gewohnheit Namen bekommt

Über die Jahre wurde Moods erweitert, variiert, ergänzt. Mit und ohne Filter, unterschiedliche Formate, spätere aromatische Ausprägungen. Doch entscheidend war nie die einzelne Neuerung, sondern die Grundpositionierung. Der Geschmack, das unverkennbare Erscheinungsbild – geprägt durch die markante Farbe im Packungsdesign – und der Platz in der Trafik blieben konstant. Wenig überraschend ist Moods Marktführer im österreichischen Cigarillo-Segment. Über die Jahre wurde Moods in Österreich schrittweise zu einem Begriff, der über das Produkt hinausging. Ein Synonym. Wer in Österreich Cigarillos meint, sagt Moods. So wie seit Generationen UHU für Klebstoff, Post-It für Notizzettel oder Wettex für Schwammtücher steht – ein unverwechselbares Original eben.